15.02.2018
Rubrik Kultur

Kommentar zu «No Billag»: Im Zweifel wirklich Ja zu Nein?


Was RCKSTR Mag. und LikeMag Print Verleger Joel Meier zum Thema «No Billag» wohl zu sagen hat?

von Joel Meier

1’240 Millionen Franken oder das Einkommen sämtlicher Einwohner der Stadt Aarau knöpft uns die Billag jedes Jahr für die SRG ab. Plus 67 Mio. für die Billag und ihre Geldeintreiber selbst und weitere 61 Mio. Franken für private, regionale TV- und Radio-Sender. Die Einnahmen für unabhängige Radio- und TV-Sender haben sich dabei seit 1989 glatt verdoppelt, während die Teuerung in der gleichen Zeit lediglich 57% weggefressen hat. Kurz: Die SRG kassiert seit 25 Jahren, befeuert durch Gebührenerhöhungen und Bevölkerungswachstum, jedes Jahr mehr Geld und wird vom jährlichen Zuwachs der Abkassiererei nur noch von den Krankenkassen überflügelt. Kein Wunder, dass die SRG-Mannen und -Frauen seit Jahren nicht wehr wissen, wohin mit der ganzen Kohle und diese beidhändig in den Leutschenbach schmeissen.

Statt die Gebühren den gesunkenen Produktionskosten (ja, auch Radio und TV-machen ist heute längst nicht mehr so kostspielig wie noch vor der digitalen Revolution) nach unten anzupassen, wurde ungefragt einen Sender nach dem anderen aus dem Boden gestampft und ein Medienkoloss mit 7 TV- und 17 Radiosendern errichtet. Dazu kommen 29 Onlineformate wie Infowebseiten, Apps, Podcasts, Youtube-Kanäle, usw. und eine vollständige Redaktion in einem Prunkbau in Chur für 90 Minuten Rätoromanisches Fernsehen. Pro Woche!

Damit der «Public» den bezahlten «Service» umfassend konsumieren kann, sind also täglich zwei bis drei SRF-TV-Sender einzuschalten, mind. 5 SRF-Radiosender zu hören und ein dutzend SRF-Webseiten zu besuchen. Tatsächlich aber schaut nur noch gut die Hälfte der Schweizer überhaupt noch Fernsehen – und von denen die es noch tun, zappen noch genau zwei von drei Zuschauern kurzzeitig auf einen SRG-Kanal. Über 70% der Zuschauer ziehen es vor, hauptsächlich private oder ausländische Sender zu gucken. Mittlerweile nutzen sogar mehr Leute ihre Flimmerkiste dazu, um zu gamen oder Filme per VoD und DVDs zu schauen, als SRF 1 einzuschalten.

Noch viel düsterer sieht es bei den anderen SRF-Sendern aus. Gerade mal 2% beträgt der Marktanteil von SRF-Info, schlappe 10% der von SRF2. Letzterer also etwa gleich viel, wie alle privaten TV-Sender der Schweiz zusammen (8% Marktanteil). Mit dem grossen Unterschied, dass diese privaten TV-Sender sich mickrige 38 Millionen aus dem Gebührentopf aufteilen müssen (und manche Sender wie 3+, 4+, TeleZüri, usw. gar nichts erhalten). Das bedeutet, dass die Privatsender es verstehen, mit 38 Millionen zwanzig verschiedene Sender zu betreiben, die SRG allein für SRF2 und SRF Info zehnmal so viel Geld verbrennt.

Das ist nicht weiter verwunderlich. Denn während ein Journalist nach abgeschlossener Ausbildung/Studium und mit einem Rucksack voller Berufserfahrung in der Schweiz durchschnittlich CHF 6’000.- Franken im Monat verdient, reicht im Leutschenbach eine einfache Anstellung als mehrbessere Praktikantin, um diese Kohle abzukassieren. Einmal im Status eines Redaktors angekommen, steht bei der SRG niemand unter CHF 8’000.- im Monat all morgendlich auf. Mal 13 und mit 5,4 Wochen bezahltem Urlaub pro Jahr versteht sich. Fairer weise muss man noch erwähnen, dass es bei den SRF-Radiosendern nicht ganz so verheerend ist. Hier verdienen “nur” 63% der Angestellten über CHF 78’000.- im Jahr, resp. “nur” jeder vierte über CHF 104’000.-. Zu guter Letzt sollte beim Thema überrissene Saläre noch festgehalten werden, dass ausgerechnet die Hauptprofiteure der Billag-Zwangsgebühren von ebendieser befreit sind und sich so bis zur Pensionierung parallel zum monatlichen Geldregen noch einen Extra-Weltreisli-Batzen von CHF 29’321.- pro Haushalt ansparen können.

Angesicht solcher Missstände reib ich mir als privater Verleger nur ungläubig die Augen. Ja werd ich sogar richtig hässig! Weil das Gebaren der SRG eine Demütigung all meiner Mitarbeiter, ja sämtlicher Medienschaffender der Schweiz ist, die allesamt gleichwertige Arbeit leisten, von solchen Marktkonditionen und Anstellungsbedingungen aber nicht mal träumen dürfen. Hässig auch, weil wir nicht darüber abstimmen können, diesen Missstand zu beseitigen und die SRG mit deutlich tieferen Gebühren dazu zu zwingen, auf den Boden der Realität zurück zu kommen.

Ich hoffe drum ganz fest, dass ich bis zum 4. März meine Emotionen wieder im Griff habe und dannzumal doch noch ein Nein in die Urne werfe. Denn zweifelsohne sind die SRG und alle anderen Stationen die am Gebührentopf hängen, wichtig für die Schweiz und müssen unbedingt erhalten bleiben. Der Missbrauch aber, der bei der SRG ganz offensichtlich stattfindet, muss! unterbunden werden. Und zwar lieber schon heute als erst morgen.

Hier zeigen wir euch was passiert, wenn die «NoBillag»-Initiative angenommen wird.



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