Das definitive Ranking aller James Bond Titelsongs


Der Kinostart zu "No Time to Die" wurde just von April auf den kommenden Herbst verschoben - James Bond mag vielleicht Spectre in den Arsch treten, Corona ist für ihn dann aber doch eine Nummer zu gross. Nichtsdestotrotz: Zu seinem 25-jährigen Jubiläum wird 00-Boomer von Billie Eilish in den Kampf gesungen. Doch wo rangiert ihr Song im Pantheon der bisherigen Titeltracks? Wir mussten lange beraten (ausser über den letzten Platz, weil f that s!) und präsentieren hiermit endlich die korrekte Reihenfolge:


24. „Die Another Day“ von Madonna (2002)
Statt sich die Eigenschaften eines ordentlichen James-Bond-Themes eigen zu machen, fiept Madonna einen mittelmässigen Electro-Pop-Track raus. So wie sie es eben zu diesem Zeitpunkt („American Life“) in ihrem sonstigen Schaffen sowieso schon tat. Dass sie dafür im Film auch noch ein Cameo als, äh, Fechtlehrerin abbekam, setzt diesem musikalischen Shit-Sandwich gleich noch den Zahnstocher auf. 

23. „Another Way to Die“ von Jack White und Alicia Keys (2008)
Ehhh. Die Idee hatte Potential, doch am Ende fügen sich Jack Whites Garage-Rock-Roughness und Alicia Keys Piano-Balladen-Eleganz nie so wirklich so einem stimmigen Ganzen zusammen. Und auch der Refrain bringt zwar etwas Drama, bleibt aber nie so wirklich im Gedächtnis hängen. Deshalb: Ab in die Wüste damit. Ah, Moment, ist es ja schon.

22. „Writing‘s on the Wall“ von Sam Smith (2015)
Aber … aber … Oscar! Tatsächlich: Sam Smiths bombastisches Gejammer räumte damals bei Preisverleihungen ab. Und wahrscheinlich leiteten damit schon so einige Schnarchpärchen ihren per Doodle verabredeten Geschlechtsverkehr bei Kerzenlicht ein. Selbst für die Peak-Phase von Emo-Bond ist das hier einfach zu viel cry me a river. Und überhaupt: Sind wir die einzigen, die nach den ersten Takten erwarten, dass Sam jetzt dann gleich in den Refrain von Michael Jacksons „Earth Song“ ausbricht?

21. „The Man With the Golden Gun“ von Lulu (1974)
Wir haben da so eine Theorie, dass die meisten hervorragenden Bond-Songs eine eigene Budget-Version nach sich ziehen:
Adele > Sam Smith, Duran Duran > A-ha, Shirley Bassey > Lulu. Oh, wie sehr, sehr fest Shirley Bassey > Lulu. Zwar besingen beide die Verwegenheit von Bonds Gegenspieler im jeweiligen Film und beide dieser Herren besitzen eine Affinität für Gold. Doch während „Goooldfingaaaaaah“ auch Wochen später nicht aus der Erinnerung schmelzen will, ist dieses mässig charmante Yé-Yé-Geträller so schnell wieder aus der Erinnerung wie eine Kugel ihren Lauf verlässt.

20. „Moonraker“ von Shirley Bassey (1979)
Bond-Theme-Allzweck-Waffe Bassey sei für diesen Song nur vierte Wahl gewesen: Frank Sinatra, Kate Bush und Johnny Mathis waren ursprünglich vorgesehen. Ob sie einen besseren Job gemacht hätten? Kaum. „Warum James Bond jetzt im verdammten Weltraum rumfliegt“ ist aber auch eine undankbare Ausgangslage, die es musikalisch aufzuarbeiten gilt. Das Endresultat ist eine durchaus graziös, aber auch komplett unspektakulär dahinseiernde Kitsch-Ballade.


19. „Thunderball“ von Tom Jones (1965)
Der Legende nach soll Tom Jones bei den Studioaufnahmen in Ohnmacht gefallen sein, weil ihm das Halten des letzten Tons beim Ende vom Lied dermassen viel Puste abgerungen hatte. Weshalb das Endresultat dann nicht umwerfender geworden ist? Tatsächlich grollt und jault der Walisische Tiger so eindrucksvoll, als müsste er einen ganzen Zoo voller Brunftschreie übertönen. Doch ansonsten enthält „Thunderball“ zwar all die richtigen Zutaten, diese wurden aber anderswo einfach ein kleines bisschen besser angewendet. Oh, hey, damit haben wir auch gleich den Film beschrieben.

18. „You Know My Name“ von Chris Cornell (2006)
I’m an Englishman in Seattle: Ex-Soundgarden-Frontmann stülpt 007 das abgewetzte Bandshirt und Holzfällerhemd über. Als Paukenschlag für eine neue Bond-Ära mit Daniel Craig und +1 Grittiness ist der heisere Rocktrack definitiv ein mutiges Statement. Aber hat man sich von dem initialen Schock mal erholt, stellt man schnell fest: Es ist ein ziemlich mittelmässiger heiserer Rocktrack.

