16.01.2018
Rubrik

Muggel-Quidditch – Der netteste Sport der Welt


Es ist eine kalte, düstere Welt da draussen, von der wir uns nur zu gerne ablenken lassen. Weil zu viel Schoggi aber fett und zu viel Netflix einsam macht, müssen andere Alternativen her. Zum Beispiel Muggel-Quidditch, der positivste Vollkontaktsport seit ever.  

Im November beginnt in Hogwarts traditionsgemäss die Quidditch-Saison. Der Sport aus den Harry-Potter-Büchern wird aber als alles andere als ungefährlich beschrieben. Wir erinnern uns an diese Kommentare von Fred (ja ich weiss, er ist zu früh von uns gegangen) und George Weasley:

George: „Quidditch ist ein rauer Sport“
Fred: „Brutal. Aber es ist schon seit Jahren niemand mehr gestorben.“

So gefährlich ist Muggle-Quidditch nicht. Dennoch beinhaltet es sehr viel Rennen und Körperkontakt. Davon konnten wir uns beim Training der Turicum Thunderbirds (geiler Name, 80’s AF) überzeugen. Die Zürcher Quidditch-Mannschaft ist eines von vier Teams in der Schweiz.

Auf dem Sportplatz beim Schulhaus Kolbenacker werden wir von Claudia, ihrem Bruder Stefan und Teammitglied Kaspar empfangen. Sie tragen ein Bündel mit Stangen, Rohren und Ringen auf den Sportplatz: „Es ist noch in den Anfängen, darum wird auch alles selber gebastelt“, erklärt mir Stefan. Das Rohr wird zum Spielen zwischen die Beine geklemmt und dient als Besen. Sieht zwar für uns unreife Gemüter relativ lustig aus, ist aber zentraler Teil des Spiels. Es geht darum nach bestimmten Regeln möglichst viele Punkte zu erzielen und dabei die ganze Zeit auf dem „Besen“ zu bleiben.

Nach kurzem Aufwärmen folgen einige Trainingsübungen, dann heisst es „Brooms up“. Die Gruppe teilt sich in zwei Teams auf, die auf den ersten Blick scheinbar ziellos auf dem Sportplatz umherrennen. Nach einiger Zeit kann man erahnen, ob das Spiel plangemäss verläuft und wer in Führung ist. Der einsetzende Regen hat den Boden aufgeweicht, was das Spiel zur Schlitterpartie macht. Relativ schnell wird klar, dass Quidditch tatsächlich eine Vollkontaktsportart ist. Als Spieler Kaspar den Platz verlässt, ist sein Shirt mehr braun als gelb.

„In einer Woche ist wieder Training der Nationalmannschaft in Basel“, erklärt Kaspar. Im Gespräch wird schnell klar, dass die Quidditch-Vereine besser organisiert sind, als das Schweizer Militär, dieser Pläuschlerverein. Die Turriculum Thunderbirds (immer noch geil) beispielsweise sind vor kurzem Schweizer Meister im Quidditch geworden. Damit haben sie sich für den European Quidditch Cup qualifiziert. Nicht zu verwechseln mit den European Gamen und dem World Cup, die abwechslungsweise alle zwei Jahre stattfinden – ähnlich wie im Fussball. Weil der Sport in der Schweiz noch nicht besonders etabliert ist, bekommt die Schweiz lediglich einen Spot für die Euopean Games zur Verfügung gestellt. Am bekanntesten ist der Sport in den USA. „Von dort kommt Quidditch auch“, erklärt Claudia. „Die Idee, Quidditch zu spielen, hat in den USA ursprünglich als wortwörtliche Schnapsidee angefangen.“ Vor rund 12 Jahren wurde Muggel-Quidditch in einem College in Vermont erfunden. Seit damals hat sich der Sport rasant weiterentwickelt, bestes Beispiel dafür: Mittlerweile gibt es bereits die 10. Auflage vom offiziellen Quidditch-Regelbuch.

Eine dieser Regeln besagt, dass maximal vier Spieler gleichzeitig auf dem Feld sein dürfen, die sich mit dem gleichen Geschlecht identifizierten. Der Vereinspräsident Thomas erklärt: „Beim Quidditch wird jedes Geschlecht anerkannt. Nicht nur männlich und weiblich sondern auch sonst alles, was dazwischen liegt.“ Diese Regelung zwingt dazu ein gemischtes Team aufzustellen, was eine der Grundvoraussetzungen für die Teilnahme an den Turnieren ist. Die Integration auf allen Ebenen sei auch eine Grundidee von Quidditch. „Bei Quidditch können alle mitmachen. Egal wie und als was man sich identifiziert.“

Hier schliesst sich der Kreis zum Harry Potter-Universum wieder: Jeder kann zum Erfolg beitragen und niemand bleibt aussen vor. Unser kaltes düsteres Herz frohlockt.



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