Meet the Büsi Boys


Warum das Klischee der Crazy Cat Lady ins Katzenklo gehört.


Ceridwen, Freya, Bastet, Hecate, Li Shou & Co.: Archaischen Gottheiten, die entweder katzenhafte Wesen an ihrer Seite hatten oder sich selbst in eines verwandeln konnten, waren mehrheitlich weiblich und wurden von Menschen verehrt – bis eines Tages die Gute Alte Katholische Kirche™ (lies: der Hexenhammer) Hexen (lies: Frauen) und Katzen zu bösen, gar satanischen Wesen erklärte. Selbst Jahrhunderte später sind Bruchstücke dieser Assoziationen noch in unseren Köpfen eingebrannt. Beispielsweise heutzutage werden Frauen, die eine Vorliebe für Katzen haben, als «Cat Lady» bezeichnet. Diese Bezeichnung kann auch einem wertenden Kontext entspringen, in dem das kirchliche Adjektiv «böse» durch «verrückt» ersetzt und an die Bezeichnung angehängt wird. Unterschwellig wird somit eine harmlosere Version vergangener Verteufelungen und jüngst entstandener Klischees aufrechterhalten, nämlich jener um die Crazy Cat Ladies. Oftmals als gesellschaftlich etwas randständig und zudem unverheiratet (lies: unabhängig) wahrgenommen, werden diese Frauen weiterhin in vielen Teilen der Welt stigmatisiert. Beispiele in der Popkultur gibts genug, die bekanntesten werden wohl Angela aus «The Office» oder Eleanor aus «The Simpsons» sein.

Männlich trotz Miez?

Auf der Suche nach Crazy Cat Gents stösst man im Internet zwar auf milden und ein wenig differenzierten, jedoch wenig Inhalt. Beispielsweise gibt es zahlreiche Fotografen, die sich des Projekts «Männer und ihre Katze» annehmen, um das Publikum auf die Beziehung zwischen Männern und ihren Gefährten zu sensibilisieren. Wozu das nötig sei? «Katzen sind grazil, ich verbinde dieses Attribut mit Weiblichkeit», lautet die Meinung eines Freundes. «Egal wie stark dieses postmoderne Zeitalter Klischees sprengen will, eines lässt sich nicht so schnell abschütteln: Männer haben männlich zu sein und jegliche Abschweifung davon wird als feminin, also aus einer aufgeblasenen Perspektive als schwach und somit der Männlichkeit unwürdig angesehen», erklärt mir mein Mitbewohner. Insofern gewähren uns die fotografischen Portraits Einblicke in eine Normalität, die manche absurderweise stört.

Jenseits von Gut und Böse

Eine Gebiet in der spärlich vorhandenen Crazy Cat Gents Sektion wird den Schurken gewidmet, wobei mit «crazy» tatsächlich «böse» gemeint ist: Man erinnere sich an Ernst Stavro Blofeld aus der «James Bond»-Reihe oder den auf ihn basierenden Dr. Evil aus «Austin Powers». Weil es sich in beiden Fällen um fiese Antagonisten handelt und fies und feminin als Adjektive generell in verschiedenen Wortnachbarschaften herumcruisen, werden in diesem Kontext Katzen als Haustiere ihrer (ach-so-)männlichen Herren akzeptiert. Folglich fällt auf, dass Männer mit Katzen in der Popkultur auf eine andere Weise repräsentiert werden – sie sind nicht alte, ungewollte Jungfrauen. Im Gegenteil, als Antihelden haben sie es faustdick hinter den Ohren.

Sex sells

Um das weibliche Pendant zu erwähnen: Selbstverständlich hat es auch Catwoman faustdick hinter ihren Lauschern, doch dies wird eher als Bestandteil ihrer Persona dargestellt. Als Superheldin kann sie nicht eine Crazy Cat Lady sein, also muss ein weiterer Faktor im Fokus stehen, damit man auf sie aufmerksam wird: Ihr sexualisiertes Erscheinungsbild.

 In dieser Hinsicht werden Männer zwar auch nicht verschont: Auf dem Instagramprofil @hotdudeswithcats ist der Name Programm und zelebriert die komplett gegenteilige Darstellung weiblicher Cat Ladies. Die altbewährte Regel «Sex sells» ist nun mal eben bewährt und anziehend. Allerdings findet man nirgends einen ursprünglichen Crazy Cat Gentleman, der ebenso randständig ist wie das weibliche Pendant.

 Friends with Benecats

In meinem Freundeskreis habe ich sechs Männer zwischen 32 – 45 Jahren, die jeweils eine oder zwei Katzen besitzen. In einigen Punkten sind sich alle einig, wie zum Beispiel: «Die Erziehung von Hunden wäre zu zeitintensiv» und «Katzen sind wie WG-Mitbewohner, du kannst mit ihnen chillen oder jeder macht sein eigenes Ding». Einige sind grosse Katzenliebhaber, weil sie als Kinder mit diesen aufgewachsen sind, andere wiederum wollten bloss ein Gspähnli, damit die Wohnung nicht leer wirkt. Ob die Wahl ihres Haustieres jemals von aussen kommentiert wurde? Zwei melden sich zu Wort: «Da ich viel trainiere, gehen die meisten davon aus, dass ich als Muskelprotz quasi eher einen Hund halten würde. Fremde reagieren verblüfft, wenn sie mich mit meinen beiden Büsis sehen». «Mir haben Menschen schon gesagt ‚Natürlich besitzt du eine Katze, du bist ja auch schwul und zart‘, was kompletter Schwachsinn ist.» Einverstanden.

Eine Studie der University of California belegt, dass zwischen Katzenbesitzern (von beiden Geschlechtern) und jenen ohne flauschige Gefährten kein Unterschied herrscht in Aspekten wie Depression oder zwischenmenschliche Beziehungen. Somit fehlt es eigentlich offiziell an Material, welches die Existenz der (Crazy) Cat Ladies oder Gents belegen würde. Wenn, dann gibt es also bloss Menschen, die crazy in love mit ihren cats sind. Und das ist meowesome!