Der trashigste Sommerhit des Jahres ist auch unser liebste


Und 5 weitere Gründe, warum du Slayyyter auf dem Schirm haben solltest.


Yikes. Warum können wir nicht aufhören, bei «Mine» von Slayyyter mitzuwippen wie ein Wackeldackel, der übers Kieselfeld gefahren wird? Vielleicht gerade weil der Track so unverschämt jenem Late-90s/Early-00s Bubblegum Pop huldigt, zu dem die Kids einst im Sommer mit Wodka-Red-Bull durch die Clubs von Ayia Napa gewankt sind.

Als «sexy Myspacecore» bezeichnet die 22-Jährige ihren kitschbunten Output – ein Genre, unter dem bislang meist überschaubar erfolgreiche Emo-Bands belächelt wurden, die inzwischen nicht mehr in ihre Skinny Jeans passen und sich hoffentlich einen neuen Haarschnitt zulegt haben. Slayyyter trägt die Stilbezeichnung dagegen stolz wie einen Orden und rundet sie mit einer Ästhetik ab, die wie eine Geocities-Fanpage für Bratz Dolls anmutet.

Wer Slayyyter als überzuckertes Update von Britney und Christina abtut, hat damit nur zur Hälfte recht. Auf Bänger wie «Daddy AF» zelebriert die Sängerin nicht bloss den eigenen Sexappeal, sondern stellt gekonnt klischierte Geschlechterrollen auf den Kopf und tritt ihnen hochhackig in den Arsch.

Slayyyters bislang prominentester Fan: Charli XCX. Unser aktueller Coverstar hat auf seiner vielbeachteten und immer wieder formidabel kuratierten Spotify-Playlist «The Motherfucking Future» unter anderem Slays frühe Singles «BFF» und «Ghost» gefeatured. Und selbst mit der notorisch streitsüchtigen Azealia Banks scheint sich Slayyyter zu verstehen: Gemeinsam nahmen die beiden den Song «New Victim» auf.

Obwohl Slayyyters Sound-Sirup nun so langsam vom Underground in den Mainstream schwappt, ist die Amerikanerin (geboren und aufgewachsen in St. Louis) noch immer indie as fuck. Ihre bisherigen Tracks schrieb und produzierte sie vorwiegend gemeinsam mit Kollegen wie Ayesha Erotica und Robokid, für das Artwork zeichnet sich der englische Künstler glitchmood verantwortlich.

Das ihr (noch?) kein Musiklabel mit «Pass bloss auf, was du sagst»-Abteilung auf die Finger schaut, lässt sich auch an ihrem Twitter- und Instagram-Account ablesen, wo Slayyyter täglich ihre Follower mit einem charmant albernen FSK-18 Stream of Consciousness bespasst – Screenshots aus dem eigentlich von uns schon längst verdrängten «The Simple Life» inklusive.

Diesen Artikel kannst du ab sofort in voller grafischer Pracht in unserer Online-Ausgabe des Printmagazins lesen.