Faux Tales präsentiert EDM für alle


Elektronische Musik kann so vielseitig sein wie sonst wenige andere Musikrichtungen. Das kann auch dazu verführen, einen eigenen Mix aus diversen Genres zu kreieren. Genau das macht Faux Tales mit seiner Musik.


von Desirée Oberlin

Gern würde man dem Berner Künstler ein Genre-Label zuordnen, aber irgendwie funktioniert es nicht. Ist es Ambient? Ist es Dubstep? Drum’n’Bass? Oder Musik für einen noch zu drehenden Film? Man kann den Sound, den Faux Tales schafft, nirgends klar einordnen – was dafür sorgt, dass man in seinen Tracks immer wieder Neues entdeckt.

Die Macht der Internets
Faux Tales aka Timo Loosli tüftelt schon eine ganze Weile an seinem Sound herum. Im Jahr 2014 erhielt er zum ersten Mal weltweit Aufmerksamkeit. Sein Track «Atlas» wurde kurzer Hand auf dem angesagten YouTube-Kanal «MrSuicideSheep» gefeatured, erlangte so mehrere Millionen Klicks und machte Timo Loosli zum ersten Mal ausserhalb der Schweiz bekannt. Nach zwei EPs und seinem Debütalbum vor vier Jahren lieferte Faux Tales nun im Oktober neue Tracks zum Schwelgen. «Hiraeth» nennt sich sein neustes Werk und lädt dazu ein, sich in dieser umtriebigen Welt nach hinten zu lehnen und einfach mal nur hinzuhören.

Heimweh nach einem Zuhause, das man nie hatte
Der Name «Hiraeth» erklärt einem auch schon die Grundstimmung des Albums: Das Wort kommt aus dem walisischen und kann streng genommen nicht wirklich übersetzt werden – es soll aber so viel bedeuten wie die Sehnsucht nach einem Zuhause, das nie wirklich so existiert hat. Mit Songtiteln wie «Home» oder «Farewell» widerspiegelt Faux Tales dieses sehnsüchtige Gefühl gleich doppelt. Wie dagegen das biblische Ungeheuer Behemoth sich einen Song ergattert hat auf dem Langspieler, bleibt dagegen das Geheimnis des Künstlers.

Ambient mit analogem Touch
Wer einen umfassenden Einblick in das Schaffen von Faux Tales haben will, macht am besten einen Abstecher auf sein Instagram-Profil. Neben wunderbaren Landschaftsbildern, die passende Covers zu seinen Tracks sein könnten, findet man kurze Videoclips von den Aufnahmen der einzelnen Songs. Nicht alles wird nur am Computer produziert: Viele Elemente entstehen bei Faux Tales organisch und verleihen der Musik einen eigenen Touch – sei es das Klavier, eine Gitarre, ein Cello oder eine Geige. Die Instrumente, die man raushört, werden nicht bloss am PC imitiert, sondern in Natura eingespielt und zu einer eigenen Klangwelt verpackt.

Faux Tales – Hiraeth

Für Fans von Four Tet, M83, Skrillex

Wer behauptet, EDM sein langweilig, sollte sich wirklich dringend mal mit Faux Tales neuem Longplayer auseinandersetzen. Und auch gängige Vorurteile gegenüber Dubstep lassen sich mit dem neusten Werk des Berners ausgezeichnet abbauen. Denn durch die beseelten Ambient-Elemente in seiner Musik lässt dich der Soundtüftler immer wieder in eine eigene, fantastische Welt abdriften.

4/5 Sterne

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