07.02.2018
Rubrik Games

Die Kunst der Reduktion: «Shadow of The Colossus»


Zwölf Jahre ist es bereits her seit Team ICO ihr gefeiertes Meisterwerk „Shadow of the Colossus“ auch auf dem europäischen Markt für die PlayStation 2 veröffentlichten. Selten hat ein Spiel Kritiker und Spieler gleichermassen in seinen Bann gezogen – aber was ist geblieben von diesem einstigen Zauber?

Nach einer langen und beschwerlichen Reise finden sich unser einsamer Protagonist Wander und sein treues Pferd Agro in einem fernen Land wieder. Wander trägt bei sich den Leichnam des Mädchens Mono, die er im Tempel des Lichtwesens Dormin von den Toten zurückzuholen wünscht. Dormin offenbart ihm in einer unverständlichen Sprache, dass er dazu mit seinem Schwert, das in der Lage ist eine unglaubliche Kraft zu entfalten, die im Land um den Tempel lebenden 16 Kolosse besiegen muss. Natürlich willigt Wander sofort ein und macht sich sogleich auf den Weg, um sich seinem Schicksal und dem ersten Koloss Valus zu stellen.

Die Gewaltigkeit des Moments
Die Protagonisten des Spiels sind ein schweigsamer Jüngling und sein Pferd, es gibt keine Waffen-Upgrades, Individualisierungsmöglichkeiten, keine Explosionen, keine offene Spielwelt und bloss 16 Gegner im ganzen Spieldurchlauf – wie kann dies ein Meisterwerk sein? Das Onlinemagazin IGN bezeichnete «Shadow of the Colossus» nicht nur als bestes je erschienenes Spiel für die PlayStation 2, sondern auch als «bestes Beispiel dafür, dass Videospiele Kunst darstellen können». Und genau hier liegt die Einzigartigkeit dieses Meisterwerks von Fumito Ueda. «Shadow of the Colossus» braucht keine Explosionen, überfüllte Spielwelten oder Level-up-Motivationen. Die einsame Spielwelt ohne jegliche Untermalung durch Musik führt zu einer tiefen Stille und Ruhe auf dem Weg zu den Kolossen. Dort angekommen fühlt man sich so klein, wie in kaum einem anderen Spiel und die Stimmung schlägt sofort um; aus der Ruhe wird ein erbitterter Kampf, der mal zehn Minuten, mal über eine Stunde dauern kann. Und dann mit dem Sieg ein Aufblitzen von Euphorie, getrübt durch die tieftraurige Musik beim letzten Fall des Kontrahenten. Nun folgt etwas, was kein anderes Spiel zu schaffen vermag: Ein Gefühl der Scham nach einem Sieg. Eine wehrlose und friedliche Kreatur starb soeben durch unser Schwert für unsere egoistischen Zwecke. Und wir erwachen wieder beim Schrein vor der leblosen Mono, bereit den nächsten Koloss zu stürzen.

Die Schönheit der Melancholie
Auch das bereits zweite Remake von «Shadow Of The Colossus» hat nichts von seiner Einzigartigkeit verloren. Die Spielmechanik wurde praktisch unverändert, weshalb sich auch das Pferd noch immer wie ein Panzer steuert, aber dies sei verziehen. Mehr noch trägt es genau zu diesem Gefühl bei, dass schon bei der ersten Kamerabewegung einsetzt und sich über den gesamten Spieldurchlauf hinzieht. Viel geändert hat sich dagegen in der visuellen Aufarbeitung – wobei an dieser Stell betont werden muss, dass schon das Original und das PS3-Remake fantastisch aussahen. Mit der aktuellen Konsolengeneration sieht das Spiel aber einfach atemberaubend schön aus und erhält nun endlich auch visuell ein gebührendes Kleid.

«Shadow of the Colossus» ist noch immer kein Spiel für jedermann. Wer sich aber auf die Umgebung, die Geschichte und die moralischen Fragen einlässt, wird mit einem der besten Spielerlebnisse aller Zeiten belohnt und ist am Ende um eine unvergleichliche Erfahrung reicher. Spiele können halt doch Kunst sein.

Wertung:

Ab 7.2. für PS4



Kommende RCKSTR Events & Partys

Newsletter anmelden

Unseren Newsletter versenden wir Donnerstags.

Aktuelle Ausgabe online lesen