Kolumne: Jessica Jurassica – Ein Gott, der nicht ficken will


Wenn Jessica Jurassica nicht gerade führende Lifestyle-Influencerin auf dem Gebiet voller Aschenbecher ist, schreibt sie auch für uns. Schono nett von ihr.


Ich hatte mal wieder den Schwanz irgendeines Fuckboys im Mund und machte mir Gedanken über Etymologie und Sinnhaftigkeit des Begriffs «Blowjob». Der Klang dieses Wortes gefällt mir eigentlich ganz gut, aber was dieses «blow» hier soll, erschliesst sich mir nicht. Begrifflichkeiten sollten doch zu einem gewissen Masse eine erklärende Funktion haben und in diesem Fall ist es schon irreführend, wenn man bedenkt, dass man oral so einiges mit einem Schwanz machen kann, aber blasen im wortwörtlichen Sinne nicht dazugehört.

Ich liess den Schwanz, den ich gerade im Mund hatte, wieder da raus gleiten, gab dem Fuckboy einen Kuss und fragte mich selbst und ihn: «Wo steckt eigentlich der Job im Blowjob?» Ich verstehe nicht, was Oralverkehr mit Arbeit zu tun haben soll, es sei denn es handelt sich um eine explizit so deklarierte Dienstleistung. Oder ist der Blowjob etwa ganz grundsätzlich eine Dienstleistung, eine Gefälligkeit, von der erwartet wird, dass sie Frauen für Männer leisten? Aber Männer geben ja auch Blowjobs und ich selbst nehme diesen Akt eigentlich nicht als Arbeit wahr, sondern finde es manchmal halt einfach geil einen Schwanz im Mund zu haben. Wegen der Lust an der Lust des anderen. Und weil ich es geil finde, wenn einer ganz hilflos wird vor Lust und Erregung.

Aber beim Blowjob ist die Sache mit den Begrifflichkeiten von Oralverkehr noch lange nicht gegessen und also fragte ich den Fuckboy und mich selbst: «Warum sagt man eigentlich Pussy-Eating?» Wer kommt auf die seltsame Idee, einen sexuellen Akt mit Nahrungsaufnahme zu konnotieren. Das einzige positive an diesem Begriff liegt darin, dass die Frau in diesem Fall die Rolle der Ernährerin einnimmt.

«Blowjob» hat also was mit Arbeit zu tun und «Pussy-Eating» mit Ernährung. Das klingt für mich wie der komplett gefailte Versuch halb-aufgeklärter Protestanten eine sexuelle Revolution anzuzetteln: Einfach den Akt mit etwas konnotieren, das moralisch akzeptiert und in den eigenen Lebensentwürfen verwurzelt ist und dann hat man die Legitimation die frommen Protestantenlippen um einen Schwanz zu schliessen oder die Protestantenzungen um eine Klitoris kreisen zu lassen, ganz sanft als wär’s ein Gebet oder unbändig als wär’s ein Exorzismusritual. Dann sind wir zwar schon eher bei den Katholiken, aber die ficken ja eigentlich lieber überhaupt nicht.

Grundsätzlich habe ich grossen Respekt für Religion und Spiritualität allgemein. Und die Atheisten sind meist sowieso die grössten Machos. Nur ist mir ein Gott, der nicht fickt, eine schlechte Instanz. Wenn aber Sex mit Arbeit und Ernährung konnotiert wird, um die eigene Lust zu rechtfertigen, verstehe ich, weshalb dieser Gott nicht ficken will. Da vergeht auch mir die Lust.

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