Nicolas Streichenberg: Reine Kopfsache


Nicolas Streichenberg ist Musiker, Improvisator und Hut-Experte. Der 28-jährige Pianist aus dem Aargau findet: «Mehr Mut zum Hut!»


Nicolas Streichenberg sitzt in einem beigen Anzug und passenden Schlangenleder-Stiefeln an der Zürcher Geroldstrasse 17 im Shop der Risa Hutwerkstatt. Was auf seinem Kopf selten zu einem Outfit fehlt: der Hut. Heute trägt er ein eigens entworfenes beiges Modell, umrahmt von einem Samtband,  darin steckt eine Feder mit Punkten. Beraten, Farben evaluieren und neugierige Kunden zum Hut tragen animieren, gehört zu seinem Kerngeschäft. «Ob man denn die Hüte anprobieren darf?» fragt vorsichtig eine junge Frau, die in den Laden kommt. «Aber natürlich», meint Nicolas lachend und setzt der Frau sofort ein petrolfarbenes Modell auf. «Der Hut unterstreicht dein Gesicht ganz besonders.» Zu mir gewandt: «Ein Hut soll wie eine zweite Haut sein. Meiner Meinung nach tragen viele Leute, die einen Hut tragen, den falschen. Sobald du nämlich selbst einen Hut trägst, siehst du nur noch Hüte und bewertest diese automatisch.»

Aus Stroh wird Mode
Nicolas Streichenberg lebt in Wohlen. Da kommt auch der Strohhut vom Traditionshaus Risa ursprünglich her und wird bis heute in deren Fabrik in Hägglingen produziert. Was mit der Industrialisierung 1919 begann, hält bis heute. Damals waren 40’000 bis 60’0000 Menschen unmittelbar in der Strohindustrie beschäftigt. Der Wohler Stroh-Hut ist also ein Schweizer Produkt, das auf Tradition, Wissen und Nachhaltigkeit setzt. Der Stroh-Hut zählte früher zum Zubehör einer einfachen Arbeitskleidung, um den ganzen Tag auf dem Feld zu verbringen. Heute ist die Kopfbedeckung ein gerngesehenes Accessoire und in der Modewelt längst gefeiert. Trotzdem: Risa verkauft nicht nur modeaffinen Leuten Hüte in allen möglichen Formen und Materialien, sondern beliefert auch das Fête des Vignerons oder Opernhaus mit ausgefallenen Modellen. 

Die Geburt des Hylinders
In Wohlen steht auch ein Stroh-Museum. Dort sind einige Unikate von Risa ausgestellt. Für das 100-jährige Jubiläum in diesem Jahr können wir uns auch auf eine speziell entworfene Stroh-Hut-Kollektion freuen. Einige der Retro-Modelle sind auch im Laden an der Geroldsstrasse erwerbbar. Dort finden wir auch Nicolas persönliches Lieblingsmodell: der Hylinder. «Den habe ich selbst entworfen. Er ist eine Mischung aus Zylinder und dem Namen Peter Hill. Dieser wollte nämlich unbedingt meinen ersten Entwurf kaufen, als wir ihn zum Spass ausgestellt hatten. Er suchte für das Musikfestival Burning Man in Nevada das perfekte Outfit. Der Hylinder ist ihm sofort ins Auge gestochen und hat auf Anhieb wie angegossen gepasst. Danach hat mein Chef Julian Huber, der die Firma in dritter Generation als Familientradition führt, entschieden, den Hut zu produzieren und den Namen nach dem ersten Käufer Peter Hill und der Zylinder-Form gewählt.»

Eine Frage des Charakters
Hüte sind und waren immer im Trend: Sie schützen vor Sonne und Regen und können gleichzeitig ein Outfit unterstreichen. «Leider tragen viele Leute die falsche Form oder Grösse auf dem Kopf. Da braucht es eine Beratung. Ein Hut kann dein Gesicht verändern, unterstreichen. Ein Hut ist nicht einfach ein Hut. Ein Hut kann dein Gesicht schmaler, kürzer oder weicher wirken lassen. Ein Hut soll eine positive Charaktererweiterung beilegen», philosophiert Nicolas. 

Zeitloses Markenzeichen
«Denk mal an die ganzen Promis, die immer Hüte getragen und zum Markenzeichen gemacht haben: Johnny Depp oder Michael Jackson mit seinem Fedora oder Justin Timberlake mit dem Trilby-Hut. Trends werden in dem Bereich stark beeinflusst von der Musik- und Kunstszene.» Das kann Nicolas auch selbst bestätigen: «Ich bin Musiker und mein Hut ist auch mein Markenzeichen, er gibt mir zusätzlich Identität und Wiedererkennungswert. Ich trage meinen Hut immer zum Spielen.» Den Hut den er heute  trage, habe er selbst entworfen und von Hand angefertigt: «Ich hatte von der Idee bis zur Produktion und Fertigstellung einen ganzen Tag Arbeit.»

Musikalisch unterwegs
Und wann können wir Nicolas am Piano mit seinem Projekt «Yes It‘s Ananias» live performen sehen? Am 9. März im Coq d’Or in Olten, am 22. März im Cult in Scuol oder am 29. März in der Kasheme am «Piano Day 2019». Dort werden die Songs dann exklusiv auf  Vinyl-Platten übertragen und verkauft. Und falls es an jenen Daten nicht klappt, freut sich Nicolas auch sonst auf neugierige Besucherinnen und Besucher im Risa Shop, um mit einer Beratung die richtigen Töne zu treffen und den passenden Hut zu finden.

4 Hightlights aus der Kollektion von Risa

Erhältlich im Shop an der Geroldstrasse 17, 8005 Zürich. Weitere Verkaufsstellen und Modelle findest du auf risa.ch.

Der Bestseller
Herren-Bogart aus Haarfilz. Sollte Standard in jeder seiner Garderobe sein.

Der Klassiker
Das Stroh-Modell von Risa – seit 100 Jahren praktisch und bewährt.

Der Hylinder
Der Prototyp des raffinierten Hybrid-Modells.

Der Hingucker
Leoparden-Muster geht nicht immer. Aber wenn, dann so richtig!

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