Album-Release: DAIF – Molly & Speed



Rapper sind heute die wahren Punks. Das erkennst du nicht nur an den Moshpits bei Trap-Shows, sondern auch an Typen wie DAIF. Der Thurgauer fackelt mit seinem Debüt «Molly & Speed» nicht nur den Club sondern auch jegliche kulturelle Konventionen nieder. So rebellisch sich Musiker auch gerne geben – viele handeln auch im Jahr 2019 nach einem relativ starren Regelwerk. DAIF tickt anders. Auf Instagram tut DAIF alles, was einem klassischen Management die Schamesröte ins Gesicht treibt. Er zelebriert Drogenkonsum, romantisiert psychische Probleme und kündigt anstehende Releases mit einer Vorlaufzeit von wenigen Stunden an. CDs? Ach bitte. «Molly & Speed» erscheint in erster Linie digital, in zweiter Linie als Kreditkarte mit integriertem USB-Stick, mit der man sich in dritter Linie eine Linie sauber herrichten kann. Vernünftige Plattentaufe? Nope, DAIF feiert sein Erstgeborenes in einer geheimen Location, die sich als Mischung aus besetztem Haus und BDSM-Keller entpuppt. Um den Event zu promoten, druckt er kenne Plakate, sondern Quittungen, wie sie dir sonst Kassierer in die Hand drücken. Bei all dem Low-Life-Swag vergisst man fast schon die Musik. Ist eh okay. Cloud-Rap halt: 808 Kicks, rudimentäre Synth-Lines, monotoner Autotune-Gesang mit geklauten Hooks, dies das. Wer glaubt, DAIF suche musikalische Perfektion, bewertet die Sex Pistols wahrscheinlich auch anhand von Sid Vicous’ Bass-Skills. «Es gaht nu ums radikal sii», heisst es in «E Handpoked Tattoo und es Adidas-Jäckli». «Segs i de Liebi, i de Kunscht oder i de Anarchie.»
4/5 Sterne
Für Fans von: Yung Hurn, Rin, Göldin, Bit-Tuner

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