Liebeserklärung an den iPod


IPod Classic

Autorin Mikki hat vor einigen Monaten entschieden, dass sie dringend wieder einen mobilen Musikträger braucht. Der ere Beginn einer Liebesgeschichte.


60’673 Minuten. So viel Zeit habe ich im letzten Jahr einzig und alleine auf Spotify verbracht.

Als hilflose Musikabhängige möchte ich meine persönlich auserwählten Songs immer und unabhängig vom Internet – überall – verfügbar haben. Der Speicherplatz meines Handys stösst mit dem, was ich für gute oder mindestens unterhaltsame Musik halte, an seine Grenzen. Fakt ist: Meine zersplittertes iPhone 8 ist übervoll damit.

So habe ich oft mit Unannehmlichkeiten zu kämpfen: Entweder Spotify oder mein technisches Können kommen mit meinem enormen Musikverzehr nicht klar. Das Resultat davon sind Störungen in meinem Musikflow; Rauschen, Abstürzen, Pausieren oder Siri plärrt mitten in Stings «Desert Rose».

Also begann ich, einen iPod zu suchen: Bei 3 Schwestern hätte sich eigentlich mindestens einer dieser Klassiker irgendwo auffinden lassen müssen – ist nicht passiert. Nachdem ich dem ungläubigen Verkäufer des Fundsachenladens in Wollishofen erklärte, wieso ich in 2020 einen iPod möchte, hielt ich ihn endlich in den Händen: Einen iPod Nano der sechsten Generation mit 8 GB Speicherplatz.

Als erstes lud ich eine alte CD von Ed Sheeran drauf, sowie alte Lieder aus der Pfadi, die wir damals selbst gebrannt hatten und so auf keiner Musikplattform mehr aufzufinden wären. Als nächstes griff ich zu meinen schwarzen Marshall Kopfhörern mit AUX-Anschluss, die wohlgemerkt auch nicht mehr in mein iPhone passen.

Dann habe ich erstmal Musik gehört.

Das ganze Album von Ed Sheeran von Anfang bis Schluss. Das ganze Kunstwerk, bis es fertig war. Ohne Benachrichtigungen von anderen Apps, Whatsapp-Nachrichten oder Anrufe, dafür mit einwandfreier Musikqualität. Ich konnte mich voll und ganz auf die Musik einlassen.

Ohne ständig neue Musikvorschläge gab es da nur die Musik, von der ich entschieden hatte, dass sie drauf sein soll. Ich höre nun also auf Endlosschleife “Please don’t stop the music” und mit meinem mp3-Wunder hat das an Kabel geschlossene Gerät in moderner Laufzeitrechnung auch fast für immer Batterie.

Das Wort iPod kommt vom Englischen “pod”, was übersetzt “Kapsel” bedeutet. Also kapselt euch mit mir ab und steigt in die Zeitkapsel zurück zum wahren Musikerlebnis.

PS: Wer einen iPod Classic loswerden will, bittebätti melden!