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Season Opening Jakobshorn

Draussen wird es kälter und drinnen drehen wir die Heizung auf. Diese Zeit ist diejenige, in der die Bergbahnen in Davos einen unvergesslichen Winter vorbereiten. Das Jakobshorn, der Hausberg von Davos Platz, eröffnet am 2. Dezember seine Pisten für den regulären Winter-Betrieb. Und wieder heisst es: Mit sattem Rabatt das Jakobshorn eröffnen und einen Goodie Bag abstauben.

Package 1 Für CHF 45.- erhält man die günstigste Tageskarte der Saison und oben drauf gibt es noch einen Goddie Bag im Wert von CHF 100.- dazu.

Package 2 Wer sein Snowboard oder Skier nach einem Sommer im Verlies mal wieder wachsen lassen und noch einen Welcome-Drink auf 25430 Meter über Meer geniessen möchte, der schnappt sich das Package für CHF 65.-.

Package 3 Wem einen Tag auf der Piste zu wenig Winter-Romantik verspricht, kann sich für CHF 145.- nebst allen oben genannten Vorteile, auch noch eine Hotel-Übernachtung inklusive Frühstück, einen Gästeliste-Platz an der offiziellen Eröffnungs-Party und einen Tagespass für den Sonntag sichern.

Holen Sie die Winter-Kleider aus dem Kellerabteil und sichern Sie sich noch heute eines der limitierten Packages ab CHF 45.-, inklusive Goodie Bag im Wert von CHF 100.-.

Mehr Infos unter www.mountainhotels.ch/season-opening

02.02.2017
Rubrik Kultur

Verdingung in der Schweiz: Wie Kinder zu Sklaven wurden

KEYSTONE/Peter Klaunzer

Keystone und das Polit-Forum Käfigturm zeigen in der Ausstellung «Verdingkinder, Portraits von Peter Klaunzer» intime Nahaufnahmen und Biografien ehemaliger Pflege- und Verdingkinder, die mit bewegenden Geschichten ein Zeichen gegen das Vergessen setzen. Wir haben mit zwei Portraitierten gesprochen und geben Einblick in die Zeit, als Kinder aus Kostengründen ihren Familien entrissen und zu Zwangsarbeitern wurden. (Bild: KEYSTONE/Peter Klaunzer).

Betrachtet man die heutige Jugend kritisch, so scheinen sich die Hauptinteressen unserer Generation auf Themen wie der verklärten Selbstdarstellung auf sozialen Netzwerken und deren regelmässigen Nutzung zu beschränken. Im Extremfall definieren Jugendliche gar ihren eigenen Stellenwert über die Anzahl von «Follower» und «Likes». Das Interesse an der Schulbildung rückt dabei oft in den Hintergrund und wird mehr als Mittel zum Zweck statt als Chance verstanden. Vor ein paar Jahrzehnten war die Schule allerdings für viele ein geschätztes Privileg, das jedoch für einige der Kinderarbeit weichen musste. Diese Kinder und Jugendliche waren mit Problemen konfrontiert, die vieles von dem, das wir in unserem Alltag als persönliches Desaster deklarieren, zur Lappalie verkommen lassen.

So wurden in der Schweiz laut dem Historiker Marco Leuenberger schätzungsweise mindestens 500’000 Kinder und Jugendliche zwischen den Jahren 1800 und 2000 von Behörden unfreiwillig fremdplatziert. Betroffen waren hauptsächlich Scheidungskinder oder Waisen aus ärmlichen Verhältnissen. Die Fremdplatzierung sollte den alleinerziehenden Elternteil oder den Staat finanziell entlasten – es gab in den Anfangszeiten noch keine Sozialsysteme. Häufig wurden die Kinder in Heime gesteckt oder als billige Arbeitskräfte auf Bauernhöfe verdingt. Diese Verdingkinder wurden oft folgenschwer misshandelt, wie Sklaven gehalten und mussten Zwangsarbeit leisten – obwohl sie offiziell als Pflegekinder galten. Weiter wurden sie auch häufig erniedrigt oder vergewaltigt, einige kamen dabei sogar ums Leben.

«Meinen Bruder sah ich erst an der Beerdigung meiner Schwester wieder»

Die Ausstellung «Verdingkinder, Portraits von Peter Klaunzer» greift dieses Kapitel nochmals auf und lässt 25 Zeitzeugen zu Wort kommen. Zwei davon sind Theresia Rohr-Steinmann und Christian Tschannen. Theresia (im Bild) wurde 1946 im Kanton Luzern geboren, als Zweitjüngste von sieben Geschwistern. Die Mutter starb zwei Jahre später mit dem achten Kind. Kurz darauf wurden Theresia und ihre Geschwister an verschiedene Orte bei Bauern und Handwerkern verdingt. Theresia musste sich mit siebeneinhalb Jahren bereits um die Hühner kümmern und nebenher auch den Abwasch und Haushalt erledigen. Während ihrer Zeit in der Fremdplatzierung wurde Theresia auch Opfer von physischer und psychischer Gewalt, im Kinderheim machte ihr vor allem der Druck um die Kollektivstrafen zu schaffen. Allerdings gefiel es ihr dort besser, da sie im Gegensatz zur Platzierung in den Pflegefamilien, andere Kinder um sich hatte und sich auch mal ein bisschen unbeschwert fühlen konnte. Am meisten vermisste Theresia in ihrer Zeit als Verdingkind Wärme und Geborgenheit: «Mir fehlte, dass ich nicht einmal in den Arm genommen wurde – ohne gewisse Absichten dahinter». Auch ein anerkennendes Schulterklopfen, oder dass man sie mit ihrem Namen angesprochen hätte, blieb ihr verwehrt.

