14.12.2017
Rubrik Games

Space-Pew-Pew mit Ballast: «Star Wars: Battlefront II»


Das «Battlefront»-Reboot vor zwei Jahren sah grossartig aus, hatte jedoch wenig Fleisch am Knochen. Beim Nachfolger tischt EA darum grosszügiger auf – und nun krankt der «Star Wars»-Multiplayer-Shooter an störendem Übergewicht.

Bevor «Star Wars Battlefront II» überhaupt erhältlich war, schaffte es Publisher EA, einen zugehörigen Reddit-Beitrag online zu stellen, der aktuell als der Post mit den meisten Downvotes seit Anbeginn der (Reddit-)Zeit gilt. Der Grund: Um Saga-Lieblinge wie Darth Vader und Luke Skywalker steuern zu können, hätte ein Vermögen an In-Game-Kohle ausgegeben werden müssen und dieses häuft nur an, wer buchstäblich dutzende Stunden vor dem Bildschirm verzockt oder mit echtem Schotter «Star Wars»-Credits kauft und so die teure Abkürzung nimmt. Die Entwickler reagierten, senkten den Figuren-Kaufpreis um 75 Prozent und entfernten die Möglichkeit, reales Geld zu investieren. Das Problem ist damit aber nicht gelöst.

Kompliziert statt komplex
Die Art, wie Sie im Multiplayer-Shooter Fortschritte machen, bleibt nämlich unverändert: Statt mit Erfahrungspunkten oder erspieltem Stutz neue Fähigkeiten und Upgrades in Form von sogenannten Star Cards freizuschalten, ordern Sie mit gewonnenen Credits Loot Crates, deren Inhalt komplett dem Zufall überlassen ist. Vielleicht winkt ein alternativer Ballermann für die Assault-Klasse, die Sie am liebsten spielen; vielleicht kommt aber auch nur eine Verbesserung für den snipenden Specialist zum Vorschein, den Sie nie auswählen und die sie sowieso schon haben – und für Doppeltes gibt’s gerade mal eine Handvoll Credits als Entschädigung. Spezifische Star Cards können Sie mit Bauteilen auch selbst basteln, doch für bestimmte Verbesserungsstufen muss die betreffende Figurenklasse den entsprechenden Level erreicht haben – und dafür müssen Sie eine gewisse Menge Star Cards für diese Klasse gefunden oder gebaut haben.

So etwas wie klassisches Aufleveln existiert ebenfalls (analog zum «Battlefront»-Reboot 2015). Wenn Sie mit einer der vier Grundklassen – neben Assault und Specialist stehen noch Heavy und Officer zur Auswahl – genügend Abschüsse verbucht haben, werden neue, modifizierbare Knarren freigeschaltet. Sie sehen also, dass bei «Star Wars Battlefront II» eine Menge (unnötig) komplizierte Systeme ineinandergreifen. Und wenn wir schon bei neu und mehr sind: Diesmal wird eine Singleplayer-Kampagne mitgeliefert, die zwar mit der vielversprechenden (imperialen!) Figur Iden Versio beginnt und sowohl Missionen zu Fuss als auch im TIE Fighter/X-Wing bietet, aber schnell in dröges Standard-Ballern mit klischierter Story abdriftet und durch die wohl als Fan-Service gedachten Passagen mit Leia, Han und Lando verwässert werden. Immerhin: Als nette, fünf- bis sechsstündige Alternative zum Hauptprogramm des Spiels taugt der Modus allemal.

Im Herzen gut
Der Fokus bleibt auf dem Multiplayer. Der bis zu 24 Kämpfer fassende Starfighter Assault fällt im Vergleich zum Vorgänger üppiger aus, lässt aber taktische Tiefe vermissen; wer den anderen Raumjäger zuerst sieht, gewinnt den Dogfight wahrscheinlich auch. Daneben gibt’s drei launige, wenn auch nicht überragende Modi für weniger Spieler, das Herzstück jedoch ist erneut der Galactic Assault. 40 Ballermänner und -frauen balgen sich auf 18 Maps sowohl am Boden als auch in der Luft um die Vorherrschaft und werfen mit allem um sich, was sich ein «Star Wars»-Fan wünscht, von Thermaldetonatoren bis zu Doppelklingen-Lichtschwertern. Wer sich gut anstellt, sammelt auf dieses Match beschränkte Punkte und leistet sich damit für die nächste Runde mächtigere Klassen, Fahr- und Flugzeuge oder die grossen Helden und Bösewichte der Saga.

Während den Gefechten in den lächerlich hübschen Levels bleibt der Frust über das Star-Card-System aussen vor (ausser, wenn Sie einen Zweikampf aus scheinbar unerfindlichen Gründen verlieren und danach sehen, dass Ihr Bezwinger Star Cards der höchsten Stufe einsetzt) und dann strahlt «Star Wars Battlefront II» auch den Zauber aus, den man von einem grossen Titel mit dieser Lizenz erwartet. Aber nach dem Match geht’s zurück ins Hauptmenü mit dem grossen Loot-Crate-Button und Sie werden daran erinnert, wie viel unnötigen und auch spielerfeindlichen Mist EA mit ins Game gepackt hat.

Wertung:

Jetzt für PS4, X1, PC



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