Depressionen in deinem Feed – Warum wird Social Media immer kranker?


Instagram ist der Spiegel unserer Gesellschaft – in guten wie in schlechten Zeiten. Als Gegentrend zur weichgezeichneten Social-Media-Welt teilen User vermehrt auch ihre seelischen Abgründe: von suizidalen Gedanken neben Selfies, über Memes zu Depressionen, bis zur Romantisierung von Selbstverletzung. Der offene Umgang mit der psychischen Gesundheit ist ein zweischneidiges Schwert. Wir treffen Jugendliche zum Real Talk und fragen Forscher, woher die neue Einstellung zu emotionalen Themen kommt.


«I wanna end me», heisst es in der Hook von Billie Eilishs aktueller Single «Bury A Friend». Millionen Jugendliche feiern die 17-Jährige dafür, dass sie vor den Augen der Welt mit Selbstmord liebäugelt. Dass Eilishs Songs aus den tiefsten Abgründen ihrer Psyche kommen, ist eines ihrer wichtigsten Verkaufsargumente. Lange wurden Menschen mit mentalen Problemen gesellschaftlich geächtet, heute stehen sie an der Spitze der Viral-Charts. Der neue Umgang mit psychischen Leiden spiegelt sich auch auf Social Media. Wenn du die richtigen Accounts oder Hashtags abonniert hast, begegnen dir auf Instagram ständig Posts über seelische Störungen. Das Spektrum ist riesig und reicht von Mini-Ratgebern, die Betroffene verfassen, bis zu expliziten Bildern, die selbstzugefügte Schnittwunden zelebrieren. Auch wenn ich persönlich kein Honigkuchenpferd bin, irritiert mich die Schwemme solcher Beiträge. In langen Gesprächen mit Experten und Menschen, die solchen Content produzieren, versuche ich, dem Phänomen auf den Grund zu gehen.

Instagram als bester Freund
«Mit meinen Freunden rede ich nicht wirklich darüber», sagt Ally*. «Ich teile meine Gedanken lieber via Instagram. So fühlt es sich nicht an, als würde ich jemanden belästigen und trotzdem hören es alle.» Ally ist 17 und postet fast täglich Bilder mit düsteren Gedanken. Über ihren Account bin ich zufällig während Recherchen für eine Cosplay-Story gestossen – Ally steht auf Animes und japanische Kultur allgemein – letzten Endes faszinierte mich aber vor allem, wie transparent sie mit ihrem psychischen Befinden umgeht. Als ich per DM frage, ob sie bereit wäre, darüber zu reden, ist sie verwundert. «Ich verstand nicht ganz, was an meinem Account so speziell sein soll», sagt sie mir später. Das bestätigt meine Annahme, dass diese, für mich eher überraschende Offenheit in ihrer Generation mittlerweile völlig normal geworden ist.

Wir treffen uns in einem Fumoir auf Drinks, für die Ally eigentlich noch zu jung ist. Sie spricht leise, überlegt lange, bevor sie auf Fragen eingeht und scheint sich auch dann ihrer Antwort häufig nicht ganz sicher zu sein. Mit zwölf landete Ally zum ersten Mal in der Klinik. Seither kamen über ein Dutzend Einweisungen hinzu. Die Symptome ihrer Erkrankung reichen von Wahnvorstellungen über Angststörungen bis zu Schlaflosigkeit. «Manchmal liege ich in meinem Bett und glaube, jemand beobachtet mich aus den Wänden heraus», erzählt sie. «Wenn ich am Bahnhof oder im Zug sitze, fühle ich mich verfolgt. Ich habe dann das Gefühl, die anderen Leute seien Aliens, die mich töten wollen.» Die Ärzte diagnostizierten eine schizoaffektive Psychose, die Ally nun im Netz unverblümt zeigt. «Psychologen bringen mir nichts», sagt sie. «Wenn ich aber online über meine Gedanken schreibe, belasten sie mich für eine Weile etwas weniger. Es ist, als würde ich mit jemandem reden, den ich gerne hab.» «Instagram ist also dein bester Freund», sage ich, eher als Scherz. «Anscheinend, ja», findet sie.