Durch die frühe Trennung der Geschwister hatten sie lange keinen Kontakt zueinander: «Meinen ältesten Bruder sah ich erst an der Beerdigung der zweitältesten Schwester wieder», erinnert sie sich. Sie war 16, als sich ihre Schwester mit 20 Jahren das Leben nahm. Drei weitere Geschwister folgten ihr später in den Tod – zwei davon, ihre Brüder, ebenfalls durch Suizid. «Mein ältester Bruder wollte nie mit jemandem darüber sprechen, was ihm passiert ist». Er brachte sich schliesslich im Jahr 2013 um. Diese Erlebnisse konnte Theresia in einer zehnjährigen Psychotherapie verarbeiten: «Dort konnte ich das erste Mal über meine Geschichte reden und habe gelernt zu vertrauen». Dazu gehörte auch, dass Theresia ihre angestauten Emotionen herauslassen und sich von ihrer Wut befreien konnte. Heute geht es ihr gut. Mit ihrem öffentlichen Engagement will sie anderen Betroffenen Mut machen.

«Er drohte unsere Mutter zu erschiessen»

Christian kam 1971 in Solothurn zur Welt. Mit sieben Jahren wurden sein älterer Bruder und er (links im Bild) von den Behörden so manipuliert, dass sie der eigenen Fremdplatzierung zustimmten – im Glauben ihre alleinerziehende Mutter für eine begrenzte Dauer von ein paar Monaten zu entlasten. Daraus wurden zehn Jahre. Zuerst wurden die Brüder an einen Bauernhof verdingt, der Arbeitsalltag begann sofort: Vor und nach der Schule mussten sie schwerste Hofarbeit erledigen. Taten sie dies zufriedenstellend, war die Stimmung in Ordnung. Unterlief den Brüdern jedoch nur der kleinste Fehler, wurden sie mit Schlägen gezüchtigt. Zuneigung fand Christian bei den Hoftieren: «Ich hatte grosse Freude an einem kleinen Geisschen, das mir immer hinterherlief. Eines Tages forderte mich der Bauer auf, es ihm zu bringen und fuhr mit uns weg». Zuerst war dem Neunjährigen nicht klar, wohin es ging. Doch als sie ankamen, merkte er, dass sie auf einem Schlachthof waren. Der Bauer zwang ihn als «Lektion» bei der Schlachtung der Geiss dabei zu sein und Christian erhielt am Schluss einen Beutel mit ihren Überresten.

Die Situation spitzte sich immer mehr zu und eskalierte, als die besorgte Mutter ihre Kinder unangekündigt besuchen wollte: «Der Bauer griff sich das Gewehr, ladete es durch und zielte auf sie. Er drohte unsere Mutter zu erschiessen, sollte sie nicht sofort verschwinden». Danach wurden Christian und sein Bruder, der mit zwölf Jahren bereits ergraute, umplatziert. Durch die Arbeit auf dem Bauernhof erlitt Christian Schädigungen in den Gelenken. Später wurde er in einer Anstalt aus erzieherischen Gründen von einem Schreinermeister mit Stahlkappenschuhen traktiert. Dies verursachte unter anderem Beschwerden in der Wirbelsäule und führte schliesslich in die Abhängigkeit einer IV-Rente, die nur knapp seinen Lebensbedarf deckt. Auch Christian setzt sich in der Öffentlichkeit für die Aufarbeitung des Verdingwesens ein.

KEYSTONE/Peter Klaunzer

Wiedergutmachung für die Opfer

Heute leben laut der Wiedergutmachungsinitiative schweizweit 20’000 ehemalige Verdingkinder und Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen. Die Initiative fordert eine wissenschaftliche Aufarbeitung und die Erstellung eines Fonds von 500 Millionen Franken, der schwer Betroffenen zur Verfügung gestellt werden soll. Der Bundesrat hat dazu einen indirekten Gegenvorschlag erarbeitet, der die Höhe des Fonds auf 300 Millionen Franken reduziert, da er die Anzahl der verblieben Opfer auf maximal 15’000 schätzt. Walter Zwahlen, Präsident des Vereins «netzwerk-verdingt», kritisiert, dass der Bund eine tiefere Zahl angesetzt hat, ohne die genaue Anzahl der Betroffenen zu kennen: «Es könnte für die Schweiz zu einer blamablen Geschichte ausarten, wenn sich deutlich mehr Gesuchssteller melden würden».

Trotzdem ist das Komitee der Wiedergutmachungsinitiative bereit die Initiative zurückzuziehen, sofern der Gegenvorschlag in Kraft tritt. Dieser wäre nämlich schneller umsetzbar und steigert somit die Chance, dass noch möglichst viele Betroffene profitieren können. Dennoch sieht Zwahlen weiteren Handlungsbedarf: «In der Politik fehlt die Einsicht, dass es grosse Schritte und ein anderes Engagement braucht und es muss noch recht viel in der Forschung über die Sozialgeschichte der Schweiz in den letzten beiden Jahrhunderten investiert werden». Auf jeden Fall bleibt zu hoffen, dass wir als moderne Gesellschaft aus der Vergangenheit lernen und eine Wiederholung verhindern. Das ist das Mindeste, das wir den Opfern schulden.

Die Ausstellung «Verdingkinder, Portraits von Peter Klaunzer» im Käfigturm in Bern dauert noch bis Ende Juni. Weitere Infos dazu finden Sie auf kaefigturm.ch



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