Ständig mit dir selbst: Eine Checkliste zur Selbständigkeit


In den letzten Jahren haben sich in der Schweiz so viele Menschen selbständig gemacht wie nie zuvor. Es gab einen regelrechten Selbständigkeits-Boom.


Die Behörden fördern das auch. So bietet zum Beispiel das RAV einen Vortrag zur Selbständigkeit an, der jeden Freitag Morgen stattfindet. Es wird einem also die Möglichkeit geboten, mittels eines Fragenkatalogs direkt von der Arbeitslosigkeit in die Selbständigkeit oder Teilselbständigkeit zu wechseln – wenn man einen überzeugenden Businessplan vorweisen kann und: für sich entscheidet, dass dies der richtige Weg ist. Hier ein paar Tipps von jemandem, der es gewagt hat.

von Michèle Bianchi

Bei der Entscheidung gibt es einiges zu beachten.

10 persönliche Voraussetzungen, die für eine Selbständigkeit gegeben sein müssen.

  1. Sei dir komplett darüber im Klaren, womit und weshalb du dich selbständig machen willst.
  2. Hab eine crazy Motivation dafür.
  3. Stelle sicher, dass dein Umfeld dein Vorhaben unterstützt und du nicht völlig allein bist. Hab Menschen in deinem Umfeld, die dir helfen, auf die du dich verlassen kannst, und wenn möglich einen Mentor.
  4. Sei ehrlich zu dir selbst: romantisierst du die Vorstellung der Selbständigkeit? Sein eigener Chef sein, arbeiten wann man will, alle Essen in Restaurants von den Steuern abziehen, sonst Investitionen wie ein neues Velo oder Laptop von den Steuern abziehen. Das alles gehört zur Traumvorstellung. Realität ist auch, dass man zwar schon arbeitet wann man will, aber halt auch immer. Und das Geschäft auch immer im Kopf ist. Es wird dein zweites Ich.
  5. Du solltest körperlich wie psychisch gesund und stabil sein und wenn möglich ein finanzielles Sicherheitsnetz haben.
  6. Bist du wirklich ein Einzelgänger? Magst du es, alleine und für dich zu arbeiten?
  7. Kannst du dir selbst Struktur geben oder brauchst du ein vorgefertigtes System, um besser funktionieren zu können (Arbeitszeiten, Infrastruktur, Arbeitskollegen, Kafimaschine …)?
  8. Hast du Durchhaltewillen und unbeugbaren Kampfgeist?
  9. Bist du gut in administrativem Kram? Du musst schon Ordnung halten können in Rechnungen, Stunden, Steuern etc.
  10. Sei ehrlich zu dir: Änderst du oft deine Meinung, deine Pläne, dein Leben? Und dann entscheide selbst, ob sich das jetzt positiv oder negativ auf eine eventuelle Selbständigkeit auswirkt.

Gut, wir gehen davon aus, dass du dich DAFÜR entschieden hast, weil fuck y’all! You never try you never know! Scheitern gehört zum Gewinnen dazu! Sehr gut, bewunderswerte Attitude. Nun wirst du dich oft daran erinnern müssen, weshalb du das tust. Du wirst aufgeben wollen. Du wirst nicht mehr wissen, was du eigentlich tust. Du wirst dich fragen, was du dir eigentlich dabei gedacht hast. Schübe von Panik und und blanke Zukunftsangst? Werden öfter deine Begleiter sein. Um dich darauf vorzubereiten, hier mal ein (in etwa) Ausblick, wie deine Gefühlslagen aussehen könnten.

Du beginnst. Voller Energie, deine Motivation ist in singenden Höhen, du wirst es allen zeigen! Du denkst, der einzige Unterschied zwischen dir und einem TGV ist, naja, dass er ein Zug ist. Dann der erste Einbruch: Du merkst, dass du nicht die ganze Zeit NUR machen kannst, was dir Spass macht. Website machen – nicht jedermanns Ding. Versicherungen klären – langweilig. Buchhaltung aufgleisen – der erste Downer. Es geht weiter, du bleibst dran, redest mit Leuten, knüpfst neue Kontakte, es ergeben sich Möglichkeiten. Und schliesslich, ganz wichtig: die erste Rechnung, die du stellst. Auch wenn du zu diesem Zeitpunkt auf dem Papier noch nicht selbständig bist, ist es doch ein sehr spezielles Gefühl. Vor allem, wenn du dabei, wie ich, irgendwo in Bali sitzt und denkst – das ist schon geil. Dann kommt jene Phase, in der alles irgendwie normal wird, was vorher ein aufregendes Leben war, alles neu, neue Strukturen etc., wird auch einmal zum Alltag.

Und du bist immer mit dir selbst. Also wenn du ein sehr geselliger Typ bist, dann muss man sich auch daran gewöhnen. Es gibt Büros, in die man sich mit anderen einmieten kann, oder Co-Working Spaces, damit’s etwas weniger lonesome ist. Und dann bist du halt nie sicher: Geht’s noch weiter, was wird nächsten Monat sein? Wenn du jemand bist, der gerne das ganze Jahr vorausplant, dann musst du dich auch auf Abenteuer einlassen können, bis alles mal stabil ist und läuft. Oder nicht läuft. Gib dir eine Frist, in der du es versuchst.

Und nun dazu, was du eigentlich faktisch tun musst, um dich selbständig oder teilselbständig zu machen.

  1. Informier dich. Es gibt wie gesagt beispielsweise einen guten Vortrag von der Fachstelle für Selbständigkeit jeweils am Freitag Morgen 09.15 an der Lagerstrasse 107 in Zürich.
  2. Check deine finanzielle Lage: Wo gibt’s allenfalls Kredite, Kleinkredite? Es gibt Angebote von Banken, der Post oder von Kleinanbietern, welche extra auf Selbständige ausgelegt sind. Du solltest ein finanzielles Polster für mindestens ein halbes Jahr (ca. CHF 50’000) haben.
  3. Entscheide dich für eine Rechtsform: Eine Einzelfirma, die unter CHF 100’000 im Jahr Umsatz macht, ist nicht mehrwertsteuerpflichtig und muss nicht im Handelsregister eingetragen werden. Alle anderen (mehrwertsteuerpflichtige Einzelfirma, AG, GmbH) sind kostspieliger, aber auch besser versichert und müssen eingetragen werden.
  4. Falls du keinen Arbeitgeber mehr hast: Besorge dir eine Unfallversicherung und eventuell eine eigene 3. Säule (BVG).
  5. Mach einfach. Anfangen mit was du tun willst, Rechnungen, Quittungen, Verträge mit Kunden oder Raummiete behalten, um dich dann rückwirdend bei der SVA (2. Säule) anzumelden. Wenn du die Bestätigung bekommst, bist du offiziell selbständig erwerbend und musst pro Jahr einen gewissen Beitrag an die SVA zahlen. Für die Buchhaltung kannst du dir Hilfe von einem Treuhänder holen – die Software Bexio ist beispielsweise sehr beliebt für die Buchhaltung.

Alle Informationen findest du auf der Webseite der SVA Zürich, oder bei der Fachstelle für Selbständigkeit beim Amt für Wirtschaft der Stadt Zürich. Viel Glück.