20.02.2018
Rubrik Film

Queercore – How To Punk A Revolution


Drei Freunde haben herumerzählt, es gäbe eine queere Punk-Szene in Kanda. Was gar nicht stimmte. Doch daraus entwickelte sich Queercore, der später zur grössten Revolution der LGBT+ Community führen würde.

von

Regie: Yony Leyser

Queercore: Eine Gemeinschaft der Punk- und Hardrock-Szene, die sich aktiv für LGBT+ und Queerness einsetzen, indem sie Songs darüber schreiben und sich selbst dazu bekennen. Es war eine Revolution, die ganze Gruppen von Menschen zusammenbrachte und für die Rechte aller Schwulen, Lesben, Transgender und andere sexuell Unangepasste Kämpfte.

Pop, Glitzer und möglichst Feminin – das waren und sind heute noch mitunter die grössten Stereotypen für Homosexuelle. Hardcore-Punk war dafür bekannt, dass man homophob, aggressiv und diskriminierend war (Eigentlich ironisch, da das Wort «Punk» einst für die Bezeichnung von Homosexuellen verwendet wurde). Wohin soll man dann als queerer Rocker, wenn man von der Schwulen- sowie Punk-Szene abgewiesen wird? G.B. Jones und Bruce LaBruce, die Gründer von Homocore-Zines und Produzenten vieler Filme, suchten nach einer Gesellschaft, in der sie ihre Sexualität frei ausleben können und sich keine Gedanken über Diskriminierung machen müssen. Weil es so etwas in den 80ern noch nicht gab, haben sie eine Gang voller queerer Revolutionäre gebildet. Nach aussen hin verbreiteten sie den Anschein, Queercore würde sich Weltweit ausbreiten und sei überall bekannt – was nicht ganz der Wahrheit entsprach.

Zwar boten sie durch Queercore vielen, die sich auch innerhalb der LGBT+-Gemeinschaft ausgeschlossen fühlten, eine sichere Nische, doch bei weitem nicht in dem Ausmass, das sie Vorgaben. Sie dachten, es würde sie niemand ernst nehmen, doch kurz darauf gab es immer mehr Gruppen, die aus dem Dunkeln hervortraten und sich dem Queercore bekannten. Vor allem durch ihre kontroversen Zines (kleine, künstlerische Zeitschriften für bestimmte Themen wie Politik, Sexualität oder Kunst) gerieten Bruce LaBruce, G.B. Jones sowie Queercore selbst an Konzerten in aller Munde.

Den semi-kommerziellen Aufstieg von lesbischen, schwulen oder transsexuellen Punk-Bands wie Nervous Gender, Phranc oder Pansy Division, die explizite queere Songs schrieben, bekam die Revolution eine lautere Stimme, die auch von der Aussenwelt gehört wurde.

Zu Beginn der 90er Jahre kam mit Riot-Grrrl die feministische Bewegung der Hardcore-Punk-Szene zur Welt. Es waren Frauen, die sich gegen die Diskriminierung von Frauen der Punk-Welt einsetzten. Ihre Vorgangsweise war sehr ähnlich zu der des Queercore: Sie machten sich nach Aussen grösser, als sie es waren und erreichten so ganze Communities, die sich bisher einfach noch nicht lautstark ausgedrückt hatten.

In Interviews mit G.B. Jones, Bruce LaBruce und Mitglieder queerer Bands werden in «Queercore: How To Punk A Revolution» die Standpunkte verschiedenster Angehörigen der LGBTQ+ Community aufgezeigt. Sie alle wollten nur eins: Akzeptanz. Man spürt, wie es vielen auch heute noch sehr nahe geht, dass sie für lange Zeit ohne eine Gesellschaft, in der sie sich selbst sein konnten,  aufwachsen mussten. Für viele waren Queercore und Riot-Grrrl eine Rettung, Erleichterung und die letzte Hoffnung, ein vollkommen glückliches Leben führen zu können. Beide Revolutionen schockierten, empörten oder begeisterten die Menschheit. Auch wenn sie zuerst nur in kleinen Gruppen verbreitet waren, konnten sie sich durchsetzen und erhielten die Akzeptanz und Offenheit, die sie sich wünschten. In ihnen fanden viele Aussenseiter eine Familie, wo sie sich selbst sein können und sich für nichts und niemanden anpassen müssen.


Über den Regisseur
Yony Leyser ist in der Queer-Szene Chicagos aufgewachsen und war selber mitten drin. Er bastelte Zines, verteilte sie an Punk-Konzerten und drehte einen Dokumentarfilm über William S. Burroughs. In einem Statement sagt er: «Der Einfluss von Queercore ist nicht zu unterschätzen: Es öffnete die Türen zu neuen Musikgenres wie Electroclash und queerem Hip-Hop. Seine Ästhetiken finden sich heute in Mainstream-Werbekampagnen. Gucci hat sogar eine ganze Schuh-Linie nach Queercore benannt – und vehemente Kritik von Bruce LaBruce und G.B. Jones geerntet. Indie-Künstler_innen wie die Regisseurin Miranda July oder die Musikerin und Komikerin Carry Brownstein spielten zuvor in Queercore-Bands.»



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