1000 Tage #vanlife



Rund 31’000 Personen verfolgten den Panamerica-Roadtrip der «vanabundos» Gabriella und Sandro aus Zürich auf Instagram. Im RCKSTR erzählen die beiden, was es für einen perfekten Roadtrip braucht.

Ihr wart 1’000 Tage mit dem VW-Bus «Luz» unterwegs, von Nordamerika nach Südamerika. Wie ist es dazu gekommen?
Als wir vor einigen Jahren in den Ferien auf Bali einen Van mieteten und uns damit ständig verfuhren, wussten wir: Das ist unser Ding. Im selben Jahr kauften wir unseren Van und verschifften ihn ein Jahr später in die USA. Wir hatten nie eine fixe Route geplant, sondern folgten grob einer Richtung: südwärts.

Wo war eurer schönster Campingplatz?
Pasaj Cap am Lago Atitlan in Guatemala – mit Blick auf den See und die umliegenden Vulkane. Die Anfahrt ist ziemlich abenteuerlich: Entweder dem See entlang mit Polizeieskorte, weil es ab und zu Überfälle gibt, oder über den Berg eine sehr üble Strasse hinunter, auf der schon vielen die Bremsen zu rauchen begannen.

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Is it weird to be home? No. But there is one thing we didn't see coming: That it would feel very strange to not do everything together anymore. Not that we're not also enjoying doing stuff individually now, but there's for sure some kind of adjusting phase. Being together everyday for such a long time meant we only had one phone and one wallet and one pair of keys. We never even thought about it, it just happened. And now, being back to civilization, we each have our own wallet and phone and keys and I forget my stuff all the time because I didn't think of my stuff alone for so long. Also this week is the first time in like three years we're apart for 5 days. It's not weird, just interesting how much we're used to sharing thoughts instantly and always knowing what the other one is doing in every moment. You must think we're crazy and that we never spent a second apart these last years on the road. We did, just next to each other. It's also interesting that I'm turning to social media to talk when he's not here. Whatever, maybe someone can relate. And please don't worry, it's all fine, just so interesting to experience things changing and thinking about it. That's it, just a thought, a glimpse into a moment. Hugs from Z! #fulltimetravel #lifeontheroad #travellinghome #digitalnomads #vanlifers #travelcouplelife #thoughtsoftheday #travellerslife #vwt3 #overlander

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Was macht einen guten Campingplatz aus?
Sicherheit, alles andere ist verhandelbar. Generell ist es uns lieber, an einem schönen Ort zu sein in der Natur, als dass die sanitären Anlagen perfekt sind. Wenns ruhig ist, ist es schon sehr schön.

Wo war der schrecklichste?
Hohe Ansprüche haben wir wirklich nicht. Wir schliefen in der Natur, vor Hostels, an Tankstellen, in Nationalparks, auf Fincas. Die «schlimmste» Nacht war vielleicht die erste, die wir freistehend in den USA auf einem Walmart-Parkplatz verbrachten. Wir waren damals noch recht ängstlich und haben kein Auge zugetan.

Checkpoints, Drogenmafia, Raubüberfälle – eure Route hat euch durch einige als recht gefährlich geltende Länder geführt. Habt ihr Vorsichtsmassnahmen getroffen?
Lateinamerika ist nicht grundsätzlich gefährlich. Hätten wir uns ständig in Acht nehmen müssen, hätten wir diese Reise mit Sicherheit abgebrochen. Es gibt in manchen Ländern viele Checkpoints, aber die sind ja zu unserer eigenen Sicherheit da. Wir haben nie korrupte Polizisten oder Militärbeamte angetroffen. Alle waren immer sehr nett und neugierig, und wer nicht auf die Suche nach Drogen geht, wird auch nicht in den Drogenkrieg verwickelt. Wir fühlten uns allermeistens sehr wohl und haben nur eine Regel befolgt: Wenn sich einer unwohl fühlt, dann fahren wir weiter.

