Dirty Sound Magnet: #love oder Alles aus Liebe


Wenn Leute ständig betonen, dass sie alles nur aus Liebe machen und sie gar nicht anders könnten, als – in diesem Fall – Musik zu machen, wird man meistens ein wenig skeptisch oder genervt. Müssen die denn so übertreiben? Wird ja dadurch auch nicht glaubwürdiger. Ausser es handelt sich um Dirty Sound Magnet.


Von Christian K.L. Fischer

«Wir proben eigentlich jeden Tag. Und wenn wir zwei Tage mal nicht proben, dann fehlt uns das richtig. Vielleicht haben wir deswegen auch sonst kein Leben», lacht Stavros Dzodzosz, Frontmann der Band aus Fribourg. Doch sie scheinen auch gar nicht an einem Leben neben der Musik interessiert zu sein: Wenn man sich den kommenden, endlos langen Tourplan von Stavros, Marco Mottolini (Bass) und Maxime Cosandey (Drums) ansieht, würde jedem normalen Menschen Angst und Bange werden – Panikanfälle inklusive. Doch Dirty Sound Magnet sind anders drauf: «Eigentlich ist das alles eine Riesenfreude! Wir freuen uns auf jede Show, denn wir improvisieren gerne und es passiert immer etwas anderes. Wir freuen uns auf jede einzelne Bühne – wir brauchen das, damit wir uns gut fühlen.» Klingt ein wenig nach Abhängigkeit – und vielleicht hatten sie auch deshalb nie Interesse am Klischee von Sex, Drugs und Rock‘n‘Roll. Die Sache selbst gibt dem Trio den Kick. Ausserdem: «Auf Tour musst du dich um dich kümmern, gut schlafen, essen, nicht trinken. Exzess klappt nur, wenn du deinen eigenen Jet hast. Wir müssen aber unseren Bus selbst fahren», lacht er wieder und wird dann deutlich: «Es geht nur die Liebe zur Musik – darum machen wir das.»

Lovestory 3.0
Dementsprechend ist dann auch das neue Album «Transgenic» geworden: Halbe Sachen sind etwas für andere. «Das ganze ist schon ein Konzeptalbum, denn die Thematik ist überall im Album vorhanden. Das letzte Album war eine globale Kritik am Westen – dieses ist hingegen ganz auf das Individuum gerichtet, eine Beobachtung des Verhaltens, auch meines persönlichen. Es geht um das moderne Leben, das wir leben – mit all den Veränderungen der letzten zehn Jahre. Das ist der Rahmen.» In der zweiten Hälfte der Platte wächst sich das sogar zu einer kleinen Geschichte aus, die sich über mehrere Tracks spannt und von «Social Media Girl» und «Social Media Boy» handelt. Und sie endet in «Hashtag Love».

Gut Song will Weile haben
Andere Lieder hingegen stehen für sich, wie «Rigid Soul», ein Song, den Stavros vor schon zwölf Jahren geschrieben hat. «Ich habe die Melodie immer gemocht. Und die Lyrics waren noch immer gültig. Viele der Ideen, die ich am meisten mag, hatte ich ganz früher.» Es ist bei ihnen sowieso egal, wie lange ein Song braucht, selbst wenn sie Jahre daran arbeiten, wie bei «Skull Drawing Rose», der fast neun Minuten lang ist: «Wir wussten, dass das ein super wichtiger Song für uns ist. Es war nur schwer dorthin zu kommen, wo wir mit ihm hin wollten.» Deshalb hat das dann auch nur sechs Jahre gedauert … und spätestens an diesem Punkt kann niemand mehr daran zweifeln, dass die drei Jungs auch Musik machen würden, wenn sie nicht gerade am Durchstarten sind. Ja, das muss wirklich Liebe sein.

Live u.a. am 16.10. Schüür (Luzern), 19.12. Werk 21 / Dynamo (Zürich), 20.12. Gaskessel (Bern)

Album-Review: Dirty Sound Magnet – Transgenic

Psychedelic Rock trifft Alternative Rock, Kadavar treffen Led Zepplin und die Gegenwart. Denn obwohl Dirty Sound Magnet es mögen, so vintage zu arbeiten wie sie klingen, lieben sie es auch, die Möglichkeiten der modernen Technik auszuschöpfen. Genau dieses Aufeinandertreffen ergibt den passenden Sound für ihr Thema, dem Clash der Digitalisierung und des Organischen. Muss man sich aber im Zweifelsfall gar nicht mit auseinandersetzen, denn «Transgenic» ist so kraftvoll und kreativ, dass es an Hypnose grenzt.

Für Fans von:Kadaver, King Gizzard and the Lizard Wizard, Pentagram

4/5 Sterne

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