The Magic of Mushrooms


It‘s motherfucking Pilzsaison! Und mit diesen Tipps wirst auch du zum Fungimentalisten.


Wir wollen ehrlich sein: Bevor wir mit der Recherche zu diesem Artikel begannen, beruhte all unser Wissen über das Pilzsammeln auf den «Super Mario»-Spielen. Deshalb dachten wir auch jahrelang, wir müssten dafür die Köpfe von herumstreunenden Schildkröten eintreten und haben es darum lieber gelassen. Nun stellt sich aber heraus, dass es sich auch ohne Testudinatazid bewerkstelligen lässt. Mehr noch: Plötzlich fühlen wir uns wieder wie in diesem magischen Sommer 2016, als wir ständig «Pokémon GO» zockten – nur dass wir jetzt am Ende des Tages all unsere Fundsachen in den Salat mischen können.

Doch nicht nur deshalb sollte das Fungi Finding auch dein nächstes Lieblingshobby werden. Die zahlreichen Vorteile liegen auf der Hand, äh, im Korb: In Zeiten, in denen Zero Waste Shopping sowie ökologisch und regional nachhaltig angebaute Lebensmittel für immer mehr Konsumenten eine Rolle spielen, geht es nicht viel mehr zerowastiger/ökologischer/regionaler, als seine (Gratis-!!!) Einkäufe selber aus dem Boden zu zupfen. Erst recht, wenn Mama Natur die ganze Aufzucht übernimmt. (Weil Hand aufs Herz: Der Tomatenstrauch auf unserem Balkon schaut nicht so aus, als würde er es noch allzu lange machen, soifz.)

Ausserdem kann man beim entspannten Sonntagsspaziergang endlich auch mal die tiefsten Wälder erkunden ohne dabei den Verdacht zu erwecken, dass man einen passenden Ort für das Verscharren einer Leiche sucht. Und ist die Beute erst mal in der Pfanne, hat auch dein Immunsystem Grund zum Lechzen: Pilze sind ein wertvoller Eiweisslieferant, sind randvoll mit B-Vitaminen und Mineralstoffen. Wer Gewicht abnehmen oder den Cholesterinspiegel und Bluthochdruck senken will, sollte Pilze unbedingt prominent auf dem eigenen Speiseplan führen.

Bevor du dich nun aber wie eine Alice im Wunderland mit knurrendem Magen auf die Suche begibst: Hier eine kleine Starthilfe für alle angehenden Pilz-Prinzen und -Prinzessinnen.

Wo darf ich, wann darf ich?
Auch wenn das Sammeln von Pilzen für Privatpersonen in der Schweiz grundsätzlich erlaubt ist, gibt es einige Regeln zu beachten: Landesweit ist das Aufstöbern in Pflanzen- und Naturschutzgebieten logischerweise streng untersagt. Zudem gibt es von Kanton zu Kanton unterschiedliche Bestimmungen – beispielsweise was die Menge oder den Zeitraum der Ernte betrifft. So darf man in einigen Regionen aufgrund einer Schonphase nur in den ersten zehn Tagen des Monats pflücken, zudem gilt vielerorts eine Mengenbegrenzung von zwei Kilogramm. Für eine genaue Übersicht der hiesigen Pilzsammelbestimmungen checkst du die Website der Schweizer Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane.

Wohin soll ich, was brauch ich?
Hast du erst einmal sichergestellt, dass dich die Pilzpolizei nicht in den Pilzknast werfen kann, stellt sich als nächstes die Frage, wo dich unter Umständen fette Beute erwartet. Ein sehr, sehr, sehr ausführliches Verzeichnis, wo sich im Land bereits welche Sorten gefunden haben, findest du im nationalen Verbreitungsatlas. Über eine halbe Million Pilzfunde wurden dort schon eingetragen. Ansonsten gilt die Faustregel: Immer dem Schatten nach – egal ob im Wald oder auf Wiesen. Bist du auf ein hübsches Exemplar gestossen, drehst du es vorsichtig aus dem Boden heraus und deckst anschliessend das Loch wieder mit Erde zu. Zum Transport eignen sich Stofftaschen und Körbchen, in Plastiksäcken können Pilze dagegen schnell zu schimmeln beginnen. Wer so richtig auf Pilz-Pro machen will, kann sich auch ein Sammler-Set besorgen, wie es beispielsweise in den Online-Shops von Radbag (CHF 49.95) und Globus (CHF 99.90) verkauft wird. Dieses enthält üblicherweise unter anderem auch ein Messer sowie einen Putzpinsel.

Einen Soundtrack will ich auch!
Um sich beim Pilzli-Plausch auch möglichst erhaben und naturverbunden zu fühlen, empfehlen wir die Musikalben «The Trials of Van Occupanther» von Midlake, «Helplessness Blues» von Fleet Foxes sowie «For Emma, Forever Ago» von Bon Iver. Oder man pfeift die Super-Mario-Melodie bis einem die Spucke ausgeht.

Eine Vergiftung will ich nicht!
In der Schweiz wurden bereits über 8‘000 Pilzarten registriert. Davon sind aber lediglich ca. 200 unbedenklich geniessbar. Kostenpflichtige Apps wie «Myco Pro» (CHF 6.–) oder «Pilzsuche Ultra» (CHF 4.30) sind schon mal eine gute Hilfestellung, was die Identifikation und Verträglichkeit der gemachten Fundstücke betrifft. Speziell für Neulinge gilt aber: Am besten lässt du ein fachkundiges Auge nochmals einen Blick in deinen Korb werfen, bevor du dir die Kochschürze umbindest. Wo sich eine der zahlreichen Gratis-Pilzkontrollstellen in deiner unmittelbaren Nähe befindet, lässt sich ebenfalls auf der Website vapko.ch nachsuchen.

Und was soll ich jetzt damit?
Ja, böh, sind wir Pinterest oder was? Na gut, eins unserer Lieblingsrezepte hätten wir in petto: Pilze mit Kräuterbutter in der Pfanne andünsten und anschliessend gemeinsam mit getrockneten Cranberries und frischem Spinat zwischen zwei dunklen Brotscheiben zum Sandwich quetschen. Danach bei der Arbeit während der Mittagspause alle damit neidisch machen und wenn jemand fragt «Oh lecker, darf ich mal abbeissen?», sagst du «Such dir doch deine eigenen Pilze, Arschloch. Im aktuellen Rockstarheftli steht alles, was du dazu wissen musst.» Bäm: Du wirst satt und wir erweitern die Leserschaft. Win-win. Danke, Wildpilze!

Diesen Artikel kannst du ab sofort in voller grafischer Pracht in unserer Online-Ausgabe des Printmagazins lesen.