09.03.2018
Rubrik Musik

Editors – Aus der Dunkelheit


Eine überraschende Kollaboration, hoffnungsvolle Düsternis und die perfekte Balance zwischen elektronischen und bandlastigen Sounds – Sänger Tom Smith und Gitarrist Justin Lockey über das sechste Editors-Album „Violence“. 

Darkness At The Door“, „Cold” oder „Nothingness“ – auf den ersten Blick machen die Songs eures neuen Albums einen ganz schön düsteren Eindruck!
Tom Smith: Unsere Texte haben ja immer eine gewisse Düsternis – aber man kann auch etwas Positives aus den Worten ziehen. Das Thema, das sich bei diesem Album durch alle Songs zieht, ist der Fokus auf zwischenmenschliche Verbindungen – ob nun im Sinne von Beziehungen, Freundschaften oder der Band. In einer Zeit, in der die Welt um uns herum brutal und furchterregend ist, ist es wichtig, dass wir als Menschen näher zusammenrücken. Für mich sind die Songs nicht düster, sondern hoffnungsvoll.

Wie kam das Album zustande?
Smith: Nachdem wir uns für unser letztes Album komplett isoliert hatten, sehnten wir uns dieses Mal nach etwas mehr Zivilisation und wählten ein Studio bei Oxford. Der Proberaum befand sich auf dem Land, aber als Unterkunft mieteten wir ein Haus in der Stadt. Die Aufnahmen verliefen sehr geregelt: Immer von Montag bis Freitag. Wir setzten uns keine Deadlines, sondern wollten einfach gucken, was passiert. Als wir irgendwann das Gefühl hatten, wir bräuchten Hilfe, kontaktierten wir Blanck Mass…

… der als eine Hälfte der Drone Band Fuck Bottons bekannt ist. Stimmt es, dass ihr ihn nie getroffen habt?
Justin Lockey: Weihnachten, als das Album längst im Kasten war, traf ich ihn zufällig auf einer Party. Wir hatten keine Ahnung, dass wir im gleichen Raum waren, bis seine Frau mich ansprach und uns vorstellte. Wir waren beide sehr betrunken und es wurde ein lustiger Abend. Aber während das Album entstand, haben wir ihn tatsächlich nie getroffen. Wir haben ihm die Songs geschickt und ihn einfach machen lassen.

Was war das Überraschendste, was zurückkam?
Smith: Ich fand es super spannend, wie er an den Rhythmen gearbeitet hat. Als er die ersten bearbeiteten Songs rüberschickte, waren wir sprachlos. Er probierte Sachen aus, auf die wir auch dann nicht gekommen wären, wenn wir jahrelang an den Songs gearbeitet hätten. Musikalisch haben wir uns ja schon immer zwischen gitarrenlastigen Songs und elektronischen Elementen bewegt, und ich finde auf unserem neuen Album ist uns diese Balance besser gelungen denn je. Die Platte ist die Essenz von allem, wonach wir in der Vergangenheit gestrebt haben.

Für Albumcover, Pressefotos und das Video zu „Magazine“ habt ihr erneut mit dem niederländischen Künstler Rahi Rezvani gearbeitet. Wie wichtig ist euch die visuelle Komponente?
Smith: Uns geht das nicht gerade leicht von der Hand – wir sind normalerweise ziemlich zurückhaltende Leute. Aber Rahi schafft es irgendwie, uns auf eine interessante Art zu fotografieren und porträtieren. Wir lieben seine Arbeit. Da ist zum einen diese High-End-Fashion-Seite, zum anderen aber auch eine Düsterheit und Brutalität. Das Cover ist eine sehr physische Repräsentation der Themen, um die es auf dem Album geht.


Rock: Editors – «Violence»
Auf ihrem sechsten Album loten die Editors das Spannungsfeld zwischen elektronischen Sounds und Gitarren noch weiter aus: „Violence“ vereint pulsierende Elektronik mit gitarrenlastigen Band-Sounds, auf melodiöse und eingängige Momente folgen brutale Synthesizer und Gitarren. In den Texten geht es um zwischenmenschliche Beziehungen: um die Band („Darkness At The Door“), einen Vater, der seinen Sohn beschützen will („No Sound But The Wind“) und die Tatsache, dass moderne Technologien und nicht glücklich machen („Nothingness“).

Editors – «Violence» auf iTunes

Wertung:
Für Fans von: Interpol, White Lies, U2



So klingt die aktuelle Ausgabe


Newsletter anmelden

Unseren Newsletter versenden wir Donnerstags.

Kommende RCKSTR-Events