Everybody stay cool! – Hier kommt unser WG-Kühlschrank-Knigge


WG hin oder her, der Kühlschrank ist wahrscheinlich der essentiellste Kasten in jedermanns Leben. Ein Kasten, dessen offene Tür nicht bloss sofortige Erleuchtung spendet, sondern (vorausgesetzt, jemand beliefert ihn regelmässig und ausreichend) auch magische Medizin gegen Langeweile, Herzschmerz, Lust und, na ja, offensichtlich Hunger. Teilt man diese ach so liebenswerte Schatztruhe jedoch mit anderen Konsumierenden, so kann dies schnell zu unangenehmen Situationen führen: Schimmel, unendliche Leere, oder geplatzte Vorfreude. In Familienverbänden kommt man trotz Mehrfachverwendung mit individuellen Strategien in den allermeisten Fällen ziemlich heil und nicht etwa unterernährt davon. Wohnt man jedoch in einer Wohngemeinschaft, kann die Sache mit dem geteilten Kasten ziemlich schnell auch gemein enden. Damit der Bestandteil gemein in deiner «Gemeinschaft» seiner ursprünglich sozialen Bedeutung treu bleiben kann, sind im Folgenden 10 Kühlschrankgebote aufgelistet.


von Michal Stricker

Damit euer Kühlschrank nicht zur Hitze des Gefechts wird:

#1

ANSCHREIBEN! ANSCHREIBEN! Und nochmal: ANSCHREIBEN! Wenn du nicht ohne diesen einen spezifischen Kalorienbooster auskommst, dann pack den wasserfesten Edding und schreib so gross wie du nur kannst: «Don’t you dare eat this!». Bei Fremdverzehr von klar deklarierten Besitztümern handelt es sich nämlich um den schlimmsten Verstoss gegen die Kühlschrankgebote.

#2

Das Mindesthaltbarkeitsdatum von Lebensmitteln ist kein Verfallsdatum. Es handelt sich dabei um eine von Herstellern aus mehrheitlich rechtlichen Gründen angegebene Zeitspanne, in der die versprochenen spezifischen Eigenschaften des Eingekauften gewährleistet werden. Aus Anti-Food-Waste-Gründen oder auf Grund von begrenztem Kapital lohnt es sich auch mal was «Abgelaufenes» zu sich zu nehmen. (Wenn es der WG-Partner nicht selbst tut – feel free!)

#3

Der gute, äh, schlechte alte Schimmel ist nicht nur da, wo man ihn sieht und wo man ihn ziemlich gut erkennt. Zum Beispiel beim noch besseren alten Käse gilt er vielleicht schon als Delikatesse. Ganz egal, ob du dich zu Müffelkäse angezogen fühlst oder nicht: Wenn es nicht mal mehr ähnlich schmeckt, wie es schmecken sollte, spuck es aus!

#4

Szenario: Das Tortenstück, das nicht von dir stammt, ruft dich zum Kühlschrank und fragt höflich danach, gegessen zu werden. Und zwar von dir – höchstpersönlich. Lösung (die sich natürlich auch auf ähnliche Szenarien anwenden lässt): Erst geniessen und dann schleunigst ersetzen, nämlich bevor der gewisse Jemand davon erfährt.

#5

Essen zu teilen ist ziemlich nervig, schon klar. Bedenke bloss: Sehr hungrige Mitbewohner können je nach Charakterzügen sehr viel gefährlicher sein, als ein nicht ganz so überfüllter eigener Magen. Auf der Packung stand 3 – 4 Personen, und du isst diese Tortellini schon seit Jahren immer alleine auf. Schon verstanden, aber vergiss nicht: Der Begriff «hangry» steht nicht umsonst schon seit bald 15 Jahren im Urban Dictionary.

#6

Deine Mama kocht nicht mehr für alle und deswegen ist der Esssensvorrat auch meistens alle. Es kann also ganz schön nützlich sein, eine kleine WG-Kasse einzurichten, um grundlegende Güter, wie zum Beispiel Ketchup, als Kollektiv auftreiben zu können und einen peinlichen «Wer bezahlt jetzt»-Moment an der Kasse zu vermeiden.

#7

Don’t judge! Verschiedene Menschen haben verschiedene Essensverhalten und das ist auch okay so. Der eine von euch isst nach dem Training ein Kilo Pasta und die andere während der Lernphase an der Uni nur Chips. Don’t! Judge!

#8

Gibt es eine perfekte Kühlschranktemperatur? Ja. 7 Grad Celsius, 44.6 Grad Fahrenheit oder für wissenschaftliche WGs: 280.15 Kelvin.

#9

Es ist bewiesen, dass gemeinsames Essen viel zum allgemeinen Wohlsein des Menschen beiträgt. Ihr rennt morgens immer mit einem improvisierten Proviant auf den Bus und seid abends zu müde, um was Richtiges zu essen? Getraut euch mal, gemeinsam zu kochen und präsentiert anschliessend über kulinarisch inspirierten Tellern eure Tischmanieren.

#10

«Meine Tür steht immer und allen offen», klingt ganz schön nett, wenn es von deinem Vorgesetzter und WG-Gspänli kommt. Auf Kühlschränke trifft es aber nicht zu. Um dich von der physikalisch umgekehrten Wärmepumpentheorie zu verschonen, glaub uns einfach; offene Kühlschranktüren sind nicht bloss energetisch ineffizient und bezüglich Klimaveränderung, ehm, uncool, sondern grüssen dich Ende Monat gerne auch mal via Rechnungen. Also: Für einmal nicht die Türe offen lassen.

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