Ich kann Allys Verhalten zu einem gewissen Grad nachvollziehen. In meiner eigenen Jugend postete ich pseudotiefgründige Zeilen aus depressiven Songs in meinen MSN-Status, ohne zu wissen, was ich damit eigentlich bezwecken möchte. Niemals hätte ich aber derart explizit über meine behandlungsbedürftigen Probleme – ich litt unter einer ernstzunehmenden Zwangsstörung – geschrieben. Welche Reaktion sie sich denn auf ihre Posts erhofft, möchte ich von Ally wissen. «Die Frage stimmt für mich so nicht. Ich will ja gar keine Reaktion», sagt sie. «Versteh mich nicht falsch – man soll solchen Menschen helfen. Aber nicht mir. Ich komme schon klar.»

Mit Selbstironie gegen die Depression
In Allys Insta-Story sehe ich regelmässig Fotos, die um vier Uhr morgens aufgenommen wurden und sich auf ihre Schlafstörungen beziehen. So gut wie jedes Selfie strotzt vor Selbstverachtung: «Can I please feel and act like a normal human being instead of a piece of shit?», heisst es in einer (vergleichsweise noch harmlosen) Caption. Auch die anfangs zitierte Zeile von Billie Eilish findet ihren Weg auf Allys Instagram-Account. Während der sechs Monate, in denen ich ihre Online-Präsenz verfolge, sehe ich kaum ein lebensbejahendes Statement. Häufig zeigt sie sich aber selbstironisch, etwa mit düsteren aber witzigen Memes und Tweets, die sie im Netz findet und weiterverbreitet.

«Humor ist eine klassische Bewältigungsstrategie», sagt Lilian Suter, Medienpsychologin an der ZHAW. «Die eigenen Probleme und Unzulänglichkeiten werden erträglicher, wenn man sich darüber lustig macht.» Trotzdem stellt sich für mich die Frage, ob solche Memes psychische Krankheiten nicht verharmlosen oder gar banalisieren. Oder um es provokativer auszudrücken: Wenn jemand ständig über seine Depressionen lacht, werden sie dann überhaupt noch als die gravierende Erkrankung, die sie sind, wahrgenommen? Macht sich Allys näheres Umfeld noch Sorgen, wenn sie täglich mehrere satirische Beiträge über ihre eigentlich schwerwiegenden Probleme teilt? Und vor allem: Gehen die wirklich dringlichen Posts nicht unter im permanenten Strom aus Selbstmord-Jokes? «Falls ich eines Tages wirklich versuche, mich umzubringen», sagt Ally, «werde ich auf Instagram definitiv nicht darüber schreiben».

«Wo hat das Kranke noch Platz?»
Allys Erscheinung weckt Erinnerungen an den Emo-Trend der frühen Nullerjahre. Sie trägt Chucks und eine nietenbesetzte Lederjacke, färbt sich die Haare bunt und hört mit ihren gerade einmal 17 Jahren noch immer Bands, die damals ihre Heydays erlebten. «Popkulturell gab es immer wieder vergleichbare Subkulturen», bestätigt Angel Schmocker. Sie schrieb eine Masterarbeit über den sogenannten «Sick Style» und arbeitet nun als Trendforscherin an der ZHdK. «Das geht zurück bis in die Romantik.» Heute sei die Auseinandersetzung mit emotionalen und prekären Themen allerdings keine Nische mehr sondern hochkomplex, virtuell und fluid. «Das hat zur Folge, dass es auch weniger fassbar ist. Der Trend findet auf der ganzen Welt, mit den unterschiedlichsten Personen statt – von deutschen Schülern, die Instagram-Stories aus der psychiatrischen Klinik teilen, bis zu 50-jährigen Amerikanern, die über ihr Burn-Out vloggen», sagt Schmocker, die sich mittlerweile einen zweiten Account eingerichtet hat, um solchen Channels zu folgen und die Forschung vom Privatleben zu trennen. Die Psyche sei in den Fokus unserer digitalen Identitätsbildung gerückt, stellt sie fest und verweist auf Lebensstile wie Veganismus und Queerness, die auf Instagram ebenso zelebriert werden.

Der Online-Auftritt von Menschen wie Ally fühlt sich wie ein Protest gegen den ausufernden Trend zur Selbstoptimierung an. Die Anti-These zur Scheinwelt, die uns Instagram täglich vorgaukelt. Der längst überfällige Backlash von Gym-Selfies, kuschelnden Pärchen und #blessed. «Der Trend verhält sich zwar weitestgehend unabhängig, trotzdem ist ein Teil davon eine Reaktion auf unseren Perfektionsdrang», sagt Schmocker. «Jede Bewegung löst eine Gegenbewegung aus. Wenn alle immer perfekter und gesünder sein wollen, wo hat das Kranke, das Unschöne und das Prekäre noch Platz?»

