«Salzhunger» – Ein Comic über Rohstoffraub und Korruption


In seinen Graphic Novels behandelt Matthias Gnehm Themen wie Architektur, Psychoanalyse oder Hirnforschung. Sein neustes Werk «Salzhunger» stellt er am 16. Mai im Kulturpark vor.


«Weisst du, was ich denke? Dir ist das Salz ausgegangen. Alles ist fade geworden. Du hast keinen Appetit mehr auf dein Leben. Du hast keinen Salzhunger mehr.»
Anthony Nwoko, Protagonist in «Salzhunger»

Mit dem Wort Comic verbinden viel die Nerds aus der Serie «The Big Bang Theory» und Superhelden-Geschichten. Dass man mit diesem Medium auch ernsthafte Themen behandeln kann, zeigt der Architekt Matthias Gnehm in seinen Graphic Novels. Im Grunde handelt es sich bei «Salzhunger» um einen Comic, der sich mit dem Thema der Verstrickung von Schweizer Unternehmen in Korruption und Rohstoffraub in Afrika beschäftigt, mit grossartig gezeichneten Bildern, scharfsinnigen Texten und allem, was dazu gehört.

Mir wurde schwindlig bei dem Gedanken, dass die Erde von einem Tag auf den anderen leergepumpt sein könnte.
Matthias Gnehm, Autor von «Salzhunger»

Das kontroverse und hochaktuelle Thema hat Gnehm in einem spannenden fiktiven Polit-Thriller verpackt: Die beiden Mitarbeiter der NGO (Nichtregierungsorganisation) Erzfeind – geiler Name by the way – Arno Beder und Paula Hofer reisen zusammen nach Lagos, um mit dem nigerianischen Aktivisten und Blogger Anthony Nwoko die illegalen Aktivitäten des EU-Rohstoffriesen Boromondo aufzudecken. Doch das Geflecht aus Korruption und wirtschaftlicher Abhängigkeit zwischen der nigerianischen Regierung und des Grosskonzerns wächst dem Trio schnell über den Kopf. Als sie auch noch mitten in einen Krieg zwischen der nigerianischen Polizei und den Slumbewohnern geraten, stecken die drei bis zum Hals in der Scheisse. Die Geschichte stellt gleichzeitig eine Metapher für das Innenleben von Arno Beder dar, der mit einer inneren Leere zu kämpfen hat und versucht diese mit dem Projekt zu füllen.

Die Idee für das Thema hatte Gnehm während eines Rückflugs aus China, wo er wegen Recherchen für ein anderes Buch war. «Eine unfassbare Energie wird hier [China] gebraucht, um die Abermilliarden Tonnen an Baustoffen herzustellen und zu verbauen. Wie soll das bloss so weitergehen? … Mir wurde schwindlig bei dem Gedanken, dass die Erde von einem Tag auf den anderen leergepumpt sein könnte. Da war mir klar, dass ich mein Thema gefunden habe: Rohstoffe.»

Die Suche nach den Figuren fand in Gnehms Kopf statt. Bei Arno Beder orientierte er sich an seinem 25-jährigen Ich. Damals sei er überzeugt gewesen, er könne etwas bewirken, bis ihm klar wurde, dass es nicht so einfach ist. «Ich war völlig ausgepumpt. Keine Energie mehr. Ich war wie gelähmt. Mir waren die Rohstoffe ausgegangen.» Eine autobiografische Geschichte sei es dennoch nicht: «Aber ich wusste nun, was ich erzählen wollte. Ich wollte erzählen, wie es ich anfühlt, in einer solchen Lethargie gefangen zu sein.» Gnehm war nicht darauf aus, etwas von seinen Recherchen zu «Salzhunger» aufzudecken und sich auf eine Seite zu stellen. Auch die bösen Figuren seien in ihm entstanden und diesen fühle er sich ebenso verpflichtet wie denen auf der guten Seite.

«Um alle diese Figuren aber glaubhaft darstellen zu können …» sind einige Ereignisse in der Geschichte durchaus an realen Geschehnissen orientiert. Bei den Recherchen zum Buch arbeitete Gnehm eng mit NGO’s wie Public Eye zusammen und reiste eigens nach Lagos. Dabei liess er sich von der Architektin Fabienne Hoelzel inspirieren, die mit ihrem Büro Fabulous Urban in den Slums von Lagos Projekte initialisiert. Durch sie bekam er den Kontakt zu Monika Umunna, Mitarbeiterin der Heinrich Böll Stiftung, die seit 20 Jahren in Lagos lebt. Zufälligerweise lernte er dann auch die nigerianische Aktivistin Azeenarh kennen, die von schrecklichen Ereignissen in den Slums berichtete, welche Gnehm ebenfalls in seiner Geschichte unterbrachte.

Am 16. Mai stellt Gnehm im Gespräch mit David Basler (Verleger Edition Moderne) sein Buch «Salzhunger» im Kulturpark Zürich bei einer Buchvernissage vor. Es wird auch eine Diskussion zum Thema «Schmierige Geschäfte und Slum-Sanierung in Lagos. Was Schweizer*innen in Afrika tun.» geben, bei der sich Fabienne Hölzl (Fabulous Urban), Oliver Classen (Public Eye) und Chinwe Ifejika Speranza (Professorin Uni Bern) mit Ruedi Küng (InfoAfrica) austauschen. Am Schluss gibt es noch eine kleine Signierstunde und man hat die Gelegenheit die Originale der fantastischen Zeichnungen zu kaufen.