05.03.2018
Rubrik Games

«Kingdom Come: Deliverance»


Anno Domini 1403: Kaiser Karl IV. ist tot und sein Sohn Wenzel wird zum König von Böhmen gekrönt. Dies durchkreuzt die Pläne seines deutschen Halbbruders Sigismund, der daraufhin den neuen König gefangen nimmt und mit einer riesigen Streitmacht in das Land einfällt. So beginnt also erneut eine Geschichte um Treue, Ehre und Rache.

Böhmen im frühen 15. Jahrhundert ist eine von von Helden und Rittern dominierte Welt, doch wir fangen ganz weit unten in der Hackordnung an und übernehmen die Rolle von Heinrich, dem Sohn des hiesigen Schmieds. Als Sigismund mit seiner Streitmacht in das Dorf einfällt, werden auch Heinrichs Eltern nicht verschont und als einer der wenigen Überlebenden, schwören wir dem Tyrannen natürlich ewige Rache. Das Problem dabei ist nur, dass Heinrich weder kämpfen noch reiten kann und auch nicht von adliger Herkunft ist. In «Kingdom Come: Deliverance» wird man halt nicht als Held geboren, sondern muss sich erst mühsam hocharbeiten – und auf dem Weg dorthin schenkt einem das Spiel nichts.


Bohemian Rhapsody
«Kingdom Come: Deliverance» ist Realismus pur und kann durch seine Komplexität schnell überfordern: Was bei anderen RPG-Spielen der Hardcore-Modus, ist hier das alltägliche Handwerk. Das heisst, Heinrich muss stets gut genährt und ausgeschlafen sein, damit er im Kampf taugt und bei Interaktionen mit NPCs sollte auf die passende Kleidung und deren Sauberkeit geachtet werden. Auch bei Kämpfen mit dem Schwert oder einer den unzähligen anderen Waffen sollte mit Bedacht vorgegangen werden, da unserem Helden in spe sonst ziemlich schnell die Lichter ausgeknipst werden.

Das Rollenspiel für Geschichtsstudenten glänzt aber nicht nur mit realistischem Gameplay, sondern auch mit seiner getreuen Wiedergabe des Lebens im beginnenden 15. Jahrhundert und einer glaubhaften Spielewelt. Dabei wird das spätmittelalterliche Böhmen nicht nur durch reale Persönlichkeiten sowie authentische Kleidung und Architektur zum Leben erweckt, sondern auch durch die sozialen und kulturellen Merkmale, die dieses Zeitalter geprägt haben. Und das Ganze in einem so unerschöpflichen Umfang, dass bei «Kingdom Come: Deliverance» der Vorspann erst nach einer so langen Spielzeit einsetzt, bei der andere Spiele schon die halbe Story abgefahren haben.


Finis coronat opus
So herausragend die Idee und die Ambitionen hinter dem Spiel auch sind, so sehr hapert es in der Umsetzung derselbigen. Vor allem auf den Konsolen finden sich unzählige Bugs, Grafikfehler und KI-Aussetzer, die so manche Stimmung, Begegnung oder Quest zerstören. Dazu kommen die langen und viel zu häufigen Ladezeiten auf den Konsolen, die oft sogar während Dialogen auftreten und damit für plumpe Abläufe sorgen. Teilweise fühlt es sich dadurch an, als ob man gerade zehn Jahre in die Vergangenheit gereist ist und dort versucht «Gothic 3» auf einem veralteten Computer zu spielen. Darüber hinaus wurden Spielmechaniken – wie beispielsweise das Schlösserknacken oder teilweise auch das Bogenschiessen – einfach von der PC-Version auf die Konsole übertragen, wodurch diese Aktionen mit einem Gamepad kaum zu bewältigen sind.

All dies führt zu unglaublich viel Frust, der diesem ambitionierten Projekt in keiner Weise gerecht wird und der durch eine sorgfältige Feinpolitur vermieden hätte werden können. Wir hoffen schwer, dass die Mängel mit baldigen Patches behoben werden, damit der fordernde Schwierigkeitsgrad wirklich durch das spannende Spielprinzip entsteht und nicht durch die marode Technik verursacht wird. Momentan fühlt es sich aber doch eher wie eine vertane Chance als die versprochene RPG-Offenbarung an.

Wertung:
Ab sofort für PC, PS4, Xbox One.



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