Georgia – Seeking Thrills


Dance Pop Für Fans von Robin, Olga Bell, Róisín Murphy


Wenn man in Berlin tanzt, dann bleibt das nicht ohne langfristige Wirkung. Es kann sogar die Welt auf den Kopf stellen: «Total! Wir waren in der Renate und im Berghain und dann wieder in der Renate … ich habe vier Tage nicht geschlafen. Dabei war ich nüchtern! Aber das geht dort, denn alle sind wirklich da, um zu tanzen.» Dass sich das auf ihre Musik auswirken würde, hat Georgia nicht überrascht – auch wenn es auf etwas subtilerer Weise durchscheint. Denn «Seeking Thrills» ist kein Techno- sondern ein Pop-Album, dass auf einem massiven Fundament von Beats aufblüht, die sich eher auf die Wurzeln dieser Szene beziehen, den funkelnden House der 80er. Und bei einem Musik-Nerd wie Georgia geht das sogar noch tiefer: Wer erinnert sich denn an den belgischen Beitrag mit u.a. Front 242 und der Electric Body Music? Aber klar, wenn man die Tochter von Neil Barnes von Leftfield ist, wächst man mit einer Spur mehr Wissen auf. «Popmusik lebt heute auf den Beats, die damals entstanden sind. Wenn du einen Dua-Lipa-Song hörst, dann geht der letztlich auf Frankie Knuckles zurück.» Und genau diese Essenz wollte sie mitnehmen. «Wie hat Frankie mit nur drei Elementen einen Track konstruiert? Ich weiss nicht genau warum, aber ich glaube, ich wollte so Freiraum für meine Stimme entstehen lassen. Auf meinem ersten Album dachte ich noch nicht, dass ich eine Sängerin bin. Ich hatte kein Vertrauen in meine Stimme.» Jetzt hingegen hat sie die Stimme zu einem Feature gemacht. «Die Leute wollen einen interessanten Gesang hören und eine gute Bassline und einen klaren Beat. Und das wurde in den Achtzigern perfektioniert von Bands wie Depeche Mode und eben bei Chicago House. Es ist simpel – aber komplex.» Und vor allem: Man kann sich dazu bewegen. Man muss sogar. Denn was Georgia letztlich mir ihrem neuen Album erreichen will, ist doch wirklich ganz einfach: Du sollst dich empowered fühlen und gefälligst tanzen als wärst du im Berghain, du Musik-Nerd!

4/5 Sternen

LIVE: 28. Februar im Exil, Zürich

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