Mein Sommer 2016: Rose Berlin Garcia


Während wir im Büro schwitzen und an Heften feilen oder an den Festivals für Sie schuften, um Ihnen den besten RCKSTR-Block aller Zeiten zu bieten, gibt es Menschen, die im Sommer sogar was anderes erleben als Sonnenbrand am Rücken und durchgeschwitzte Drehsessel. Wir haben mit diesen wunderlichen Personen geredet und uns erklären lassen, was denn dieser «Sommer» eigentlich ist.


Rose Berlin Garcia, 26, ist Sängerin der Band SPCECO und kommt aus London.

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Wie war dein Sommer bisher so?
London im Sommer ist grossartig, wenn du die Möglichkeit hast ihn herumschlendernd zu verbringen. Allerdings habe ich die meiste Zeit meines Sommers bisher in öffentlichen Verkehrsmitteln zugebracht (in der Central Line, um genau zu sein). Im Winter ist es da schon abartig heiss, man kann sich also vorstellen wie es im Sommer so ist. Wenn man sich aber mal durch die Menschenmassen durchgezwängt hat und an die Oberfläche und frische Luft kommt, gibt es so viele fantastische Plätze, an denen man ein wenig Sonnenschein geniessen kann. Ich arbeite in der Nähe von Hackney Wick, und manchmal – wenn ich noch nicht genug Mut habe, mich wieder in den Untergrund zu stürzen – gehe ich eine Station zu diesem tollen Pub am Kanal namens Crate. Die haben dort so viele gute Biersorten und eine Pizza, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Aber am Wichtigsten: Sie haben ein Vordach, wenn also der Regen versucht, meinen Tag zu ruinieren kann ich ihn einfach auslachen und weiterhin meine Pizza geniessen.

Was hast du noch nicht gemacht, willst du aber unbedingt noch unterbringen?
Die Tate Gallery of Modern Art eröffnet bald ein neues Gebäude und ich will das unbedingt ansehen. Ich freue mich ausserdem schon wahnsinnig auf den neuen Film «Finding Dory». Aber ganz ehrlich, am meisten aufgeregt bin ich wegen unserem neuen Album «Anomalies», das jetzt im August erscheint. Wir sitzen schon eine ganze Weile auf den Songs herum und ich kann es kaum erwarten, es endlich in die Welt hinaus zu schicken.

Was hast du in diesem Sommer gefunden und was hast du verloren?
Nun ja, ich denke der bedeutendste Verlust in diesem Sommer war das Ergbebnis des EU-Referendums zum Brexit. Ich kann den Schock, die Enttäuschung und die Peinlichkeit, die ich an diesem Donnerstagmorgen empfunden habe, gar nicht in Worte fassen. Ich schäme mich ehrlich gesagt zur Zeit, Engländerin zu sein. Ich habe aber herausgefunden, dass der einzige Weg, mich davon abzulenken, der ist, mich in die virtuelle Welt zu retten, in der ich kleine Monster fange, die man umgangssprachlich Pokémon nennt.

Wo verbringst du deine Ferien am Liebsten?
Ich liebe es, mich richtig zu entspannen, wenn ich in den Ferien bin. Dann werde ich zu einer horizontalen, Sonne anbetenden und den Tag verschlafenden Person. Es ist wirklich schwer, mich jetzt auf einen Ort festzulegen, weil es jedes mal, wenn man dort ist, anders ist. Ich war letzten Winter in Budapest und mochte es sehr dort, darum würde ich gerne im Sommer mal hin. Ich hab gehört es sei der Wahnsinn zu dieser Jahreszeit.

Wie holt man das meiste aus dem Sommer raus, wenn man die ganze Zeit arbeiten muss?
Work hard, play hard mate! Immer ja zu allem zu sagen hilft! Ich liebe es nach der Arbeit noch auf einen Drink zu gehen. Wobei, wenn ich nach einem langen Tag noch wohin will, ist der Weg meist das schlimmste, weil ich müde bin und eigentlich gar nicht will. Aber wenn man dann mal angekommen ist, ist es immer super und das Gefühl, das Maximum aus einem Tag herausgeholt zu haben, macht den mühsamen Weg wieder wett. Das einzige Problem daran ist dann meist der nächste Morgen, aber das ist nichts, das Schmerztabletten, Kohlenhydrate und Wasser nicht wieder in Ordnung bringen könnten.

Was ist dein Geheimtipp fernab der Touri-Fallen?
Das beste, das man machen kann, ist sich zu verlaufen. Ich habe mein ganzes Leben in London gewohnt, aber ich entdecke immer wieder neue Plätze, weil ich manchmal einfach ziellos herumlaufe. Soho ist immer gut für so einen Spaziergang, genauso wie Shoreditch. Dort sollte man am besten starten und dann findet man sicher irgendwas grossartiges.

Wo würdest du nie mehr hin reisen?
Ich bin mal unabsichtlich in einen Zug nach Portsmouth eingestiegen, als ich versuchte nach London zurückzufahren. Ich bin ein bisschen vor Portsmouth ausgestiegen und der Ort, an dem ich gestrandet bin, war eigentlich ganz nett. Es war einfach die Situation, die mich diese Erfahrung am liebsten vergessen lässt. Aber manchmal muss man den falschen Zug nehmen, um am richtigen Ort anzukommen.

Wie heisst der Soundtrack deines Sommers?
«S.O.S.» von Portishead.

Sideboob oder Underboob?
Sideboob all day everyday!

Aus dieser Reihe bereits erschienen:
Mein Sommer 2016: Kim Schärer
Mein Sommer 2016: Nicolo Fabris
Mein Sommer 2016: Madeleine Alizadeh
Mein Sommer 2016: Sophia Hoffmann
Mein Sommer 2016: Carlo Caduff
Mein Sommer 2016: Nives Arrigoni
Mein Sommer 2016: Antonia Seitz