08.03.2018
Rubrik Games

Charmant Absurd: «Metal Gear Survive»


Eigentlich kann Konami mit dem ersten «Metal Gear» seit dem Rausschmiss von Mastermind Kojima ja nur verlieren. Ein paar Punkte landet es mit diesem skurrilen Zombie-Apokalypse-Ableger aber dennoch. 

Natürlich macht Konami weiter mit «Metal Gear», auch wenn es dessen Schöpfer, Hirn und Herz Hideo Kojima Ende 2015 gefeuert hat – das Franchise gehört schliesslich zu den beliebtesten (und lukrativsten: Teil fünf verkaufte sich über sechs Millionen Mal) der Videospielgeschichte. Und natürlich wirft Konami mit «Survive» so ziemlich alles über den Haufen, wofür die Serie bisher stand. Zum Glück.

Gogo gaga
Statt sich mit Kojimas früheren Geniestreichen zu messen (und sich dabei zwangsläufig auf die Fresse zu legen), schlägt Konami einen neuen Weg ein. Angesiedelt zwischen den «Metal Gear Solid V»-Episoden «Ground Zeroes» und «The Phantom Pain» werden Sie in Form eines selbst gebastelten und lästig stummen Soldaten von Big Boss’ Basis in eine Paralleldimension gesaugt. Diese sieht der unseren ziemlich ähnlich, nur dass dort die meisten Menschen zu Zombies mit einem leuchtenden Kristall anstelle des Schädels verkommen sind. Ihre Aufgabe besteht darin, diese Wanderer getauften Wesen davon abzuhalten, über die Erde herzufallen. «Metal Gear» war ja seit jeher abgefahren, aber das hier ist einfach nur noch gaga.

Wie die Story orientiert sich auch das Gameplay nur stellenweise an der Hauptreihe. Statt schleichen ist – der Spieltitel deutet es vage an – überleben angesagt. Sie bedienen sich bei allem, was ebenfalls per Wurmloch in diese Dimension gesaugt wurde und basteln mit dem gefundenen Material neue Klamotten, Nah- und Fernkampfwaffen, Gadgets und was sonst noch nötig ist, um in dieser als «Hölle» bezeichneten Welt zurechtzukommen. Dazu kommt, dass Sie sich praktisch ständig mit Wasser (sollte vorher abgekocht werden) und Nahrung (sollte vorher gebraten werden) versorgen müssen, weil der Stoffwechsel Ihrer Figur etwa so aktiv ist wie der eines Ironman-Läufers beim Himalaya-Training mit Gewichten. In den ersten Spielstunden sorgt dies für unangenehm viel Druck und kleine Ausflüge können wegen plötzlichem Verhungerdursten schnell frustrierend werden.

Soso lala
Vor allem, weil meist nur in Ihrer Basis gespeichert wird. Wenn Sie nach 20 Minuten in der Wildnis – oder in der giftigen Staubwolke, die grosse Flächen der Karte bedeckt und für deren Durchquerung Sie ein Atemgerät basteln müssen – wegen eines dummen Fehlers das Zeitliche segnen, ist sämtlicher Fortschritt seit dem letzten Check-in zuhause futsch. «Metal Gear Survive» wird ohne Stützräder ausgeliefert, einige Lektionen lernen Sie nur durch scheitern. Das nervt. Aber es wird im Laufe der Zeit besser und dann weicht der Frust oft ganz solidem Survival-Spass – vor allem im chaotischen Online-Co-op.

Einige Dinge bessern allerdings nicht. Die verwaschene, eintönige Optik zum Beispiel kann nicht mit der des über zwei Jahre alten «Metal Gear Solid V» mithalten, obwohl beiden Titeln die Fox-Engine zugrunde liegt. Und das Gameplay funktioniert zwar, wirkt auf weite Strecken aber unausgereift, ein bisschen wie die Early-Access-Fassungen von «Ark: Survival Evolved» oder «Rust». Diese Defizite verleihen «Metal Gear Survive» einen eigenwilligen, grobschlächtigen Charme, machen aber auch klar: «Metal Gear» wird nie mehr das sein, was es einst mit Hideo Kojima war.

Wertung:

► Ab jetzt für PS4, X1, PC.



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