17. „The Living Daylights“ von A-ha (1987)
Hauptkritikpunkt von „The Living Daylights“ von A-ha? Dass es nicht „A View to a Kill“ von Duran Duran ist. Zu offensichtlich wollte man hier die Erfolgsformel vom Vorgänger kopieren. Das Resultat ist ein nicht sehr gewiefter Abklatsch, der aber durchaus seine charmanten Momente hat – insbesondere dank den Stimm-Kapriolen von Sänger/Schlafzimmerblick Morten Harket.

16. „No Time to Die“ von Billie Eilish (2020)
Warum hat Billie Eilish auf dem Promo-Foto zur Single keine grünen Haare? She had no time to dye! [Pause für hysterisches Gelächter] Bold move der Verantwortlichen, für die ultimative Dad-Franchise den grössten Star der Generation Z zu wählen. Wie bei Sam Smith ist auch Billies Ballade mehr Schlaflied als Einpeitscher. Doch funktioniert hier der slow burn zum dramatischen Crescendo wesentlich eindrucksvoller. 

15. „From Russia With Love“ von Matt Monro (1963)
Ein definitiver Granny Panty Dropper dank dem vokalen Schmelz von Lounge Singer Extraodinaire Matt Monro. Das erste propere James-Bond-Titellied legt den samtweichen Teppich aus, auf dem zukünftige Künstlerinnen und Künstler ihre Spielwiese fanden: Geschmeidige Streicher, Drama und Verführung, ein kleines bisschen Exotik – alles da, wenn auch noch ein bisschen ereignisarm. 

14. „Tomorrow Never Dies“ von Sheryl Crow (1997)
Mal davon abgesehen, dass unser Herz ohnehin immer schneller zu klopfen beginnt, wenn Sheryl Crow ans Mikrofon tritt (und hier erst noch im Sterling-Archer-Outfit): ein rundum solider Beitrag für den Secret Agent Song Contest. Highlights sind die Sturzflug-Strings, schnurrenden Westerngitarrenlicks und Sheryls Heisslaufen im (leider etwas blassen) Refrain. 

13. „Licence to Kill“ von Gladys Knight (1989)
No joke: Hätten wir zu Hause eins von diesen Betten, das sich aus der Wand ausfahren lässt, würde jeweils dieser Song dazu laufen, während wir daneben mit unserem One Night Stand warten. Ist man aber über den pompösen Einstieg hinweg, verfliegt das High relativ schnell und es folgt ein adäquates, aber nicht sehr erinnerungswürdiges Standardprogramm. Hm. So beschreiben uns übrigens auch die meisten One Night Stands. Shit.

12. „The World Is Not Enough“ von Garbage (1999)
Die Schotten nehmen Sheryl Crows Vorlage dankbar auf und setzten ihrem Song in allen Belangen nochmals einen drauf, – insbesondere verpassen Garbage ihrer Komposition einen wesentlich denkwürdigeren Refrain. Das Resultat war ein theatralischer Allmachtsanspruch, von Frontfrau Shirley Manson gleichermassen verführerisch und bedrohlich vorgetragen. 

11. „For Your Eyes Only“ von Sheena Easton (1981)
So smooth wie eine Olive im Martini: Mit diesem Song stach Sheena Easton die Mitbewerber Blondie aus und liefert einen geschleckten Hochglanz-Dinnerparty-Beschaller ab. Und: So gut gelaunt wie hier stieg man noch selten in ein Agenten-Gemetzel ein. 

10. „GoldenEye“ von Tina Turner (1992)
Selbst U2-Hasser müssen hier zähneknirschend eingestehen: Der von Bono und The Edge geschriebene Song packt einem von der ersten Sekunde, baut sich dramaturgisch famos auf – und die ohnehin nicht zu halben Sachen fähige Tina Turner hebt das Ganze dann stimmlich komplett auf ein neues Niveau. Ein gelungenes Einläuten der Pierce-Brosnan-Ära, die damit auch bereits schon ihren Höhepunkt erreicht hatte. 

9. „We Have All the Time in the World“ von Louis Armstrong (1969)
Der beste aller James-Bond-Filme (auch das ist – wie dieses Listicle – ein Fakt. F-a-k-t!) hatte zwar „nur“ ein instrumentales Intro. Doch ist dieses geradezu zärtlich-rührende Arrangement nicht nur das musikalische Herzstück von „On Her Majesty’s Secret Service“, sondern auch der persönliche Favorit von James-Bond-Hofkomponist John Barry. Wer beim Klang von Louis Armstrongs wehmütigem Gesang nicht ein Tränchen wegdrücken muss, ist so kalt wie eine Bobrennbahn. 

