Die schrillen Vier auf Achse: Die späteren Jahre


Sobald die Kinder erwachsen und ausser Haus sind, bilden die Highlights der Familienzusammenkünfte nicht nur die Festtage, sondern bei manchen auch gemeinsame Ferien. Wir haben recherchiert, weswegen man (sich) dies unbedingt (an)tun sollte.


von Sascha Gala Mikic

Wenn man in beliebig welcher westeuropäischen Sprache die Stichwörter «Erwachsene mit Eltern Ferien» googelt, werden auf der ersten Seite haufenweise Artikel, Blog-Einträge, Tipps und Listicles herausgespuckt. Somit wird die Annahme unterstützt, dass es durchaus gang und gäbe ist, heutzutage als Erwachsener mit seinen Eltern in den Urlaub zu fahren. Doch dies war nicht immer der Fall. 

Clash der Generationen

Zu Zeiten als unsere Eltern noch jung und knackig waren, war es eher ungewohnt, mit der alten Garde zu verreisen. Natürlich trifft dies nicht auf alle Familien zu, zumal es beispielsweise in Osteuropa seit eh und je durchaus normal ist, ab und an mit seinen Eltern in die Ferien zu fahren. Dennoch herrschte generell das Sentiment, eine zu heute vergleichsweise distanzierte Beziehung zu ihnen pflegen sei normal. Zu diesem Entschluss kommt man relativ leicht, wenn man den Wandel des Eltern-Kind-Verhältnisses aus popkultureller Perspektive betrachtet: Während man in Filmen wie «Footloose» gegen die absurden Verbote eines Vaters kämpft oder Heavy Metal Bands à la Danzig mit Liedern wie «Mother»zum Aufstand gegen Konservatismus aufrufen, prägt im Gegensatz dazu die gegenwärtige Gesellschaft Begriffe wie „Helikoptereltern“. 

Offensichtlich, wie auch gemäss zahlreicher Soziologen und Psychologen, ist die Kluft zwischen den Generationen mittlerweile geschrumpft. Verdanken kann man dies unter anderem zunehmender Bildung. Beispielsweise dass in Konfliktsituationen an Kindern ausgeübte Gewalt zu psychischen Schäden führen kann, bedeutet, dass heutzutage die Anwendung dessen nicht nur gemieden, sondern verpönt wird. Über die Jahrzehnte hinweg führen ebensolche Aneignungen von neuen Grundsätzen dazu, dass Familienkonstellationen tendenziell emotionaler werden. Diese Eigenheit bleibt auch im Erwachsenenalter erhalten, sodass es nicht verblüffend ist, wenn das Streben nach gemeinsamen Erlebnissen (wie eben mit den Eltern in die Ferien fahren zu wollen) zur Normalität wird.

Keine Parasiten

Oftmals herrscht in den Köpfen die Annahme, dass man lediglich aus ausnutzerischen Gründen mit den Eltern mitgeht: Erstens hat man die Möglichkeit, mit ihnen irgendwohin zu fliegen, wo man noch niemals zuvor war und zweitens geht man dabei ein bisschen davon aus, dass diese einem aus Verbundenheitsgefühlen bestimmt finanziell entgegen kommen werden. Bei einer (absolut professionell durchgeführten und total wissenschaftlichen!) Umfrage, die wir unter Freunden durchgeführt haben, kam jedoch das Gegenteil heraus. Selten geschieht es, dass die Eltern zum Anteil ihrer Kinder etwas beisteuern, die jungen Erwachsenen bezahlen für ihr Stück des Kuchens mehrheitlich alles aus der eigenen Tasche. Dies ist insofern interessant, als dass Reisebüros melden, dass Familien mit jungen Erwachsenen tendenziell weit entfernte Destinationen besuchen – und wie wir alle wissen, ist so ein Unterfangen alles andere als günstig.

«Der eigentliche Grund für das Mitreisen besteht darin, die Zeit als Familie in vollen Zügen zu geniessen», bemerkt Anna*, eine Teilnehmerin der Umfrage. Auch die anderen Beteiligten schliessen sich ihrer Meinung an. «Daheim gemeinsam Znacht essen ist ebenfalls schön, aber repetitiv. Man lernt seine Eltern auf eine neue Art und Weise kennen, wenn man mehr als sechshundert Kilometer von zu Hause entfernt mit ihnen auf Entdeckungstour gehen kann.» Somit bildet die Qualität des gemeinsamen Zeitvertriebs den entscheidenden Faktor, damit der Urlaub schlussendlich positiv aufgefasst wird.

Adventure Time!

Was dieser Positivität definitiv entspricht, ist der Fakt, dass sich die Beziehung zu den Eltern als Erwachsener verändert. Einerseits ist man weiterhin deren Sprössling, doch gleichzeitig wird man als selbstständiger Mensch wahrgenommen. Dies kann zu einem freundschaftlichen Umgang miteinander führen, der den Boden für Spässe bildet, welche man mit jungen Kindern noch nicht erleben kann. Zum Beispiel ist Tim* in Bali mit seinem Vater nichtsahnend in einen Stripclub gelandet und dort verblieben, weil es angeblich die besten Cocktails auf der Welt im Angebot gab (sure, buddy). Lea* ist in New York zusammen mit ihrer Mama Leonardo DiCaprio «über den Weg gelaufen» – bzw. ihre Mama hat sie dazu überedet, ihn eine Weile zu stalken. Leider haben die beiden auf ihrer Route eine Öffnung im Boden übersehen, sodass Lea* reinstürzte und von Bauarbeitern aus dem Loch rausgefischt werden musste, wie sie nachher zugibt. Geschehnisse wie diese würde man mit den Eltern in der eigenen Nachbarschaft nicht erleben. Geschehnisse wie diese wird man vermissen wollen, wenn man sie noch nicht erlebt hat.

*Name geändert

DO’S

Buche eine Tour

Challenge: Eine Woche lang NUR anregende Gespräche führen. Ergebnis: Wahrscheinlicher ist, dass nach einigen Tagen des Zusammenseins die Qualität der Konversationen auf das Niveau des Grunzens und Nickens sinken wird. Buche eine Tour, damit deine Eltern und du die sprachlichen Triebwerke einölt und auch mal zur Abwechslung mit neuen Menschen quatschen könnt. 

Getrennte Zimmer

Manchmal kommt man auf die (Schnaps-)Idee, Geld zu sparen, in dem man ein einziges Hotelzimmer mit allem, was atmet und dieselbe DNA trägt, stopft. Obwohl dies nicht zwingend ein böses Ende nehmen muss, erweist sich Privatsphäre in Form der eigenen vier Wände als überlebenswichtig, um den mitgebrachten Haussegen im Lot zu halten.

DON’TS

Digital Detox

Ja, die Karadashians werden auch ohne deine Likes zurecht kommen und deine Social Media Credibility wird sogar noch geerdigter werden, wenn du nicht jede verflixte Sekunde irgendetwas posten muss. Aber, noch viel wichtiger: Deine Eltern würden gerne die Ferien mit deinem Gesicht und nicht mit deinem Scheitel geniessen.

Take a Chill Pill Den Ablauf eines jeden einzelnen Tages im Voraus planen? Gegenvorschlag: Räume Zeit ein, in der jedes einzelne Familienmitglied etwas für sich selbst unternimmt. Vielleicht entdeckt auf diese Weise dein Bruder ein leckeres Restaurant, welches man später gemeinsam besuchen könnte. Oder deine Mama stolpert in den sich windenden Gassen eines Küstenstädtchens dem besten Leder-Flip-Flop-Händler der südlichen Hemisphäre über den Weg.

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