Bilderbuch: «Musik soll schliesslich auch in Bewegung bleiben.»


Nach dem Erfolg von «Magic Life» liessen sich Bilderbuch knapp zwei Jahre Zeit, um neue Töne anzuschlagen. Jetzt sind die Jungs aus Österreich gleich doppelt zurück mit dem Release von «Mea Culpa» und «Vernissage My Heart». Was es mit den dicht aufeinanderfolgenden Alben auf sich hat und warum die Band einen speziellen Bezug zu Zürich hat, verrät uns Frontmann Maurice Ernst im Interview.


Willkommen zurück in Zürich. Wie gefällt es dir hier eigentlich?
Grossartig, ich liebe Zürich. Ich bin bestimmt schon zum siebten Mal hier. Beim ersten Mal war ich am Konzert von Jay Z und Kanye West im Hallenstadion. Wir haben da per Zufall unseren heutigen Schlagzeuger in Zürich kennengelernt. Totaler Wahnsinn, aber hier haben wir tatsächlich zum ersten Mal unsere Liebe geteilt. (lacht)

Ihr habt innert kürzester Zeit gleich zwei Alben veröffentlicht. Fangen wir beim ersten an: «Mea Culpa», so lautet auch das katholische Schuldbekenntnis. Wofür entschuldigt ihr euch? 
(Lacht) Wir stehen immer in einer gewissen Ambivalenz. Wir waren ja alle Klosterschüler und sind nicht in einer coolen Hood aufgewachsen, was viele Fans erwarten. In dieser Schule hat sich ständig alles um Schuld gedreht, die Padres haben immer darüber gepredigt. Das hat unsere Musik auch geprägt. Wir haben nun versucht, diese Schuld auf private Verhältnisse umzuwälzen und uns Schuld einzugestehen.

Wenige Wochen später habt ihr nun mit «Vernissage My Heart» bereits den Nachfolger am Start. Worauf dürfen wir uns freuen?
Es ist eine sehr kreative Platte. «Vernissage My Heart» ist eine Herausforderung, positiv und liebebetonend. Ich würde es als Utopie der Liebe bezeichnen.

Auf einigen Fotos zum neuen Album inszeniert ihr euch als europäische Flagge, ausserdem habt ihr einen „EU-Passport“ im Web lanciert. Was wäre denn dein Wunsch-Europa?
Wir haben ja einen Song auf der Platte, der heisst «Europa 22». Wir wollen auch nicht sagen, was ihr denken sollt, aber: mein Wunscheuropa wäre, dass es mindestens so bleibt, wie es ist und nicht noch mehr einreisst und Europa eine Familie bleibt.

Welcher Impuls spielt in eurer Musik die grössere Rolle: Politik oder Party?
Sowohl als auch. Musik kann politisch sein. Aber nur weil einer unserer Songs zum Beispiel «Superfunkypartytime» heisst, muss es nicht nicht politisch sein, weil es das Wort «Party» beinhaltet. Ich finde, man muss sich nicht entscheiden für das eine oder andere.

Was hat es damit auf sich, dass ihr die beiden Werke so unmittelbar nacheinander veröffentlicht habt? Entstanden alle Songs gleichzeitig und wurden dann auf jeweils eins der Alben gepackt?
Zwei Platten zu kreieren war geplant. Die beiden Alben unterscheiden sich aber physisch. «Mea Culpa» ist digital und «Vernissage My Heart» eine Platte. Wir dachten halt: «Wir haben Musik und wir wollen sie zeigen und zur Verfügung stellen.» Die Idee ist gut angekommen. Es ist keine klassische Kampagne und relativ spontan. Musik soll schliesslich auch in Bewegung bleiben.

Albumkritik
Grenzenloser Austro-Funk
Bilderbuch – Vernissage My Heart
Nach dem introspektiven «Mea Culpa» stellen Bilderbuch jetzt fest: «Diese Welt dreht sich nicht nur mehr um mich» und breiten ihre Arme ganz weit auf. Für die Frisbee spielenden Space Cowboys, Kids im Park und ein Europa, das zusammenhält. Überhaupt für all jene, die zu ihrem smarten Funk-Pop mitgrooven wollen oder – und dafür eignen sich die diesmal besonders entspannten Klänge ausgezeichnet – den Frühling verträumt im Gras liegend empfangen wollen und sich selbst von den manchmal plötzlich aufniedelnden Gitarrensolis nicht aus der Ruhe bringen lassen.
4/5 Sterne
Für Fans von: Kraftklub, Erdmöbel, Ja, Panik

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