Gig-Preview: FKA Twigs


Andere trinken warmen Honig, um sich auf die anstehende Tour vorzubereiten. FKA twigs trainiert chinesischen Schwertkampf. Für die Liveshows zu ihrem neuen Album «Magdalene» darf man sich also durchaus ein audiovisuelles Spektakel erhoffen.


Live am 28. November im X-TRA in Zürich

Was kann FKA twigs eigentlich nicht? Im Musikvideo zur hinreissenden Piano-Ballade «Cellophane» wirbelt die 31-Jährige um eine Pole-Dance-Stange, als hätte sie ihr ganzes Leben lang nichts anderes gemacht. Hat sie aber; tanzte beispielsweise zu Beginn ihrer Karriere als Backup-Performerin für Ed Sheeran und Kylie Minogue, studierte Oper und sang in einer Punkband. Schliesslich veröffentlichte die Londonerin 2014 ihr Debütalbum «LP1» und wurde damit umgehend für den begehrten Mercury Prize sowie Brit Award nominiert. Ihr experimenteller, nie aber unzugänglicher Soul-Pop- und Hip-Hop-Hybrid fasziniert Kritik und Publikum vom ersten Ton an. Auch optisch weiss sich FKA twigs dabei stets kunstvoll in Szene zu setzen, scheint wie nicht von dieser Welt und bricht womöglich auch deshalb nicht komplett im Mainstream durch, der höchstens dann aufhorcht, wenn es um ihre Ex-Beziehungen mit Robert Pattinson und Shia LaBeouf geht.

Die Alleskönnerin doppelt nach

Dabei schliesst sich FKA twigs in keinen musikalischen Elfenbeinturm ein und scheut sich auch nicht, vom R&B-Arthouse auf den Hip-Hop-Dancefloor auszubrechen: Mit A$AP Rocky kollaborierte sie im vergangenen Jahr auf dem Track «Fukk Sleep», führte im Clip auch gleich Co-Regie. Für ihre Vorab-Single «holy terrain» holte sich die Engländerin Future, Skrillex und Jack Antonoff ins Boot, um die Vorfreude für ihr zweites Album noch weiter anzufeuern. Fünf Jahre hatte sich twigs dafür Zeit gelassen, Ende Oktober ist «Magdalene» nun endlich erschienen. Neben dem Songwriting nahm das Multitalent dabei auch grosse Teile der Produktion in die eigenen Hände, nennt Enya, Björk und Kate Bush als Vorbilder für den ätherischen, verführerischen Sound der neun Songs. Sexualität spielt auch diesmal eine wichtige Rolle in den Texten von twigs – und manchmal bringt sie dabei auch einfach wie auf «daybed» jene depressive Selbstbefriedigung auf den Punkt, durch die wir uns doch alle schon mal vergeblich erhofft haben, uns kurzzeitig bessere Laune herbeizurubbeln.

Langersehnte Schweizer Premiere

Texte übers Frustfingern und traditionelle Wushu-Performances in einer Show gibt es nun also auf FKA twigs aktueller Tour – und noch viel, viel mehr. Wenn es jemandem gelingt, diese mannigfaltigen Elemente in einem überwältigenden Gesamtkunstwerk zu vereinen, dann diesem kreativen Wirbelwind. Die Konzertreise führt die Sängerin auch zum ersten Mal für eine Headliner-Show in einen Schweizer Club. Im Zürcher X-TRA zelebriert FKA twigs mit «Magdalena» und ihrem Backkatalog eine schillernde Messe, die sämtliche deiner Sinne überwältigen wird.

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