8. „All Time High“ von Rita Coolidge (1983)
Saxophon-Solo, baby! In der Kategorie „Welchen Bond-Song-Refrain würden wir um 3 AM an einer WG-Party betrunken durch den Raum heulen“ liegt diese Schnulze definitiv auf Platz 1. Zwar gibt es weitaus verwegenere Beiträge im 007-Song-Katalog, doch schwebt dieser dank seiner luftigen Dekadenz und eleganten Leichtigkeit über den meisten von ihnen. Ein Song, der Spass macht – und gerade deshalb unter seinen Mitbewerbern hervorsticht. 

7. „A View to a Kill“ von Duran Duran (1985)
Zunächst einmal: Dieses Musikvideo ist tricktechnisch gealtert wie ein guter Wein, den man mit offenem Korken im Klo lagert. Oh well. Dass sich James Bond – noch dazu in Form von Roger „Zwei Wochen vor der Pensionierung“ Moore – und 80s New Wave gar nicht mal sooo schlecht kombinieren lassen, zeigt dieses ambitionierte Stück Pop-Drama. Übrigens noch immer das einzige Bond-Theme, das in den USA jemals Platz 1 der Billboard Charts erreichte.

6. „Skyfall“ von Adele (2012)
Ach, Adele. Da liefert sie praktisch eine Punktlandung mit diesem Best-Of musikalischer Jamesbondismen, nur um dann so häufig bei „Der Bachelor“ gespielt zu werden, dass wir den Song inzwischen schon fast mehr mit „Ui, schon wieder Nacht der Rosen!“ gleichsetzen, als mit einem der rundum gelungensten 007-Gesamtpaketen. Nichtsdestotrotz: Dieser Song packt dich mit einer Hand am Hals, mit der anderen am Herz und zieht dich gnadenlos hinab in einen Gefühlsstrudel, aus dem man nicht mehr auftauchen mag. 

5. „Live and Let Die“ von Paul McCartney & Wings (1973)
So, so viel hätte hier schief gehen können: Drastische Tempo- und Stimmungswechsel, überbordende Instrumental-Parts, sogar ein verdammtes Reggae-Intermezzo. Und doch kommt alles zu einem kongenialen Höllenritt zusammen, der das Adrenalin zum brodeln bringt. Ist der Song vorbei, ist man dermassen hyped, dass man am liebsten selber aus dem Flugzeug ohne Fallschirm auf die Gegner springen möchte. 

4. «Goldfinger» von Shirley Bassey (1964)
He loooves goooooooooooooooold!“ No shit, Shirley. Ein (hahaha) Goldstandard in Sachen Bond-Themes: Legendär ist hier insbesondere Basseys geradezu vibrierende Gesangsperformance. Doch auch die vielschichtigen Bläser und rasselnde Percussion treiben den Song atemlos voran. Bonspunkte gibt es ausserdem für die charmant bescheuerten Lyrics. 

3. «You Only Live Twice» von Nancy Sinatra (1967)
Aaaaaah … Ein Intro, als würde man sich in ein warmes Jodbad hineingleiten lassen. Und auch danach umschmiegt einem diese Mischung aus züngelnder E-Gitarre und melancholischer Exotica wie eine schnurrende Katze. Ein Song mit so viel Sex, dass es später sogar noch für Don „James Bond des Marketings“ Draper reichte: Die fünfte Staffel von „Mad Men“ endete mit diesem Lied und unserem verzückten Seufzer. 

2. «Diamonds Are Forever» von Shirley Bassey (1971)
Es ist nicht alles Gold, was glänzt: Dieser Shirley-Bassey-Bond-Song funkelt mindestens so geheimnisvoll und verführerisch wie Auric Goldfingers Klingelton. Das oft gesamplete Intro, das Einsetzen des unwiderstehlichen 70s Grooves, die „Fuckboi, bye!“-Lyrics: Wir können uns für keinen Lieblingspart entscheiden und gratulieren deshalb einfach zur, äh, Silbermedaille (die nämlich auch glänzt). 

1. «Nobody Does it Better» von Carly Simon (1977)
Der Titel ist Programm. So viel Wehmut, Verzweiflung, unterschwellige Wut und absolute Thirstiness findet sich in nur wenigen Songs der Musikgeschichte – geschweige denn in einem 007-Auftakt. Wir sind überzeugt: Wenn James Bond nach einem harten Tag Weltretten abends nach Hause kommt, würde er keinen anderen Track auflegen und sich dazu ein Glas geschüttelten/gerührten/whatever Alkohol einschenken sowie von den Lackschuhen in die Finken wechseln. Spy Daddy muss entspannen, da will er kein Drama und Pomp aus den Lautsprechern. Sondern einfach nur hören, dass baby the best ist. Müssen wir doch alle ab und zu mal. Und deshalb gibt es für uns keine andere Nummer 1.