Beating A Dead Horse


In einem lahmen PR-Stunt legte PETA Ende Januar dem TV-Sender Nickelodeon nahe, dass sich die Teenage Mutant Ninja Turtles zukünftig von veganer Pizza ernähren sollen. Es ist der jüngste Vorstoss in einer Chronologie der Dummheit und Doppelmoral.


von Till Nixon

Ein paar Sachen vorneweg: Massentierhaltung ist eine perverse, grausame Absurdität und je früher man Steaks und Hack in der Petrischale züchten kann, umso besser. Die meisten Zirkustiere sind arme, verelendete Geiseln des Hula-Reifens. Jagdsafaris sind Ausdruck grenzenloser Blödheit, Boshaftigkeit und zu kleiner Schwänze. Niemand muss heute mehr Pelz tragen um warm zu haben und niemand, wirklich niemand will Eisbären ertrinken sehen. Ausser vielleicht ein paar Arschloch-Robben, aber fair enough. All das ändert nichts daran, dass es trotz dieser Zustände keinen guten Grund gibt, die dogmatischen Spinner von PETA zu unterstützen. Im Gegenteil – eigentlich sollte man ihnen mittlerweile genauso in den Arsch treten wie KFC oder Shell. Oder wie das durch und durch magische Zauberduo Penn und Teller so schön gesagt hat: «PETA is Bullshit!»

Schauen wir uns zum Beispiel nur mal die folgende selbstlose Aktion an, in der sich PETA und die dazugehörigen Anwälte für die Bildrechte eines Affen einsetzten, der 2011 mit einer Fotokamera ein Selfie von sich schoss. Super PR-Aktion! Schade nur für den Fotografen, dem die Kamera gehörte, mit dem das Schopfaffenweibchen per Selbstauslöser knipste – der Mann wurde in den Ruin getrieben. Ein grandioser Sieg für die Tierrechte, die gerade im Bereich des Urheberrechts mit Füssen getreten werden: Jeder kann nach Lust und Laune Tierlaute nachahmen, selbst für kommerzielle Zwecke, ohne deswegen Gebühren an die GEMA zu zahlen, damit diese an die Rechteinhaber weitergeleitet werden können. PETA – wir erwarten euren Einsatz!

Man sollte auch immer wieder daran erinnern, dass sich der Verein beim Massenmord an Tieren selbst ganz wacker schlägt (siehe Interview auf Seite), wenn er in den Vereinigten Staaten ein gerüttelt Mass an «geretteten» und «befreiten» Tieren einschläfert. Nach dem Motto: Lieber bei uns tot als woanders falsch leben. Einerseits also fordert PETA die völlige Befreiung aller Tiere ein, behält sich aber das recht vor zu entscheiden, wann und aus welchen Gründen einige von ihnen eingeschläfert werden sollen. So ungefähr sieht die Definition von Heuchelei aus.

Auch der von PETA propagierte Anthropomorphismus – also die Vermenschlichung des Tierreichs – ist Unsinn und bestenfalls albern. Alleine schon deshalb, weil es gar nicht nötig sein sollte, Tiere die gleichen Erfahrungen und Empfindungen zuzuschreiben wie Menschen, um sie moralisch und ethisch wie lebende und fühlende Wesen zu behandeln. «Wenn etwas leiden kann, dann sorge dafür, dass es nicht leidet», würde als Motto schon reichen. Mit Begriffen wie «Holocaust» um sich zu werfen, ist auch bei einer Monstrosität, wie Kückenschreddern kompletter Blödsinn, semantisch unsinnig und nebenbei moralisch und ethisch eine Frechheit. Und wenn Gründerin Ingrid Newkirk sagt, dass die Tiere Sklaven sind, dann bewegt sie sich sprachlich, logisch und biologisch auf ganz dünnem Eis – oder ist schon lange zuvor eingebrochen. Denn eine der daraus resultieren Konzepte ist, dass jedes Mittel zum erreichen ihrer Ziele recht ist. Das PETA daher kein Problem damit hat, Gruppen wie Earth Liberation Front (ELF) und Animal Liberation Front (ALF) zu unterstützen, die oft auch zu Gewalt greifen, um ihre Ideen durchzusetzen.

Das alles wäre dabei unter Umständen viel erträglicher, wenn sich PETA nicht gleichzeitig so aufblasen würde und als oberste Richter zu allen Fragen des Umgangs zwischen Mensch und Fauna aufspielen würde. Der Judge Dredd der Tierrechtsorganisationen: Ihr Urteil ist Dogma und wenn sie könnten, würde sie es auch gleich vollstrecken – besonders im Umgang mit denen, die auf die Widersprüche in ihrem Konzept und Verhalten hinweisen. Sehr Donald Trumps-mässig: ständig austeilen, aber beleidigt und aggressiv werden, wenn Kritik kommt.