«Es tut mir leid, wenn ich jemanden inspiriere»
Über die Wirkung ihres Social-Media-Auftritts macht sich Ally kaum Gedanken. Die Aufklärung steht für sie offenbar nicht im Zentrum, sondern ist höchstens ein Nebeneffekt. «Ich bin mir nicht sicher, ob meine Posts zur Enttabuisierung beitragen», sagt sie. «Vielleicht führt es auch nur dazu, dass solche Krankheiten noch weniger ernst genommen werden. Viele meiner Abonnenten denken wahrscheinlich, ich wolle nur Aufmerksamkeit.» Paradoxerweise wirft Ally dies teilweise anderen Menschen vor, die ähnlichen Content veröffentlichen. Bei manchen Leuten habe sie das Gefühl, sie würden «übertreiben», um Mitleid zu erhaschen. «Das ist einfach eine Art Bauchgefühl.» Die Debatte um Aufmerksamkeitshascherei kommt auch auf, als ich das Thema in der RCKSTR-Redaktion vorschlage. Suter hebelt das Klischee, dass solche Inhalte nur makabere Thirst Traps sind, sofort aus: «Mit einem normalen Post will man ja auch Aufmerksamkeit erreichen.»

In der Liste von Leuten, die Ally folgen, fällt mir vor allem ein Account auf: Ein junges Mädchen aus Deutschland führt eine Art Fan-Page von Ally. Dort teilt sie ihre Fotos und schreibt Liebesbekundungen. Sie verehrt Ally offensichtlich. Das ist insofern seltsam, als dass sich die beiden im echten Leben nie getroffen haben. «Es ist mega creepy», sagt Ally. «Sie ist erst 13 und bewundert mich aus irgendeinem Grund. Wahrscheinlich bin ich für sie so etwas wie eine morbide Version von Bibis Beauty Palace.» Hier zeigt sich eine negative Konsequenz des offenen Umgangs mit psychischen Abgründen: «Einmal hat sie in ihrer Story ein Foto einer Rasierklinge gepostet und geschrieben, dass sie mich vermisst», erinnert sich Ally. «Ich fühlte mich komplett hilflos. Es tut mir leid, wenn ich sie mit meinen Posts inspiriere.» Auch wenn man sie mit ihren knapp tausend Followern nicht wirklich als Influencerin bezeichnen kann, hat Ally offenbar also eine unfreiwillige Vorbildfunktion.

Die Situation ist vergleichbar mit dem Werther-Effekt, der in der Medienwirkungsforschung häufig diskutiert wird (siehe unten). Logischerweise lässt sich dieses Phänomen auch auf die sozialen Medien übertragen. Das bedeutet allerdings nicht, dass vollkommen gesunde Menschen plötzlich zur Rasierklinge greifen, nur weil sie Fotos von Schnittwunden sehen. «Der Nachahmungseffekt entsteht nur, wenn schon gewisse Umstände gegeben sind», erklärt mir Medienpsychologin Suter. «Wenn ein Jugendlicher bereits solche Probleme hat und auf Social Media sieht, wie es zelebriert wird, kann ihn das beeinflussen. Es kann Inspiration liefern, wenn die Voraussetzungen bereits schlecht sind.»

In dieser Überidentifikation sieht Suter auch die grösste Gefahr: «Problematisch wird es in meinen Augen, wenn daraus ein Wettstreit wird. Es gibt ganze Communities, in denen man sich gegenseitig beweist, dass es einem selbst noch schlechter geht. Man pusht sich gegenseitig hoch und das ist definitiv nicht gesund.» Mir kommt die Blue Whale Challenge in den Sinn, bei der sich Jugendliche von Internet-Trollen bis in den Selbstmord treiben liessen. Merke: Mental Awareness auf Social Media ist grundsätzlich begrüssenswert, solange daraus kein Wettritzen wird.

