Auf Sonntags-Bartour mit BATBAIT


Batbait

BATBAIT haben mit ihrer ersten EP «paradise» ins Schwarze getroffen: Mit ihrem gitarrenlastigen und doch sphärischen Sound und ihrer Aura von fluoreszierender Unabhängigkeit erfüllen Sandra, Simona und Gianna ein Bedürfnis nach fauchenden Saiten und unkomplizierter Andersartigkeit. Mit uns ist das Zürcher Garage-Rock-Trio an einem Sonntagabend um die Häuser gezogen, um uns ihre Lieblingsbars zu zeigen – nur um festzustellen, dass an Sonntagen fast alles geschlossen hat.


von Luisa Bider

Flirrende Dönershop-Lichter, ein immerneuer Drink in der Hand, dazu Cocktail-Schirmchen und Rubbelkarten: Bereits im Video zu «paradise» begibt sich BATBAIT auf eine Bartour durch Zürich. «Diese leere Zeit, die man in Bars verbringt, ist für uns unglaublich wertvoll», sagt Sandra, Sängerin und Gitarristin von BATBAIT. «Das ist doch ein bisschen wie in die Ferien gehen. Man stärkt Freundschaften, hat tiefgehende Gespräche, und lernt neue Perspektiven und Ideen kennen – das braucht man doch alles als Nährboden, um wieder produktiv zu sein.»

Treffpunkt: Mars Bar

Bereits vor unserem ersten geplanten Halt treffen wir auf eine geschlossene Tür. «Die Mars Bar ist für uns von grossem sentimentalem Wert», seufzt Sandra, als wir weiterziehen. «Unser erster Bandraum befand sich hier um die Ecke, und wir trafen uns jede Woche vor der Probe hier, um ein Bier zu trinken – das war ein richtiges Ritual.»

Erster Halt: Piccolo Giardino

Während wir uns an der Bar ein Bier bestellen, wird der Raum eingedunkelt und auf einem Fernseher an der Wand erscheint der «Tatort». Natürlich – die Kult-Krimi-Serie wird hier jeweils sonntags ausgestrahlt. Wir verfolgen die ersten paar Minuten mit und versuchen uns nebenbei flüsternd zu unterhalten. «Wir sehen uns primär als Freundinnen, die zusammen Musik machen», erzählen die drei, die sich im Kunststudium kennengelernt haben und vor einem Jahr BATBAIT gegründet haben.

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Zweiter Halt: Maria-Bar

Von aussen vielversprechend und charakterstark, diese Maria-Bar. Leider fühlen wir uns im Inneren überhaupt nicht wohl und sehen uns aufgrund des Geruchs – eine Mischung aus Fischstäbchen und Fäkalien – gezwungen, nach wenigen Sekunden bereits weiterzuziehen.

maria

Dritter Halt: Lugano-Bar

Im Zickzackschritt schreiten wir weiter durch die menschenleeren Strassen im Langstrassenquartier, wo normalerweise ein feuchtfröhliches Gewusel herrscht.

«Endlich, eine richtige Bar!», denken wir, als wir das warme Licht der Lugano-Bar auf der anderen Strassenseite erblicken. Erst nachdem wir je für eine winzige Flasche Heineken CHF 7.50 bezahlt haben und drei Frauen mit einer Handbewegung weggescheucht werden, um für uns Platz zu machen, merken wir, dass es sich nicht um eine normale Bar handelt. Trotzdem beschliessen wir, unser Bier fertig zu trinken – wo sollen wir denn sonst hin?

Wir unterhalten uns über das letzte BATBAIT-Konzert im Aarauer KiFF. «Jemand meinte nach dem Konzert, dass wir sie an eine japanische Punkband aus den Achtizigern erinnern», erinnert sich Gianna und lacht. «Den Vergleich mochten wir. Allgemein finden wir das viele Feedback nach Auftritten aber manchmal schwierig», fügt sie hinzu. Auch Simona meint: «Irgendein Typ meinte zu mir, dass ich viel mehr auf Badass-Bitch machen sollte, weil das gut zu mir passen würde. Aber ich verstehe nicht, wieso ich auf irgendwas machen sollte.»

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Vierter Halt: Olé Olé Bar

Eigentlich wollten wir sie ja vermeiden, die Olé Olé, weil die Band kein grosser Fan davon ist – «Sie ist einfach immer rappelvoll», erklärt Sandra – doch aufgrund der himmeltraurigen Bar-Aussichten sehen wir uns dazu gezwungen. Auf die Olé Olé ist eben Verlass. Wir quetschen uns herein und bestellen ein Bier – und treffen auf einen leidenschaftlichen BATBAIT-Fan.

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Fünfter Halt: Happy Beck

Was wäre eine Bar-Tour ohne einen Zwischenstopp beim Happy-Bäck? Die Institution der Backwaren für Betrunkene befindet sich in der Dienerstrasse, vis-a-vis des Clubs Zukunft. Simona und Gianna gönnen sich einen Börek, während Sandra zum scharfen Mozzarella-Gipfel greift.

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Endstation: Piranha-Bar

Als wir die Piranha-Bar betreten, läuft auf den neun (!) Flachbildschirmfernsehern ein Musikvideo der «Pussycat Dolls». «Zu diesem Song wärmen wir immer auf», erzählt Gianna. «Das das hat sich einfach so ergeben.» Wir setzen uns auf eine Polsterecke und blicken auf die riesige Discokugel, die den menschenleeren Raum mit Lichterregen berieselt. «Genau dieses Gefühl wollten wir mit unserem Musikvideo herüberbringen», sagt Sandra, während Enrique Iglesias aus den Lautsprechern scheppert. «Da setzt man sich in eine Zürcher Bar, in der man nie zuvor war, und hat plötzlich das Gefühl, man sei in Mallorca – das ist doch paradiesisch.»

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Nächste Konzertdaten:

  • 17. März: Marmoratelier, Zürich
  • 27. März: Royal, Baden
  • 2. April: ISC, Bern
  • 25. April: Musigbistrot, Bern