Jacqueline Loekito: Let’s Pink Together


Ihre aktuelle Kollektion sorgt für Aufsehen: Wir haben die Designerin Jacqueline Loekito in Basel getroffen. Im Interview erzählt sie uns, warum ihr Freund und sie ihre Kleidung teilen und wie sie ihre Rolle als Gestalterin einbringt, um einen Dialog zu Geschlechterrollen zu führen.


Als wir deine Kollektion studiert haben, war unser erster Eindruck: Da ist eine Menge Pink. Was hat es mit der Farbe und deiner Arbeit auf sich?
Ich hasse es, wenn ich einen Baby-Shop betrete und sehe: Blau steht für Jungs und Rosa für Mädchen. Ich habe mich intensiv mit Farben und Geschlechterrollen beschäftigt. Im 17. Jahrhundert haben Männer auch Pink getragen. Die gleichen Textilien und Farben wie Frauen. 1940 war es genau umgekehrt: Mädchen trugen Blau und Jungs Rosa. Durch die Industrialisierung hat sich das dann nochmals verändert und ist bis heute geblieben. 

Wie zeigt sich unser Verständnis von Farbe, Schnitt und Geschlecht in unserem Alltag?
Wenn du zum Beispiel in Schottland schaust, siehst du, dass Männer Röcke tragen und niemand lacht. Es ist Normalität und akzeptiert. Warum ist das in unserer modernen Gesellschaft nicht möglich? Falls ein Mann ein Rock trägt, ist das nicht akzeptiert. Das ist komisch. Zurzeit arbeite ich an einer dritten Kollektion. Ich möchte es zur Normalität werden lassen, dass Männer Pink und Röcke tragen.

Du bist bei deinem Vater in Indonesien aufgewachsen und bist dann zu deiner Mutter nach London gezogen und hast studiert. Nun lebst du in Basel. Wo unterscheiden sich diese Kulturen in dieser Thematik?
Es könnte nicht unterschiedlicher sein. In Indonesien siehst du keine Männer Pink tragen. In London jedoch ist es normal. Und die Schweiz empfinde ich als etwas scheu. Als ich nach London gezogen bin, war es für mich eine Veränderung in meiner Kleidungswahl und Identitätsfindung.

Was bedeutet der Skorpion in deinem Label-Logo?
Der Skorpion ist mein Sternzeichen. Menschen haben oft Angst vor Skorpionen. Ich glaube, es gibt immer eine gute und eine schlechte Seite in jedem von uns. ich habe zwei Skorpione genommen und sie in einem Herz vereint. Es geht darum Liebe zu teilen.

Wo ist für dich der Zusammenhang zwischen Liebe und Geschlecht?
Für mich bedeutet es, was auch immer für ein Geschlecht du hast, Liebe verbindet Menschen. Du kannst das eine nicht vom anderen teilen. Geschlecht und Liebe gehen Hand in Hand.

Würdest du deine Arbeit als kritisch beschreiben?
Von aussen betrachtet sehen meine Entwürfe sehr süss aus. Aber im Innern brechen sie Grenzen, sind laut und werfen Fragen auf. Ich möchte ein Dialog aus der Kollektion gewinnen. Klar, Gender ist im Moment total der Trend. Aber für mich war es das nie. Für mich war es immer ein Riesenthema.

Das heisst, es stört dich nicht, wenn dein Mann in einem Kleid rumlaufen würde?
Ich und mein Mann teilen unsere Schuhe. Wir haben die gleiche Grösse. Ich entwerfe auch alle meine Kleider an ihm. Er trägt meine High Heels und ich finde ihn extrem elegant darin. Ich sehe kein Geschlecht, ich sehe nur eine Person und ihre Persönlichkeit. 

Das Thema trifft gewiss einen Nerv. Gab es viele negative Meinungen zu deiner Kollektion?
Solange man über etwas diskutiert, ist es spannend. Sobald eine Konversation entsteht, ist der Entwurf geglückt. Bei der ersten Mode Suisse habe ich auch Kritik einstecken müssen. Es warf Unverständnis auf, warum Männer Röcke und hohe Schuhe tragen.

Wie lautet dein Modetipp für unsere Leserschaft?
Trage was zur Hölle dir gefällt. Lass dir von niemandem vorschreiben, was konform ist oder nicht.

Jacqueline Loekito unterhält einen Online-Shop auf jacqueline-loekito.com. Unser Lieblingsteil? Ganz klar: der rosa Rucksack. Weitere ausgewählte Produkte findest du im Ahoi Ahoi Store an der Unteren Rheingasse 10 in Basel. Ab dem 23. Mai ist Jacqueline ausserdem im Museum für Gestaltung in Zürich, in dem ihre Arbeiten in der Ausstellung unlabel vertreten sind.

Bloody out – Zeit, diese Trends an den Nagel zu hängen

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#TransparentBag
Im Durchschnittsbag finden sich wahrscheinlich viele andere Dinge als nur Smartphone und Parfum. Die perfekt inszenierten Inhalte der transparenten Taschen machen uns dagegen ein schlechtes Gewissen.  Wir haben uns nämlich am Inhalt fremder Taschen auf Instagram satt gesehen. Einpacken! 

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