Nackturlaub in Paris – von wegen Stadt der Liebe


Seit Wochen liest man auf allen möglichen Plattformen vom neuen Nudistenpark in Paris! Das Pilotprojekt läuft noch bis Mitte Oktober. Klar, dass wir uns vom RCKSTR selbst ein Bild von der Nacktzone machen wollten und schickten deshalb unsere Redaktorin gleich mal in die Stadt der Liebe - um sich nackig zu machen.


von Laura Gehrig

Als ich das erste Mal vom Nudistenplätzchen im Bois de Vincennes bei Paris erfuhr, stellte ich mir das in etwa so vor wie «Das Frühstück im Freien» von Edouard Manet: Kultivierte Franzosen, die munter diskutieren, Wein trinken und sich gegenseitig füdliblut mit Trauben füttern. Oder so ähnlich.

Das Paradies im Grünen liegt allerdings nicht im Stadtinnern, sondern ein ganzes Stück ausserhalb. Deshalb geht’s für mich erstmal mit der Metro 1 bis zur Endstation Château de Vincennes. Nach zwanzigminütiger Fahrt sehe ich endlich wieder Tageslicht und stehe direkt vor einer Festung. Ich gehe links daran vorbei und sehe auch schon die ersten Bäume. Laut der Wegbeschreibung von Laurent Luft, dem Präsidenten der ANP (Association des Naturistes de Paris) befindet sich die Zone nicht weit von hier.

Er erklärt mir auch, dass der Verband aus rund 350 Mitgliedern besteht. Vom jungen Teenie bis hin zum fast 90 jährigen Rentner lässt man die Genitalien regelmässig beim gemeinsamen Yoga, Schwimmen und Gym baumeln. Gespannt folge ich also Laurents Anweisungen und biege in eine Allee ein, die links am Militärstützpunkt (Garde républicaine) vorbei führt. Nach etwa 700 Metern stosse ich auf eine Kreuzung. Hier muss ich rechts und gleich darauf links in einen Waldweg einbiegen.

Zur Sicherheit frage ich einen älteren Herr nach dem Weg. Er freut sich etwas zu offensichtlich über meine freikörper Pläne: «Sie sind Nudistin?! So eine junge, hübsche Frau sollte da nicht alleine hin. Es hat genug sabbernde Kerle und Schwule. Soll ich sie begleiten? Wir können gemeinsam sonnen!» Da ich mich nicht zur Zielgruppe der Schwulen zähle und ihn selbst für einen sabbernden Spanner halte, lehne ich dankend ab und biege in den Wald ein. Tatsächlich kommen mir aber nur Dudes entgegen – nicht so toll.

Endlich stosse ich auf eine kleine Lichtung mit dem Hinweisschild: «Sie betreten eine Nudisten-Zone». Von nackten Frauen fehlt jedoch jede Spur. Dafür kommt mir ein junger Mann im Adamskostüm (der einzige!) entgegen und begrüsst mich mit einem freundlichen «Bonjour». Wie nett diese Nudisten doch sind, denke ich noch. Da ich mich als einzige Frau aber nicht sicher genug fürs Nacktsein fühle, mache ich mich wieder auf den Heimweg. Plötzlich rennt mir der Mann im hautfarbenen Slip nach: «Warum gehen Sie denn schon? Bleiben Sie doch! Wir können gemeinsam nackt sein», versucht er mich zu überzeugen. Ich lehne bestimmt ab.

Doch der Kerl lässt mich einfach nicht in Ruhe, verlangt nach meiner Nummer und verfolgt mich fast einen Kilometer bis zur Festung zurück. Meine Besuch im Freikörperpärkchen endet also mit einer Flucht vor einem nackten Verrückten statt mit füdliblutem Trauben Speisen. Damit hat sich das Thema Nudismus in Frankreich für mich gegessen. Au revoir nudistes de Paris!