So wirst du zum Jedi


Baby Yoda

Der «Treffpunkt Philosophie – Neue Akropolis» ist ein unscheinbares Lokal in Zürich Wiedikon. Seit Kurzem hat aber etwas unsere Aufmerksamkeit darauf gelenkt. Aktuell steht da in grossen weissen Lettern: «Die Philosophie der Jedi». Damit wurde ein Vortrag über die Philosophie der Jedi beworben, der «Treffpunkt Philosophie – Neue Akropolis» schlägt so die Brücke zwischen uralten Weisheitslehren und der aktuellen Situation unserer Welt.


Simon, Dietmar und Edmond haben sich mit der Philosophie der Jedi auseinandergesetzt und versuchen nun, die Tugenden der Star-Wars-Recken an ein breiteres Publikum zu vermitteln. Wir haben uns mit den ihnen getroffen und wollten wissen, wie wir selbst ein Jedi-Ritter werden können.

von Johanna Senn

Identifiziert ihr euch mit der Religion des Jediismus?

Dietmar: Nein. Ich suche in der Philosophie der Jedi nach dem, was man auch in anderen Religionen bzw. philosophischen Traditionen wiedererkennen kann.

Edmond: Genau. Man findet den Weg der Jedi in vielen Philosophien, die wir heute kennen. Aber anstatt zu versuchen, die ganze Welt zu retten und der Religion der Jedi angehören zu wollen, sollte man erst bei sich selbst anfangen.

Wie würdet ihr einem Fünfjährigen die Philosophie der Jedi erklären?

Edmond: Darth Vader ist der Böse und die Jedi sind die Guten.

Darth Vader ist aber auch nicht nur böse.

Edmond: Eigentlich ist er in einer Grauzone.

Simon: Die Macht ist mit uns allen, wie wir sie einsetzen zeigt, wer wir sind.

Wie würdet ihr die Macht erklären?

Dietmar: Die Macht ist ein Feld, das die ganze Galaxie durchdringt, so wird es im Film erklärt. Aber vielleicht ist es eher ein Prinzip, mit dem wir leben. Mit der Macht ist nicht unbedingt das Wort gemeint, wie wir es im Deutschen verstehen.

Edmond: Man könnte auch Energie sagen. Jedi oder Sith sind beide energiesensible Leute. Gemäss der Geschichte werden auch Kinder zum Jedi oder Sith trainiert, wenn sie diese Sensibilität haben. Eventuell ist man, wie Anakin Skywalker, damit geboren. Man könnte es aber auch durch Meditation oder Erziehung kultivieren.

Simon: Die Macht ist das in uns, was die Quelle unserer Kraft ist. Wie man es nennt, da gibt es in jeder Philosophie eine andere Beschreibung. Das Schöne an «Star Wars» ist, es ist eine Geschichte, die jedes Kind versteht. Und sie ist für unsere moderne Welt sehr passend. Denn es hat diese Verbindung aller Gegensätze, die durch unsere Erziehung getrennt wurden.

Wie meinst du das?

Simon: Die Geschichte spielt in der Vergangenheit, st aber hochmodern. «Star Wars» hat mir gezeigt: Man kann in einer materiellen Welt trotzdem ein spirituelles Weltbild haben kann.

Wie kann man im Alltag Routinen eines Jedi kultivieren?

Edmond: Wir haben zum Beispiel einen Kodex für uns verfasst. Heute ist Montag und die Tugend, die ich in mir entwickeln will, ist Ehrlichkeit. Am Dienstag ist es Akzeptanz. An jedem Tag versuchen wir, die Ideen im Alltag zu leben. Alles ist eine Sache der Übung. Der Jedi dient. Nicht für ihn selber, sondern für die Gemeinschaft. Der Sith macht das anders. Er braucht Energie – aber für sich selbst. Er sagt: «Ich brauche das für mich, um für mich selbst etwas zu bekommen.» Der Jedi macht das anders: «Ich brauche diese Energie, um mich besser in den Dienst der Galaxis stellen zu können.»

Gibt es in unserem Alltag so etwas wie eine helle und eine dunkle Seite?

Simon: Der innere Schweinehund, dieses Alter Ego, hat jeder. Um die Jedi-Routinen in deinem Alltag zu kultivieren kann man sich fragen: Wie zeigt sich die dunkle Seite in meinem Leben?

Was könnte die dunkle Seite aussehen?

Dietmar: Zum Beispiel Unverständnis. Wir sehen Leute beurteilen, sie aber wissen nichts von ihnen.

Simon: Was auch jeder Mensch auf der Welt kennt, ist die Opferhaltung. Wenn man so sehr in seinen eigenen Problemen und Wünschen gefangen ist – und das ist Anakin. Er ist ungeduldig, ehrgeizig, stolz. Diese Schwächen gehören auch zu uns. Aber wenn wir nicht erkennen, dass wir auch eine dunkle Seite in uns haben und lernen müssen, mit ihr umzugehen, dann wird sie stärker. Und irgendwann merken wir nicht einmal, dass der Schatten so gross geworden ist, dass er uns lenkt, anstatt dass wir mit ihm gehen.

Edmond: Der Jedi-Kodex sagt, da sind keine Emotionen, da ist Frieden.

Aber alle Jedi-Tugenden zu leben, ist für einen normalen Menschen doch kaum möglich.

Simon: Doch. Jeder hat diese innere Kraft. Es ist eine Frage davon, wie gut du darin ausgebildet wurdest. Jeder Mensch ist dazu fähig heute besser zu sein als er gestern war. Fokus, Aufmerksamkeit, Gelassenheit, Wissen, Frieden, das sind Eigenschaften die nicht unmöglich zu erreichen sind.

Also kann jeder ein Jedi sein?

Alle: Selbstverständlich.

Dietmar: Wenn man es richtig will.

Edmond: Es kann aber auch das Gegenteil sein, also die dunkle Seite.

Simon: Uns allen ist Macht gegeben. Die Frage ist, wie wir sie einsetzen. Das entscheidet, wer wir sind oder wer wir sein wollen: Ein Ritter des Jedi Ordens oder ein dunkler Lord der Sith.