14.05.2016
Rubrik Musik

Baby in Vain – For the Kids


Schaut man sich den Blog von Baby in Vain an, sticht ein dreiäugiges Katzenmotiv ins Auge. Das ist ein bisschen irritierend. Aber grundsätzlich süss. Und drei Frauen, die Katzen T-Shirts anhaben und Musik machen, müssen ja quasi eine supertolle Girlband sein, oder?

Nope, diese Frauen nicht. Also zumindest was ihren Sound angeht sind sie meilenweit vom Girlband-Faktor entfern. Denn der klingt genau nach dem, womit man den Tag starten will um genügend «In your bloody fucking face»-Stimmung aufzutanken: Harter Gitarrenkrach mit wütenden Drums und anklagendem Gesang. Zwar sind Lola Hammerich (19), Andrea Thuesen (21) und Benedicte Pierleoni (22) nicht alt genug um sich an die 90ger zu erinnern, dennoch fliesst der Dreck einer Dekade Grunge und Stoner-Rock in ihren Adern –mit extra Punch Queens of the Stone Age.

Das manifestiert sich gleich ohne Vorspiel in «Martha’s View», dem ersten Song ihrer Debüt-EP «For The Kids». Langsame, stark verzerrte Riffs mit undeutlichen Vocals erzählen vom Zerfall einer alten Lady. Davon gleich weit entfernt, zeigen sich Baby in Vain im zweiten Song «Muscles» erstaunlich bluesig. Man darf sogar sagen: Sie liefern hier schnodrigen Girlie-Blues. Die gebürtigen Däninnen lernten sich 2010 beim Gig eines Freundes in der Heimatstadt Kopenhagen kennen. Ihre erste Probe hatten sie wenige Tage danach im Jugendclub. «Lola und ich wollten beide coole Gitarren-Solos schrammen», erklärt Andrea. Beide wechseln sich auch als Frontsängerin ab. Bereits 2013 spielte Baby in Vain an skandinavischen Openairs, darunter auch am Roskilde Festival. In ihrer eigenen Produktion liessen sie es hingegen langsamer angehen, veröffentlichten nur eine Handvoll Singles. Wieso sich der Musikindustrie zum Frass vorwerfen, wenn die eigene (Musik-)Identität noch nicht gefestigt ist? «Alle wollten irgendwelche Sachen von uns. Ich spürte diesen Druck von einer Proberaum-Band zu etwas völlig anderem zu werden», meint Andrea.

Thematisiert wird diese Erfahrung im dritten Song der EP. Passenderweise «Worthwhile» (zu Deutsch: Lohnenswert) genannt erzählt er, wie scheisse das war. Und das klingt nach einem Tritt in die Eier des 90er Grunge-Styles. Ein bisschen angelehnt an die Band Garbage – einfach ohne den Pop. Wieder versöhnlich, kühlt «The Urge» mit einem Touch Blues und einer Variation vom Sledgehammer-Riff die Emotionen runter – als beste Vorbereitung für den letzten Song «Jesusfreaks». Das Finale widmet sich psychedelischem Rock, einer brüchigen Stimme und dazu kontinuierlich mehr Lärm. Wir bleiben irritiert zurück – aber diesmal nicht wegen dreiäugiger Katzen-Shirts – sondern weil schon Schluss ist. Aktuell arbeiten Baby in Vain an ihrem Debüt-Album. Und wir an unserer Geduld.

For the Kids – EP – Baby In Vain auf iTunes

Für Fans von: Kittie, White Stripes, Truck Fighters

Wertung:



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