Mia Morgan: Gruftpop und Depressionen


Wir haben mit Mia Morgan über Mental Health und 2000er It-Girls gesprochen.


Raveboys sind passé, wir wollen wieder Waveboys. Wie Mia Morgan das in ihrem Song “Waveboy” so schön besingt. Süsser Indiepop mit scharfzüngigen Texten, das ist Mia Morgan. Sie singt über Gothgirls und Herzensbrecher und zeigt damit, wieso Goth immer en vogue ist. Im Internet inszeniert sie sich nicht nur schön, sondern nutzt die Plattform auch für kluge Inhalte. Auf Instagram schreibt sie über ihre Depressionen und zeigt die schönsten Looks der 2000er.  Am Radar Festival am 7. März wird sie bei uns im Office spielen. Wir haben uns mit ihr unterhalten.

 

RCKSTR: Was hast du letzte Nacht geträumt?
Mia Morgan: Ein guter Freund von mir ist in meinem Traum vorgekommen und ich sass bei ihm auf dem Sofa. Aber ansonsten kann ich mich nicht mehr dran erinnern.

 

Du hast schon ein paar Interview gegeben. Worüber hast du immer Bock zu sprechen?
Filme und Popkultur der frühen Zweitausender. Die ganzen Paris Hilton, Lindsay Lohan Dunstkreise der It-Girls.

So “Simple Life” und so?
Ganz genau. Oder amerikanische Youtuber. Emma Chamberlaine, Kurtis Conner, Noah Miller, usw. Ich hab das immer zum Frühstück an. Wenn ich nicht arbeiten muss, mach ich mir ein grosses Frühstück, setz mich hin und guck mir die ganzen Videos an. Und dann kann der Tag beginnen.

 

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Support Tour Part I: Wien & Dresden 💗 als Baby im Biz sind Support-Shows immer ein Adrenalin-Rausch, ich bin nervös on stage und hoffe, dass ich die Fans des Hauptacts, in diesem Fall die der lieben @antilopengang , mit meiner minimalistischen Vampir-Popshow begeistern kann. Zu sehen, dass das dann wirklich bei einigen klappt, macht mich sehr glücklich. Aber es ist nicht alles smooth and easy, I’m not gonna lie- diese erste Nightlinertour zehrt an mir und ich fühle mich ein bisschen wie auf Klassenfahrt zum Sensenstein 2003. Klaustrophobie Peak, mein Bett und der Anblick meines gesamten Körpers fehlen mir, und ich hab Angst dass mir vom Busruckeln die Spirale aus dem Uterus schießt. Y2K Popstarkult hat meine Vorstellungen vom Musikmachen geprägt: Hotel, präferabel mit Pool, Spa, Fitnessraum, Juicy Couture Anzüge für alle aus der Band und Crew… That’s the dream I’m going for ✨💗👙 Aber reality check: Ich lerne aus Unannehmlichkeiten, Stärke wächst an Beharrlichkeit, und bin dankbar für jede Erfahrung auf meinem Weg. Marina, Lana, Britney, they’ve all been there. Hatte gestern eine kleine Krise und eine Stunde lang im Innenhof geweint, fast meinen Nebenjob Impuls-gekündigt und mich in einem Schrottcontainer versteckt. Dann habe ich einen lieben Hund namens Alina kennengelernt und es ging wieder. 💗 BPD 💗Ich bin froh, dass ich meinen Tour- und Emotional Support Engel @elhotzo dabei habe, und dass ich mich zu keiner Zeit einsam fühle. Wegen liebem Besuch in Wien, der Gang selbst oder goldigen Tieren im Backstage. Bisher kennengelernt: Frau Minge, Archie, Snow und Alina. Heute geht es in München weiter, dann in am 22.02. Wolfsburg, 24.02. in Jena und am 28.02. in Hamburg 💗✨💗 Stage Fotos: @paolo_picasso_ & @thomas_schermer

Ein Beitrag geteilt von Mia Morgan (@mialisamarie) am

 

Du setzt dich auf Instagram nicht nur mit deine Musik, sondern auch mit Mental Health auseinander. Was sind da die Themen, die für dich aktuell sind?
Mia Morgan: Ich bin mit einer leicht ausgeprägten Borderlinestörung vom emotional instabilen Typ diagnostiziert. Das heisst, ich habe oft mit Stimmungsschwankungen zu tun, die sehr extrem sind. Essstörung ist auch schon immer ein Thema bei mir gewesen. Da habe ich in meinen Teenagerjahren sehr viel damit zu tun gehabt. Depression sowieso immer also ein wildes Mischmasch (lacht).