«Kunst entsteht aus Leid»
«Es hilft, die Gedanken in Worten und Bildern festzuhalten. Das ist ein Mechanismus, um mit der Krankheit umzugehen», fasst Suter zusammen. «Ähnlich verhält es sich bei Musikern, die Songs über ihre Probleme schreiben.» Cloud-Rapper DAIF kennt diese Art der Verarbeitung nur zu gut. Seine Lyrics handeln von Low Life, Psychiater-Besuchen und Ketamin als Hilfsmittel gegen Depressionen. Auch in Interviews macht er keinen Hehl aus dem Drogenkonsum und sein Instagram liest sich wie der Stream of Consciousness eines bipolaren Junkies. «Ich sehe das ganz klassisch als Katharsis», sagt er. «Wenn ich ein Problem habe, schreibe ich darüber. Das hilft. Simple as that.» Geht es ihm gut, so fühlt er sich offenbar nicht inspiriert. «Ich hänge noch an diesem weit verbreiteten Klischee, dass Kunst aus Leid entsteht.» Sowohl in seinen Lyrics als auch auf Instagram stellt DAIF seine psychischen Schwierigkeiten überspitzt dar: «Ich pointiere gerne und breche Dinge möglichst auf einen einzelnen Punkt herunter», sagt er. Diese Form von Kommunikation funktioniere in einem künstlerischen Kontext am besten. «Andererseits ist das mit der Depression halt so ein Ding: Die Welt fühlt sich in einer solchen Phase dermassen schwer, überwältigend oder böse an, dass dem alles andere als Hyperlative gar nicht gerecht werden könnte.»

DAIF ist ein alter Freund von mir und ich wusste von seinen Problemen – bei gewissen Posts musste aber auch ich leer schlucken. Offenbar bin ich nicht der Einzige, der sich aufgrund der Offenheit plötzlich vermehrt Sorgen macht. «Bis ich meine Familie davon überzeugt hatte, dass da viel Kunst drinsteckt und ich nicht dauernd auf Ketamin bin oder in einem tiefen Depressionsloch stecke, ging es eine Weile», erzählt der Rapper. «Das Projekt hat auch dafür gesorgt, dass mein Umfeld mich etwas häufiger fragt, ob alles in Ordnung sei. Und das ist – zumindest in meinen guten Phasen – eh nice.» Den Trend zu mehr Offenheit bewertet DAIF allgemein als wünschenswert, trotzdem sieht er auch die bereits von Suter angesprochene Kehrseite. «Ich bin mir unschlüssig, ob reines Zelebrieren hilfreich ist. Einerseits werden so Probleme angesprochen und thematisiert, andererseits ist es wohl auch gefährlich, sich in einer solchen Szene zu verlieren und keine Hilfe zu suchen, sondern sich übers Netz gegenseitig im Leid zu bestärken», sagt er.

«Bis vor ein paar Jahren undenkbar»
DAIF und Ally sind extreme Beispiele. Andere Accounts thematisieren psychische Erkrankungen auf weniger zynische Art und Weise und tragen so konstruktiver zum Dialog bei. Die Schweizer Influencerin Chiara Schober, die kürzlich im SRF-Dok «Generation Selfie» porträtiert wurde, litt lange an einer Essstörung und geht offen damit um. Mit Vorher-Nachher-Fotos möchte sie anderen Betroffenen helfen. «Was vor einigen Jahren auf der körperlichen Ebene mit Body Positivity passiert ist, überträgt sich nun auf die Psyche», sagt Suter. «Man zelebriert nicht mehr nur das vermeintliche Idealbild, sondern auch Abweichungen von der vermeintlichen Norm.» Wenn man bedenke, dass ein Grossteil der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens psychische Krisen durchlebt, sei es richtig und wichtig, dass dieses Stigma nun sukzessive gebrochen wird. Dass wir auf Instagram immer mehr über das Innenleben unserer Mitmenschen erfahren, sei auch ein Zeichen, dass Präventionskampagnen mit dem Ziel der Enttabuisierung, Wirkung zeigen. Auch Schmocker zieht insgesamt ein positives Fazit zum Trend: «Eines der letzten Tabus unserer Gesellschaft ist nun öffentlichkeitstauglich geworden», sagt sie. «Die wachsende Tendenz zur Thematisierung und Inszenierung von emotionalen Inhalten, persönlichen und psychischen Krisen zeugt von einem riesigen Mitteilungsbedürfnis, das bis vor ein paar Jahren so nie denkbar gewesen wäre.»

