Album-Review: Swatka City – Off Season



Gentrifizierung – heikles Thema, wenn plötzlich die Lieblingsbruchbude im Quartier einem seelenlosen Glasbau weicht und die schmucke Chnelle am Eck noch so einem von diesen Artisan-Burger-Schuppen Platz machen muss. Städteplaner nennen es Aufwertung, Anwohner dagegen meist Entcharmantisierung. Auch die Swatka City hat auf ihrem dritten Album ein wenig umgebaut, gar komplett neu klingende Sound-Quartiere errichtet und dazu Bausteine aus Synthies und Electro-Rhythmen verwendet. Besonders «Repeater» schwebt und glitzert, so wie man sich in den Siebzigerjahren wohl eine Reise ins Weltall vorgestellt hat. Doch schon im nächsten Song «The End is Fear» gewinnen Swatka City wieder den Boden unter den Füssen und grooven sich durch jene hypnotischen Saiten-Mantras, für die man die Band auf ihren letzten zwei Alben «Nighthawks» und «Marabu» ins Herz geschlossen hat. Doch nicht nur gelingt es den Bernern, ihr bislang bekanntes Schaffen mit neuen Elementen anzureichern, sie fügen es geschmeidig zu einem organisch klingenden Gesamtkunstwerk zusammen. Das Resultat ist erhabener Pop – niemals anbiedernd, stets clever und gerne auch ein wenig verwegen. «Off Season» markiert übrigens das zehnjährige Jubiläum der Gruppe, die bei den Aufnahmen von den Brüdern Matthias und David Nydegger um Phillip Schlotter erweitert wurde und bei den anstehenden Konzerten zudem von Joder von Rotz verstärkt wird. Neuer Sound in guten Händen – Swatka City glänzt so schön wie vielleicht noch nie.
4/5 Sterne
Für Fans von: alt-J, Radiohead, Glass Animals

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