19.01.2018
Rubrik Musik

First Aid Kit im Interview


Mit ihrem letzten Album schafften First Aid Kit den intrnationalen Durchbruch, nun erscheint ihr viertes Werk «Ruins». Warum es darauf vor allem um Herzschmerz und Sinnessuche geht, verraten Klara und Johanna Söderberg im Interview.

Mit eurem Auftritt beim «Polar Music Prize» habt ihr euer grosses Idol Emmylou Harris 2015 zu Tränen gerührt. Warum löst eure Musik so intensive Gefühle aus?
Klara: Ich kann nur sagen: Wenn wir singen, dann fühlen wir die Musik wirklich.
Johanna: Zwischen uns ist diese Verbindung, die man mit Worten nicht beschreiben kann. Wir haben so viel Freude and der Musik und lieben das Singen so sehr – ich glaube, das Spüren die Leute.

Euer neues Album trägt den Titel «Ruins» und klingt, als hätte wenigstens eine von euch ganz schlimmen Liebeskummer gehabt.
Klara: Das bin ich! Mein Freund und ich waren lange zusammen und sogar verlobt.Ich habe mich mit ihm alt werden sehen. Doch auf einmal musste ich erkennen, dass die Dinge nicht so kommen werden, wie ich geplant hatte. Die Albumaufnahmen waren für mich eine traurige Zeit, eine Zeit des Erwachsenwerdens. Es fühlte sich fast an wie eine Therapie.

Neben Liebeskummer geht es auch viel um Sinnessuche. Um Fragen wie: Wer bin ich? Und warum tue ich, was ich tue?
Johanna: Solche Fragen stellen wir uns immer, wir sind ständig auf der Suche (lacht). Unser drittes Album war sehr erfolgreich, darum waren die letzten vier Jahre eine intensive Zeit. Am Ende waren Klara und ich ausgebrannt. Also haben wir uns sechs Monate Pause gegönnt. Ich habe in Stockholm Japanisch gelernt, meinen Führerschein gemacht und eine Wohnung gekauft.
Klara: Ich bin viel mit meinem Hund spazieren gegangen und habe Schauspielunterricht genommen.

Und wie kam die Musik zurück?
Johanna: Als der Druck weg war, ging das von ganz alleine. Es fühlte sich an, wie zu Beginn unserer Karriere. Musikalisch sollte dieses Album roher und authentischer sein. Unser letztes Album war sehr durchdacht, elegant und poliert. Aber dieses Mal sind die Songs so düster und traurig – wir wollten, dass der Schmerz greifbar ist. Dass man das Gefühl hat, mit uns in einem Raum zu sein. Deswegen durften die Songs nicht zu perfekt sein.

Zum Weltfrauentag habt ihr im Frühjahr einen Song über Vergewaltigung veröffentlicht, der im Hinblick auf den Weinnstein-Skandal und alles, was folgte, aktueller denn je wirkt. Wie habt ihr das ganze Thema beobachtet?
Klara: Man hat in dieser Welt langsam die Nase voll davon, eine Frau zu sein! Ständig muss man Angst haben sexuell belästigt oder gar vergewaltigt zu werden. Und wenn es passiert, kümmert es niemanden. Die Typen werden zwar schuldig gesprochen, aber bekommen kaum eine Strafe. Darum haben wir diesen Song geschrieben: Aus purer Wut und Frustration. Es muss sich dringend etwas tun. Und dass jetzt öffentlich darüber geredet wird, ist gut!

Indie-Folk: First Aid Kit – «Ruins»
Auf ihrem vierten Album servieren die Schwestern aus Schweden erneut wunderbaren Indie-Folk und perfekten Harmonie-Gesang – allerdings sind die neuen Songs nicht ganz so polliert wie de Vorgänger. Da wird auch mal kollektiv im Chor geschunkelt («Hem Of A Dress») oder richtig Lärm gemacht («Nothing Has To Be True»). Steht ihnen ausgezeichnet.

Wertung:

Für Fans von: Lucy Rose, Bear’s Den, Mighty Oaks

First Aid Kit– «Ruins» auf iTunes

 



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