Instagram führt Zensur ein
Nach der Recherche stellen sich mir fast noch mehr Fragen als zuvor. Das ganze Thema ist unglaublich vielschichtig und komplex – es wird Jahre dauern, bis die Entwicklung, die wir hier beobachten, vollständig erforscht ist. Die Plattformen selbst scheinen mit dem Thema ebenso überfordert zu sein. Adam Mosseri, Head of Instagram, kündigte kürzlich Massnahmen zum Schutz der User an (siehe unten). Bisher bietet das Netzwerk die Möglichkeit, besorgniserregende Beiträge zu melden, woraufhin User eine generische Meldung erhalten, dass sich jemand um sie sorgt. Künftig soll heikler Content wie Selbstverletzungen weniger sichtbar, sprich: zensiert werden.

Aber ist das wirklich die Lösung? Und wenn ja: Wo liegt die Grenze? Wird das Foto von der Rasierklinge gelöscht, während Allys Todeswünsche online bleiben? Ausserdem: Müsste dann konsequenterweise nicht auch das extreme Zelebrieren vermeintlich gesunden Verhaltens, etwa Sportsucht, gefiltert werden? Ist übertriebene Selbstoptimierung erlaubt, während ein destruktiver Lebensstil ausgeblendet wird? Psychische Probleme sind eine Realität und was früher unter den Tisch gekehrt wurde, findet nun seinen Weg in den News-Feed, in die Charts, in die Köpfe der Gesellschaft und mit etwas langfristigem Effort vielleicht auch in die konservative Politik, die das Thema noch immer stiefmütterlich behandelt.

*Allys Name wurde geändert. Wir verzichten ausserdem zu ihrem Schutz darauf, ihren Instagram-Account zu nennen oder ihre Selfies zu zeigen.

Suizidhilfe
Hast du Suizidgedanken? Bei folgenden Stellen findest du vertraulich und kostenlos Hilfe.
Die Dargebotene Hand (Gespräch und Beratung per Telefon, E-Mail, und Chat): Telefon 143, 143.ch
Beratung und Hilfe 147 (Beratung für Kinder und Jugendliche von Pro Juventute Telefon, SMS, Chat, E-Mail): Telefon 147, 147.ch

Zensur von Selbstverletzung
Instagram will die Glorifizierung von Selbstverletzung und Selbsttötung künftig einschränken. Hintergrund ist der Suizid der 14-jährigen Britin Molly Russell Ende 2017, die auf ihrem Account Selbstverletzungs-Content postete. Im Anschluss drohte Großbritanniens Gesundheitsminister Matt Hancock mit gesetzlichen Regelungen. Nun werden sukzessive Sensitivity Screens, also spezielle Filter, für derartige Inhalte eingeführt. Momentan kämpfe das Unternehmen jedoch noch mit Schwierigkeiten, die Fotos klar zu identifizieren, wie Instagram-Chef Adam Mosseri Anfang Februar schrieb. Ausserdem sollen Posts, die «Experten zufolge hilfreich sein können, weil Nutzerinnen und Nutzer damit Hilferufe senden», weiterhin erlaubt sein.

Werther Effekt
Beim Werther-Effekt handelt es sich um eine Theorie aus der Medienwirkungsforschung. Der Name stammt aus Goethes Roman «Die Leiden des jungen Werther». Nachdem das Buch, in dem der Protagonist Selbstmord begeht, erschien, gab es angeblich einen Anstieg an Suiziden. Das Berichten über Selbstmord inspiriert zur Nachahmung, so die These. Der Werther-Effekt ist der Grund, warum Medien selten bis gar nicht über Suizid schreiben und wenn, dann ohne Details über die Methode zu nennen.

Yami-kawaii
Yami Kawaii (zusammengesetzt aus den japanischen Wörtern für «krank» und «niedlich») ist eine Subkultur, die vor allem in Japan unter Jugendlichen verbreitet ist. Das «krank» bezieht sich dabei auf psychische Leiden, die verniedlicht werden. Die klassischen Kawaii-Stilmittel wie Pastellfarben, süsse Tiere und Anime-Figuren werden in den Kontext von düsteren Motiven wie Waffen, Spritzen und Blut gesetzt. Die Ästhetik ist insofern revolutionär, als dass psychische Erkrankungen im asiatischen Raum immer noch als Tabuthema gelten. Innerhalb der Yami-Kawaii-Community werden diese offen thematisiert.

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