Hilfe, meine Katze ist ein Arschloch


Die alten Ägypter beteten Katzen an. Das Internet liebt sie über alles. Und auch unsere Autorin ist eigentlich ein grosser Büsifan. Warum also macht es ihr ausgerechnet ihre eigene Katze so schwer, sie zu lieben?


von Laura Gehrig

Katzen sind toll. Sie passen in jegliche Schüsseln und Kisten und verbreiten mit ihrem flauschigen Erscheinen einfach Freude. Das gilt für fast alle Katzen, ausser für meine. Unser Kater wird von meiner Familie heiss geliebt und ich verstehe beim besten Willen nicht warum. Denn das Tier ist ein Arschloch.

Seit seiner Ankunft terrorisiert er meine Familie, ohne dass diese es realisiert. Bereits als Baby pinkelte er in all unsere teuren Daunendecken (sowie auf mein Kuschelkissen!!!) und attackierte eine Pflanze nach der anderen. Das Fazit meiner Mutter: «Das arme Tier muss traumatisiert sein und braucht intensive Zuneigung!».

Deswegen gleicht das «arme Tier» mittlerweile einem übergewichtigen Waschbären mit hässigem Greta-Thunberg-vs-Trump-Blick und breitet sich ungeniert immer weiter in unseren Haushalt aus. So beansprucht er inzwischen 75% des Sofas und hinterlässt nichts als Haare, Staub und Dreck – und das auf jedem guten Sitzplatz im Haus. Im Sommer platziert er seine Beute stets auf Mutters teurem Perserteppich: Abgetrennte Mäuseköpfe oder blutige Vogelinnereien, die ich dann entsorgen darf.

Wer jetzt denkt: «Immerhin muss man dem Kater nichts zu fressen kaufen», liegt falsch. Denn das Tier frisst viel. Sehr viel. Und natürlich ist dem Herrn nichts fein genug. So verzehrt er ausschliesslich die Sorte Gourmet Perle «erlesene Streifen» von Purina für läppische 4.75 Franken pro Packung. Andere Marken darf man übrigens gerne selber essen. Am Wochenende gibt’s Gulasch oder feinstes Biorindfleisch von besserer Qualität, als ich es mir momentan leisten kann. Am liebsten roh und von Mutter per Hand gefüttert.

Das Kosten-Nutzen-Verhältnis dieses Tieres gerät aber nicht nur beim Futter ins Ungleichgewicht, sondern auch bei den horrenden Arztkosten. Denn der Kater streitet sich regelmässig mit Konkurrenten um sein Revier und kommt mit blutigen Abszessen nach Hause. Allein 2019 verdiente unser Tierarzt um die 5’600 Franken an Operationen und Untersuchungen und anderen Behandlungen. Und schöner sieht das Tier danach auch nicht aus.

Darf man also nach all diesem Wissen etwas Dankbarkeit seitens des Katers erwarten? Ich finde schon. Und darum verstehe ich erst recht nicht, wenn sich dieses verzogene Wesen nicht einmal Streicheln lässt. Na gut, ab und zu lässt er es zu. Aber nur im Winter und auch nur, wenn man sich dabei sehr ruhig verhält. Atmen ist nicht erlaubt. Ansonsten hat man schnell Bisswunden in der Hand oder Kratzer am Arm. Laut Mutter natürlich ein Zeichen der Liebe.

Oder einfach ein Zeichen purer Arroganz. Denn im alten Ägypten wurden Katzen noch von den Menschen als Gottheiten angebetet – offenbar hat meine das bis heute leider nicht vergessen.