In einem VW-Bus lebt man auf sehr engem Raum: Was habt ihr gemacht, dass ihr euch nicht irgendwann gegenseitig die Köpfe eingeschlagen habt?
Wir sind beide grundsätzlich nicht sehr streitlustige Menschen. Aber natürlich muss man lernen, sehr aktiv zu kommunizieren, wenn man immer zusammen ist. Dazu gehört auch, sich selbst gut zu kennen und zu erkennen, warum man vielleicht gerade genervt oder schlecht drauf ist. Meist kann die andere Person wenig dafür. Und was sicher auch hilft: Wir geniessen die Gesellschaft des anderen sehr und haben es meist lustig.

Wie hält man als Paar das Knistern aufrecht?
Beziehungen gehen durch Phasen, egal, ob man in einem Van lebt oder nicht. Auch auf Reisen stellt sich manchmal sowas wie ein Alltag ein, aber wir achten darauf, regelmässig auf Dates zu gehen und die Routinen zu durchbrechen. Und ganz ehrlich: Es gibt für uns beide nichts Romantischeres, als den Moment, wenn morgens die ersten Sonnenstrahlen in den Van fallen und die beste Person neben einem liegt.

«Life ain’t all sunshine and rainbows», hat Rocky Balboa einst so schön gesagt. #vanlife wohl auch nicht: Was zeigt ihr auf Instagram nicht?
Wir zeigen nicht alles, aber wir schreiben davon. Wenn man so lange unterwegs ist, dann wird das ja zum normalen Leben mit all seinen Aufs und Abs. Wenn wir einen schlechten Tag haben oder alles schief geht, dann gibt es schon mal einen langen Insta-Post dazu. Es ist uns sehr wichtig, ehrlich und authentisch zu sein.

Wird man nicht irgendwann reisefaul und hat keine Lust mehr, Auflüge zu planen oder Sehenswürdigkeiten zu besuchen?
Wir haben früh gemerkt, dass es dagegen nur eine Medizin gibt: So langsam wie möglich zu reisen. Wir haben in so gut wie allen Ländern die Aufenthaltserlaubnis bis zum letzten Tag ausgereizt.

Was macht ihr gegen Langeweile, wenn zum Beispiel das Wetter lange schlecht ist?
Langweilig wird nur Langweilern. Wir lesen viel, Sandro spielt ständig Gitarre und Gabs hat sich in dieser Zeit viel Handarbeit und andere Hobbies beigebracht.

Ihr habt mit «Büro Luz» mittlerweile eine eigene Kommunikationsagentur und arbeitet unterwegs. War der Schritt in die ortsunabhängige Selbständigkeit von Anfang an Teil des Plans?
Nein. Wir wollten eigentlich nur ungefähr ein Jahr unterwegs sein. Nach neun Monaten waren wir noch immer erst in Mexiko und mussten uns entscheiden: Reise abbrechen oder arbeiten und weiterfahren. Die Entscheidung war schnell klar. Seit Januar 2018 haben wir nun unser Büro Luz, in dem wir unsere Kräfte – Gabriella ist Journalistin, Sandro ehemaliger Leiter Marketing und Content – bündeln.

Was habt ihr als nächstes vor?
Wir sind jetzt für einen Sommer in der Schweiz und reisen im Herbst zurück nach Argentinien. Wohin es nachher geht? Wer weiss. In Brasilien waren wir noch nicht und mit Patagonien haben wir auch noch einige Rechnungen offen.

7 Tipps von Gabriella und Sandro für den perfekten #vanlife-Roadtrip:
• Podcasts und Hörbücher runterladen für ganz lange Fahrten
• Notfall-Snacks immer dabei haben, falls man strandet
• Kerzen sind ein guter Heizungsersatz, wenns mal kalt wird
• Immer eine Flasche Wein mehr kaufen, falls man auf dem Campingplatz noch jemanden kennenlernt
• Spontan bleiben und nicht zu sehr an irgendwelchen Plänen hängen
• Offen sein und das Gute in den Menschen sehen
• Die Ruhe nutzen und sich selbst besser kennen lernen

Gabriella und Sandros 6 Lieblingssongs für die Roadtrip-Playlist
• «There Is A Light That Never Goes Out» von The Smiths
• «Pais Nublado» von Helado Negro
• «Caravan» von Blur
• «Buen Viaje» von Femina
• «The Passenger» von Iggy Pop
• «Luna De Miel en La Mano» von Virus

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