Openair Gampel: Man rappt deutsch – Die Guten, die Bösen und die Hippen


Kein Musikgenre ist in den DACH-Charts aktuell erfolgreicher als Deutschrap. Und an keinem Schweizer Festival ist die Szene so stark vertreten wie am Gampel. Doch reden «Cherry Lady», «Gangsterbraut» und «Lieblingsmensch» kaum die gleiche Sprache.


15. bis 18. August, Gampel (VS)

So gross wie ABBA, demnächst wahrscheinlich auch schon bald die Beatles überholt: Wenn Universal Music von seinem Schützling Capital Bra schreibt, dann werden die ganz grossen Namen gedroppt. Das Label bezieht sich dabei auf die neun Nummer 1 Hits, die der Berliner innert zehn Monaten in die Charts gebracht hat. Ein Rekord, der dem gebürtigen Sibirier den Ruf als bislang erfolgreichster deutschsprachiger Musiker des 21. Jahrhunderts eingebracht hat. Wer seine musikalische Diät über die hiesigen Radios bezieht, dürfte davon nicht viel mitbekommen: Die meisten Stationen boykottieren Capi, begründen das Blackout mit seinen oftmals problematischen «Fick dies, lutsch das»-Texten. Doch für einen Künstler, der sein Werk perfekt den Konsumgewohnheiten der Streaming-Generation auf den Pausenplätzen von Schlieren bis Schwerin angepasst hat, spielt das keine grosse Rolle. Ein Game, das auch Bonez MC und RAF Camora kapiert und kultiviert haben: Drei Songs ihres zweiten Albums «Palmen aus Plastik 2» belegten zeitweise die Top 3 der deutschen Hitparade, alleine in der ersten Woche wurden über 57 Millionen Streams generiert.

Old School, New Punk
Doch auch die alte Schule hat sich noch lange nicht in die Sommerferien verabschiedet: Neun Jahre lang liess sich Dendemann für sein neues Album «da nich für!» Zeit und landete damit im Februar prompt zum ersten Mal in seiner Karriere auf Platz 1. Die Karriere des Hamburgers reicht bis in die 1990er zurück, als Teil des Duos Eins Zwo feierte er seine ersten Erfolge und veröffentlichte mit «Gefährliches Halbwissen» 1999 einen absoluten Genre-Klassiker. Zu diesem Zeitpunkt war Yung Hurn gerade mal vier Jahre alt. Inzwischen spalten sich am Österreicher die Geister: Ist das Kunst oder kann das Rap? Drogen und Dada scheinen die Hauptzutat seines benebelten Trap-Sounds zu sein, vor zwei Jahren liess er beim Openair Frauenfeld das SRF während eines Interviews dermassen auflaufen, dass der Clip dazu viral ging und der Welt zeigte: Punk trägt nicht mehr Lederjacke sondern Velourhoodie. 

Mit Flow im Mainstream
Nicht ganz so nihilistisch, aber durchaus mit künstlerischem Anspruch, operiert Alligatoah. Musikalisch wandelbar und live auf die ganz grosse Show aus – auf seiner aktuellen Tour begrüsst er das Publikum eben mal vor der Kulisse eines Hotels aus den 1930er Jahren und schaut dabei aus wie Jim Carrey in «Die Maske» – kommentiert das launige Multitalent in cleverer Wortgewalt die verätzenswerten Aspekte vom aktuellen Kultur- und Weltgeschehen. Dabei wagt sich Alligatoah auch gerne mal an den Pop heran – jedoch nie so knietief, wie das Namika inzwischen tut. Ihre Karriere begann sie als Hän Violett in der Hip-Hop-Szene. Später eroberte sie als Sängerin gleich mit ihrer ersten Single «Lieblingsmensch» Platz 1 der Charts. Ihren Flow von damals hat sie aber bis heute beibehalten, nachzuhören beispielsweise in Songs wie «Phantom». Zu verdanken hat Namika ihren anhaltenden Erfolg übrigens insbesondere auch dem rigorosen Radio-Airplay. Es führen eben doch noch immer verschiedene Wege auf den Gipfel des Erfolgs – oder eben zwischen die Hügel von Gampel.

Im Sinne der Völkerverständigung haben wir diesen Text zusätzlich ins Walliserdeutsch übersetzen lassen:

Mu rappt ditsch: Die Güetu, die Beschu und d Hippu

Keis Müsikschenre isch i de DACH-Charts aktuell erfolgricher als Ditschrap. Und an keinum Schwiizer Festival isch die Szena so starch verträtu wie in Gampel. Doch redunt «Cherry Lady», «Gangsterbraut» und «Lieblingsmensch» küm die glich Sprach.