 

Teilen da auch deine Fans ihre Erfahrungen mit dir?
Ich hab das schon ein paar Mal nach den Shows gehabt, dass überwiegend junge Mädchen zu mir kommen und mir erzählen, dass es ihnen grad nicht so gut geht. Und dass es ihnen geholfen hat zu sehen, dass ich damit offen umgehe und sich meine Musik auch mit solchen Themen befasst.

 

Das ist so wichtig, dass man seine Plattform nutzen kann.
Ich hatte das als Jugendliche nur im familiären Kreis. Ich habe das Glück, dass ich Eltern habe, die mich immer unterstützt haben, wenns mir nicht gut ging. Aber die ganzen Leute zu denen ich aufgeschaut haben, irgendwelche Sängerinnen oder Schauspielerinnen: da war das noch nicht so ein offener Umgang damit. Zum Beispiel, um wieder zu den 2000er It-Girls zu kommen, als Mary Kate Olsen so offensichtlich magersüchtig war, haben sich alle Magazine nur das Maul über sie zerrissen. Niemand hat mal hinterfragt, was da eigentlich los ist.

 

Da sieht man das Zusammenspiel mit dem patriarchalen System, wie die Frauen gegeneinander ausgespielt werden. 

Total. Ich hab früher immer so halb ironisch Klatschmagazine gelesen. Aber man kann es nicht wirklich ironisch machen, weil man macht es so oder so. Das hat mich dann irgendwann wieder in so ne Abwärtsspirale gezogen. Da gibt es im selben Magazin auf der einen Seite Artikel darüber, dass man sich selbst lieben soll und auf der nächsten Seite sind irgendwelche Diättipps und auf der Seite danach gibts Cremes gegen Falten. Das ist alles total kontraproduktiv und passt nicht zusammen. Man wird als Frau medial mit so viel Scheiss bezüglich des eigenen Körpers beladen, dass man sich aus den Mainstream Medien manchmal zurückziehen muss, um überhaupt erstmal klarzukommen. Obwohl ich sagen muss, dass sich auch wirklich was gewandelt hat. Ich bin noch nicht zufrieden aber ich bin schon wesentlich zufriedener, als ich das noch 16, 17 war, wo es halt überhaupt keine Repräsentation von anderen Körpertypen als schlank gab. Das gibts mittlerweile und das ist eine gute Sache.

 

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

💐✨Existenzangst im Ikea✨💐

Ein Beitrag geteilt von Mia Morgan (@mialisamarie) am

 

Was hilft dir, wenn du merkst, dass es dir grad nicht so gut geht?

Ich hab da gar keine Wunderwaffe, weil ich weiss, dass das eh wieder weg geht. Was mir tatsächlich immer hilft, obwohl ichs nicht zugeben will, ist sich bewegen. Ich muss mich damit einfach auseinandersetzen. Ich versuch darüber zu schreiben. Ich versuch das irgendwie umzuwandeln in Fliesstext oder Songtext. Aber oftmals isolier ich mich auch einfach und gönn mir die Ruhe, die ich haben will. Und nimm dann einfach ne Woche oder zwei überhaupt nicht am richtigen Leben teil. Insofern das möglich ist.

 

Das tut manchmal gut sich einfach ausklinken und auf sich selbst fokussieren. 

Ja in gewissem Masse. Ich bin sowieso nicht so eine Rausgeherin. Mein Privatleben findet hauptsächlich in meiner eigenen Wohnung und im Umkreis dieser statt. Manchmal ist das aber auch nicht so gut. Ich habe ab und zu das Gefühl, dass ich ein bisschen was verpasse, weil ich dann diesem Impuls, mich zu isolieren oft nachgebe. Manchmal muss ich mir dann auch selber in den Arsch treten. 

 

Wie erholst du dich am besten? 

Ich war ewig nicht mehr im Urlaub. Ich würd sehr gerne wieder an die Nordsee. Da war ich als Kind immer und das tut mir immer sehr gut. Ich lese gerne, ich geh gern Shoppen und mach dann sozusagen Retail Therapy.