Album-Review: Ilgen-Nur – Power Nap



Hamburg hat eine neue Slacker-Queen: Sie heisst Ilgen-Nur und hat mit «Power Nap» so etwas wie das perfekte Debüt aufgenommen – zwischen verspieltem 90ies-Indie-Pop, lässigem Geschrammel, einer grossen Portion DIY-Ästhetik und etwas Noise-Rock. Doch der Reihe nach. Ilgen-Nur Borali ist 23 Jahre alt und wuchs in einer Kleinstadt bei Stuttgart auf. Ihr Name ist türkisch-arabischer Herkunft. Als sie im Alter von elf Jahren «Made Of Bricks» von Kate Nash hörte, beschloss sie selbst Musik zu machen. Und nach ihrem Umzug nach Hamburg vor drei Jahren ging dann alles ganz schnell: 2017 erschien ihre erste, von Max Rieger (Die Nerven) produzierte EP «No Emotions» auf Kassette, sie ging mit Tocotronic auf Tour und stand bald auch bei Tastemaker-Festivals wie The Great Escape, Waves Vienna, dem Spot und Reeperbahn Festival auf der Bühne. Dass all die Vorschusslorbeeren berechtigt waren, stellt «Power Nap» nun unter Beweis. Die zehn erneut von Max Rieger produzierten Songs sind verdammt eingängig und trotzdem eigenständig – was nicht zuletzt an Ilgen-Nurs Gesang liegt. Mit sonorer Stimme singt sie in ihren Tagebuch-artigen Texten von den grossen Fragen des Erwachsenwerdens und ganz alltäglichen Dingen. Zum Beispiel, dass sie vergessen hat einzukaufen und deswegen jetzt keine Milch mehr im Kühlschrank ist («In My Head») – nur um dann mit philosophischen Zeilen wie «I spend my days in my head, re-living moments that I tend to forget» um die Ecke zu kommen. Snail Mail, Courtney Bartnett und Konsorten können sich warm anziehen.
5/5 Sterne
Für Fans von: Snail Mail, Courtney Bartnett, Built To Spill

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