King Gizzard & The Lizard Wizard – Die Kreativ-Maschinen


Das soll King Gizzard & The Lizard Wizard erst mal einer nachmachen: Innerhalb von einem Jahr veröffentlichte die australische Psychedelic-Rock-Band fünf Alben. Sänger Stu Mackenzie spricht im Interview über Kreativität.


Stu, fünf Alben in einem Jahr – seid ihr manchmal überordert, wenn ihr versucht, eure Setlist zu schreiben?
Stu Mackenzie: (Lacht) Vielleicht ein bisschen. Im Moment spielen wir vor allem Sachen aus dem letzten Jahr. Ich würde sagen, sie machen 70 Prozent des Sets aus.

Mal im Ernst: Wo kommt all diese Musik her?
Unser achte Platte «Nonagon Infinity» war echt harte Arbeit. Ich wollte damals, dass das Konzept vorher steht und wir haben viel geprobt. Danach waren wir so ausgelaugt, dass wir beschlossen haben, erst mal keine neuen Songs aufzunehmen. Genau zu der Zeit hatten wir uns aber unser neues Studio in Melbourne eingerichtet, und irgendwann kamen uns all diese unterschiedlichen Ideen, denen wir nachgehen wollten, die aber einfach nicht auf ein Album gepasst hätten. Es fühlte sich an, als würden sie sich abstoßen, also haben wir entschieden, jeder Idee ein Album zu widmen.

Wie würdest du die fünf Ideen umschreiben?
Auf «Flying Microtonal Banana» spielten wir mit Mikrointervallen, die Songs entstanden alle auf einer mikrotonal gestimmten Gitarre. «Murder Of The Universe» ist ein verrücktes, sehr düsteres Konzeptalbum, bei dem die Songs alle ineinander übergehen. «Sketches Of Brunswick East» nahmen wir mit unserem Freund Alex und seiner Jazz-Band Mile High Club auf. Auf «Polygondwanaland» schichteten wir die verschiedendsten Rhythmen übereinander. Und «Gumboot Soup» ist sozusagen das, was übrigblieb. Jeder Song folgt seiner eigenen Idee.

Bist du jemand, der permanent kreativ sein muss?
Ich bin definitiv am zufriedensten, wenn ich konstruktiv bin. Ich zeichne gerne, lese gerne – auch das hat ja viel mit Imagination zu tun. In meinen Augen sind Musiker aber nichts Anderes als Handwerker. Manche halten es für etwas Magisches. Als würde der Song aus einem herauskommen, ohne dass man weiß, wie einem geschieht. So ist das bei mir nicht. Ich nehme nicht einfach die Gitarre und lege los. Ich brauche eine Art Umriss. So wie bei diesen Alben. Ich muss den Weg kennen, bevor ich losgehe.

Ist es wahr, dass du dir vorgenommen hast, bis zu deinem Tod jedes Jahr ein neues Instrument zu lernen?
Das stimmt, wobei das letztes Jahr etwas in Vergessenheit geriet. Angefangen habe ich mit einer Sitar. Danach lernte ich Flöte, was einen großen Einfluss auf mich hatte, Klarinette, was mich echt frustriert hat, und ich kaufte mir eine türkische Laute, was zu meiner mikrotonalen Phase führte. Immer wieder ein neues Instrument zu lernen, ist ein guter Weg, seine eigenen Gewohnheiten zu untergraben. Außerdem ist es praktisch. Die Flöte haben wir seitdem in super vielen Songs verwendet.

Was kommt als nächstes?
Ich habe mir gerade ein Saxophon gekauft!


Psychedelic Rock: King Gizzard & The Lizard Wizard – «Gumboot Soup»

Bisher nur digital erhältlich, erscheint «Gumboot Soup» am 4. Mai als letztes der fünf Alben nun auch auf CD und LP. Im Vergleich zu den vorigen Werken ist es ein Kessel Buntes: Vom Beatlesken «Beginners Luck» über das hyperaktive «Muddy Water» bis zu Stu Mackenzie Erkenntnis, dass es jetzt echt mal Zeit ist, richtig auszuschlafen («I’m Sleeping In») ist die Platte voll mit psychedelischen Gitarren, ausgefallenen Ideen und verrückten Sounds.

Wertung: [Sterne7]
Für Fans von: Tame Impala, Temples, Pond

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