Aber hey: Man kann sagen was man will – aber sie haben einige echt schicke Print-Anzeigen auf Lager.

Love Animals: Hate PETA


Ein Blick vor die eigene Haustür

Helen Sandmeier vom Schweizer Tierschutz über die PETA, sinnvolle Spenden und das korrekte Vorgehen bei misshandelten und verletzten Tieren. 

Frau Sandmeier, wie ist die Einstellung des Schweizer Tierschutz zur PETA?
HS: Die PETA hat keinen direkten Ableger in der Schweiz, weshalb wir hierzulande weniger damit konfrontiert werden, worüber wir nicht unglücklich sind. Ich will die Arbeit der PETA oder anderen Tierschutz-Organisationen aber nicht beurteilen. Manche andere Organisation geht beispielsweise auch in vielem weiter als wir. Das ist nicht unser Weg, gleichzeitig kommen aber Themen an dieÖffentlichkeit, die es wert sind, dass man darüber redet.

Zu radikale Aktionen können der Sache aber auch schaden.
Das stimmt, die PETA arbeitet sehr geschickt, aber vieles davon ist nicht nachhaltig. Es bringt letztlich nichts nur Unrealistisches zu fordern in einer Art und Weise, die extremistisch Züge trägt. Schreiben die Medien dann darüber ist dennoch von «Tierschützern» die Rede, was dem Gedanken des Tierschutzes im Extremfall schadet. Das war zum Beispiel bei der kürzlichen Aktion der «Animal Liberation Front» der Fall (Mitglieder der ALF haben anfangs Februar 14 Kaninchen von einer Privatperson befreit aka gestohlen.).

Nun gibt es aber natürlich auch Tiere die leiden oder schlicht nicht artgerecht gehalten werden. An wen wendet man sich in diesem Fall?
Zum Beispiel an die Fachstelle Tierschutzkontrollen des Schweizer Tierschutz STS. Deren Job ist es solchen Meldungen nachzugehen. Manchmal hilft da schon ein Gespräch mit dem Tierhalter, es gibt aber auch Situation in denen die einzige Lösung ist, die Tier zu beschlagnahmen, respektive zu retten. Dies wird vom Veterinäramt gemacht.

In Amerika kümmert sich die PETA gleich selber drum, allerdings mit einer misserablen Bilanz. Aus dem amerikanischen Bundesstaat Virginia liegen offizielle (von PETA eingereichte) Zahlen aus dem Jahr 2017 vor, die bestätigen, dass gerade mal 1.8% der dort geretteten Tiere weitervermittelt werden konnten, während 74% davon eingeschläfert wurden.
Zumindest geben sie das mittlerweile zu. Die Vorwürfe waren ja schon länger im Raum, dass die PETA vor allem im Heimtier-Bereich massiv viele Tiere einschläfert. Man darf sich das eigentlich gar nicht vorstellen, vor allem wenn man überlegt was für Millionen-Beträge dort in die Öffentlichkeit-Arbeit fliessen oder in die teuren Super Bowl-Spots. Dieses Geld könnte man zum Wohl der Tiere investieren.

Kann man noch von einer Tierschutz-Organisation reden, wenn drei Viertel der Tiere getötet werden?
Eigentlich nicht, klar gibt es Situationen in der die Tiere nicht gerettet werden können, aber dass es so Viele sind, ist nicht mehr nachvollziehbar.

Wie ist die Situation in der Schweiz?
Solange die Tiere gesund sind, dürfen sie im Heim bleiben. Der STS konnte im letzten Jahr 67% der aufgenommenen Tiere vermitteln.

Wie lässt sich herausfinden, ob das Geld auch wirklich den Tieren zu Gute kommt? Sei es beim STS oder einer anderen Organisation?
Meine Aufgabe wäre es eigentlich zu sagen «Gebt es dem STS!» (lacht). Aber natürlich gibt es auch viele andere Organisationen die sich für die Tiere einsetzen und Gutes tun. Das wichtigste ist, sich zu informieren, vielleicht auch mal im lokalen Tierheim vorbeischauen, um zu sehen wie dort gearbeitet wird. Als zu 100% spendenfinanzierte Organisation freuen wir uns aber natürlich, wenn man an uns denkt.

Danke für das Gespräch.

 

Hier findest du 10 der dümmsten und zugleich schlimmsten Vorstosse, die PETA je gemacht hat (bis jetzt).