So gross wie ABBA, demnägscht wahrschinli oi scho bald die Beatles überholt: Wenn Universal Music vo schinum Schützling Capital Bra schribt, de wärdunt die ganz grossu Nämu droppt. Z Label bezieht schich derbi uf die niin Nummer 1 Hits, die der Berliner innert zäh Monät in die Charts gibrungu het. En Rekord, der dum gibürtigu Sibirier de Rüef als bislang erfolgrichschte ditschsprachige Müsiker des 21. Jahrhunderts igibrungu het. Wer schini müsikalisch Diät über d hiesigu Radios bezieht, het dervo bisher nu nid viel mitvercho: die meischtu Statione boykottierunt Capi, begründunt das Blackout mit schine oftmals problematischu «Fick dies, lutsch das»-Texta. Doch für en Künschtler, der sis Wärk perfekt de Konsumgwohnheite der Streaming-Generation uf de Pauseplätz von Schlieru bis Schwerin agipasst het, spielt das kei grossi Rolla. Es Game wo oi Bonez MC und RAF Camora kapiert und kultiviert hent: Dri Songs ihrusch zweitusch Albums «Palmen aus Plastik 2» hent zitwis die Top 3 der ditsch Hitparade bileit, allei in der erscht Wucha sind uber 57 Millione Streams generiert wordu. 

Old School, New Punk
Doch oi die alte Schule het schich nu lang nid in d Summerferjie verabschiedut: Nin Jahr lang het schich Dendemann fer sis neu Album «da nicht für!» Zit glah und isch im Februar damit zum erschtu Mal in schiner Karriere uf Platz 1. glandut. Die Karriere des Hamburgers reicht bis in d 1990er zrugg, als Teil des Duos Eins Zwo het er schini erschtu Erfolga gfiirut und veröffentlichte mit «gefährlichem Halbwissen» 1999 en absolute Schenre-Klassiker. Zu dischum Zitpunkt isch de Yung Hurn grad mal vier Jahr alt. Inzwischu schpaltunt schich am Öschtrricher die Geischter: Ich das Kunscht oder cha das Rap? Droge und Dada schinunt d Häuptzüetat vo schinum benäblutu Trap-Sound z si, vor zwei Jahr het er bim Openair Fräuufäld z SRF währund emu Interview dermassu la üfläufu, dass der Clip derzüe viral isch gangu und der Wält gizeigt het: Punkt treit nimme Läderjacka sondern Velourhoodie

Mit Flow im Mainstream
Nid ganz so nihilistisch, aber durchüs mit künschtlerischum Aspruch, operiert Alligatoah. Müsikalisch wandelbar und live uf die ganz gross Show üs – uf schiner aktuell Tour bigriesst er s Publikum äbu mal vor der Kulissa vomu Hotel üs de 1930er Jahr und gseht derbi üs wie Jim Carey in «Die Maske» – kommentiert z lünig Multitalent in kleverer Wortgwalt die verätzunswärtu Aschpäkta vom aktuellu Kultur- und Wältgscheh. Derbi wagt sich Alligatoah oi gäru mal an Pop ra – jedoch nie so chnewtief, wie das Namika inzwischu macht. Ihru Karriere het schi als Hän Violett in der Hip-Hop-Szena agfangu. Später het schi als Sängeri glich mit ihrur erschtu Single «Lieblingsmensch» de Platz 1 de Charts erobrut. Ihrusch Flow vo damals het schi aber bis hitu bibihaltu, zum nalosu bispielswiis in Songs wie «Phantom». Z verdanku het Namika ihru anhaltund Erfolg übrigens bsunders oi dum rigorosu Radio-Airplay. Es fiehrunt äbu doch nu immer verschieduni Wäg uf de Gipfel des Erfolgs – oder äbu zwischu d Higla vo Gampel.

Letzte Chance: Lösli zum Glück – Die grosse RCKSTR-Tombola 2019

Jedes Jahr über 30 Haupt- und 6’000 Soforttreffer im Wert von über 100’000 Franken.

Der RCKSTR-Block ist zum elften Mal am Open Air Gampel vertreten – und das ist somit deine letzte Chance, dieses Jahr noch einen der fabelhaften Preise unserer Tombola zu ergattern. Mit dieser sind wir nämlich definitiv wieder mal eine der Hauptattraktionen, immerhin halten wir dort noch Preise im Wert von über 60’000 Stutz bereit. Darunter sind einige absolute Must-Haves; wer will denn nicht mit einer faltbaren Reisedrohne nach Hause gehen? Ebenso gibt es noch tausende tröstende Sofortpreise zu gewinnen, solltest du einen der Hauptpreise verpassen. Also kein Problem, wenn das mit der Drohne, dem Reisegutschein, portablen Wok, Töffli oder mit der Gitarre nix wird – ein Freibier wird dich danach trösten. Oder eine Rolle Klopapier (absolut Gold wert im Festivaldschungel, imfall). Mit einer Gewinnquote von 1:4 hast du fast nix zu verlieren – besser, du holst dir also gleich vier Lösli, um auf Nummer sicher zu gehen und garantiert einer der geilen Preise abzustauben.

Lösli gibt’s im RCKSTR-Block, wo du sowieso ständig rumhängen solltest, oder direkt von unseren bezaubernden Lösli-Girls in freier Festival-Wildnis. Nicht näher recherchierten Quellen zufolge rücken diese ab 100 gekauften Lösli die Telefonnummer raus. Wahrscheinlich nicht ihre eigene, aber ein Versuch ist es doch wert, oder?

Diesen Artikel kannst du ab sofort in voller grafischer Pracht in unserer Online-Ausgabe des Printmagazins lesen.