Madmoiselle Must-See: Amelie Lens an der Street Parade


Kaum eine Künstlerin ist in den vergangenen Monaten so steil in der Techno-Szene aufgestiegen wie die 30-Jährige. Jetzt darf auch die Street Parade endlich sagen: «Bonjour, Amelie».


Die Belgierin Amelie Lens  aus Antwerpen steht sinnbildlich für eine höchst wünschenswerte und längst überfällige Entwicklung in der elektronischen Musik. Viele, viele Jahre lang waren weibliche DJs in den Booths der House- und Techno-Clubs eine (beschämend untervertretene) Rarität. Nun, es gab (und gibt leider auch heute noch) männliche DJs, die der Ansicht sind, dass Frauen nunmal nicht das Zeug zum Auflegen hätten und dass sie ihren Job prinzipiell schlechter machen würden als ihre männlichen Kollegen.

Was für ein Unsinn, was für eine bornierte und rückständige Unterstellung. Amelie Lens hat, gemeinsam mit anderen grossartigen Techno-Künstlerinnen wie Black Madonna oder Charlotte de Witte, diesen chauvinistischen Nonsense auf beeindruckende Art und Weise ad absurdum geführt. Dafür gibt es auch einen Beleg «Made in Switzerland»: Als sich Amelie Lens im November 2018 für ein Set im Zürcher Hive ankündigte, wurde dieses Ereignis von der elektronischen Plattform ubwg.ch mit dem Titel «Amelie Lens. Endlich. Im Hive» euphorisch angekündigt. Der Rücklauf auf die Ticket-Verlosung zu diesem Artikel soll dermassen massiv gewesen sein, dass die Macher von ubwg.ch zeitweise um die Stabilität ihrer Server fürchten mussten. Ganz zu schweigen vom Andrang an der Hive-Tür am Abend des 7. November 2018: Die Einlasswilligen standen dicht an dicht und das bis an die Geroldstrasse.

Ehre wem Ehre gebührt: Amelie Lens, die als Teenager für Jean Paul Gaultier über den Laufsteg gegangen ist und in Kampagnen für H&M zu sehen war, hat die Auflegerei 2014 für sich entdeckt und schon damals offenbarte sich ihr überragendes Talent. Es dauerte gerade mal zwei Jahre bis ihre ersten Veröffentlichungen erschienen sind, 2016 auf dem Imprint Second State von Pan-Pot. In der Folge wurden die Booker international namhafter Festivals wie des niederländische Awakenings, des Tomorrowland und des Pukkelpop in Belgien und des deutschen Melt! auf die Durchstarterin aufmerksam. Mittlerweile folgen der Sympathieträgerin und selbsternannten «self-confessed control freak» auf Facebook über 600’000 Fans, darunter auch Richie Hawtin, der sie erstmals an einer ADE gehört hatte und von ihrem Set aus den Socken gepustet wurde.

Amelie Lens profiliert einen straight forward Techno mit vielen Referenzen an die frühen Tage des Genres. Dennoch klingt ihr Sound keineswegs rückwärtsgewandt: Die Antwerperin verleiht ihrem Output eine überaus futuristische Note und entwickelt während ihrer Sets eine Energie, die sich ungefiltert auf ihr Publikum überträgt – die Frau ist eine Crowdpleaserin, die man einfach erlebt haben muss. Die nächste Gelegenheit ist an der Street Parade, an der Amelie Lens selbstverständlich auf der Opéra Stage (22.30 Uhr) spielen wird. Es ist ihr erstes Gastspiel an der grössten Technoparty der Welt und es ist zu hoffen, dass es längst nicht ihr letztes sein wird.

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