Alles Banane? Mut zum Upcycling mit Rafael Kouto


Das Zürcher Kult-Label Qwstion hat mit dem Upcycling-Designer Rafael Kouto zusammengearbeitet und entwarf eine Taschen Couture Kollektion namens «Suspended Bodies That Will Never Fall», die auch bei der Mode Suisse gezeigt wurde. Zum Thema Nachhaltigkeit entwickelt Qwstion Bananatex, das weltweit erste technische Gewebe aus Bananenfasern. Was Rafael Kouto für Tipps im Umgang mit nachhaltigen Textilien hat und was er für ein Wertewandel in der Modeindustrie beobachtet, verrät er uns im Interview.


Was für eine Rolle trägt Nachhaltigkeit in der jetzigen Modeindustrie?
Nachhaltigkeit und gemeinsam soziale Verantwortung übernehmen, werden immer dringendere Ziele und definitiv zur Priorität für einige Marken. Viele Labels setzen sich ihre eigenen Ziele und Versprechen. Aber es ist bestimmt auch ein Trend. Grundsätzlich glaube ich aber, müsste es staatlich stärker reguliert werden, wie Kleidungsstücke und Textil produziert, konsumiert und weggeworfen werden. 

Im Internet begegnet man Tausenden von «Influencern», die täglich Fast Fashion promoten und leben. Was ist deine Meinung dazu?
Ich glaube, dass Influencer und Social Media nicht wirklich mit Slow Fashion übereinkehren. Die meisten Influencer sind Rollenbilder und promoten, tragen und verkaufen jeden Tag etwas Neues. Die Anzahl nachhaltiger Influencer steigt jedoch auch an, wenn auch langsamer. Ich glaube, Kate Middleton zeigt als öffentliche Figur einen positiven Werte-Wandel und inspiriert, wie Mode präsentiert wird: sie trägt oft das gleiche zu verschiedenen Anlässen.

Es gibt also Alternativen. Trotzdem kauft die Mehrheit Billigware ein. Wo müsste man zur Sensibilisierung ansetzen?
Die Gesellschaft muss aufgeklärt werden. Nicht nur weniger zu konsumieren, sondern auch darüber, wie Kleidungsstücke und Textilien produziert werden und ob es Alternativen gibt in unserem aktuellen Mode-System. Diese Alternativen müssen transparenter aufgezeigt werden.

Du bietest auch Workshops im Textilwerk in Winterthur an. Was macht ihr da den ganzen Tag?
Die Teilnehmer müssen ihre ungewollte Kleidung mitbringen und andere textile Materialien, die sie gewillt sind zum Upcyclen. Wir analysieren diese und versuchen zu verstehen, warum der Gebrauch sich verändert hat, seit sie gekauft wurden. Die grösste Herausforderung ist es, die Kleidung zu zerschneiden, zu transformieren und sie als lebende Objekte wahrzunehmen und deren Leben dadurch zu verlängern.

Hier gehts direkt zum Workshop.

Hast du sonstige Tipps zu einem nachhaltigeren Umgang mit Textil im Alltag?
Ich glaube, wir müssen unsere emotionale Beziehung zu unseren Kleidungsstücken verändern. Wir müssen Kleidung als Investition sehen, als nachhaltiges Statement und nicht als Trend.

Welcher Punkt in deiner Karriere hat dich bezüglich Nachhaltigkeit geprägt und zu deiner jetzigen Arbeit inspiriert?
Während meiner Arbeitserfahrung bei Maison Margiela. John Galliano wurde damals neuer Creative Director des Hauses. Ich konnte in dieser Zeit beobachten, wie Designer mit Second-Hand-Kleidungsstücken experimentierten, sich davon inspirieren liessen und wie diese Textilien im Prozess verschwanden. Ich habe mich immer gefragt, ob nicht gerade daraus ein finales Produkt entstehen könnte. Diese Skepsis, Enttäuschung und Kritik trieben mich in meinem Master in Fashion Matter an dem Sandberg Institut an, eine erste Couture Kollektion zu erarbeiten.

Hast du ein Lieblingsteil in deiner aktuellen Kollektion mit Qwstion und wenn ja, welches? Gibt es eine Geschichte dazu?
Mein absolutes Lieblingsteil ist eine Jacke, die ich upcyclet habe aus einer Lederjacke mit einer Häkeltechnik meiner Mutter. Sie hat mich immer unterstützt und das war das erste Mal, das wir zusammengearbeitet haben. Es war eine schwierige Arbeit, aber das Resultat ist unglaublich.

Die Kollektion von Rafael Kouto findest du im Qwstion Store an der Badenerststrasse 156 in 8004 Zürich. Auch das verwertete Material Banatex findest du in zwei multifunktionalen Taschenmodellen. www.rafaelkouto.com

Bloody out – Zeit, diese Trends an den Nagel zu hängen

#Radlerhosen
Die, seufz, Kardashians haben den Trend zur Genüge versucht, in die Welt zu setzen. Wer jetzt im Frühling noch meint, den Spandex neu entdeckt zu haben: too late. Radlerhosen haben sich nicht etabliert. Ausser nach wie vor am slowUp in der Ostschweiz. Soll bitte auch so bleiben.

#Nudelipstick
Lovey Dovey Lipstick, Yes Baby Lipstick, Dirty Rose Lipstick: Kylie, genug ist genug! Es scheint, dass jeder Tag ein neuer Nude Lippenstift in deiner IG-Story aufpoppt. Sieht übrigens sowieso nur mässig gut aus, wenn man sich nicht wöchentlich Solarium bräunen lassen kann oder an Traumstränden liegt. 

#Matrosenmütze
Einst von Fischer, Seeleuten und Kapitänen getragen – heute finden wir sie überall und in allen Farben und Materialien: Cord, Leder oder Pastell.  Der Trend scheint nicht totzukriegen zu sein. Wir kentern und sehnen uns nach einem neuen Huttrend für all die Grossstadt-Landratten.

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