15.07.2016
Rubrik Musik

LP-Review: Metronomy – «Summer 08»


Joseph Mount, kreativer Kopf hinter Metronomy, misst den Erfolg seiner Band am Teenager-Auflauf an den Konzerten. Gefällt’s der Jugend, ist alles okay. Mit dem fünften Album «Summer 08» geht Mount nun zurück in die Zeit, als er selbst noch jünger war – und orientierungslos.

Wir schreiben das Jahr 2006. Metronomy haben gerade ihr Debütalbum «Pip Paine» herausgebracht. Erfolg oder Hype? Eher mässig. Doch der zwanghafte Dauerwunsch, endlich cool zu sein, hat sich in Mounts Kopf festgesetzt wie ein Kaugummi an der Schuhsohle. Ob ausgelassene Partys in London oder tonnenweise Remixes von Electro-Pop-Grössen wie Ladytron, Goldfrapp, Lykke Li oder den Gorillaz; Metronomy wollen sich einen Namen machen, wollen bekannt werden. Im April 2008 erscheint ihr zweites Album «Nights Out» und ab da ändert sich alles. Plötzlich werden aus Joe Mount, Oscar Cash, Anna Prior und Gbenga Adelekan Vollzeitmusiker, die praktisch Nonstop auf Tour sind. In dieser Zeit hat sich einiges angestaut, das Mount nun auf der neuen Platte «Summer 08» verarbeitet hat.

Der Sommer 2008 war der letzte, in dem Mount nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit ein Instrument in der Hand hielt. «Nights Out» war das Album, das der Band zum Durchbruch verhalf. Mit der fünften Platte liefern Metronomy nun eine Art Pendant dazu. Nicht nur lyrisch, sondern auch musikalisch bespielt «Summer 08» die Jugend; sowohl die der heutigen Teens als auch die eigene. Ein Album, das die langsam verblassenden Erinnerungen an das Jungsein und das Club-Leben aufgreift, jedoch mit einer Selbstsicherheit, die zu jener Zeit undenkbar gewesen wäre. So drehen sich die Texte um sexuelles Verlangen, Eifersucht, Ausgang, Liebe – das was einen als Heranwachsenden so beschäftigt.

Einer der unterhaltsamsten Momente der Platte ist die Leadsingle «Old Skool» auf der Beastie-Boys-Mixmaster Mike mitgescratcht hat. Groovy Bässe, springende Drums und eine einnehmende Melodie, die aus dem Track einen tanzbaren Leckerbissen zaubern. Überhaupt bewegt sich das ganze Album – trotz vieler Anlehnungen an «Nights Out» – vom Indietronic weiter in Richtung Electro-Pop. Einen weiteren Beweis dafür liefert uns «Hang Me Out To Dry»: Ein Mix aus rollenden Dancefloor-Rhytmen und schwebenden Synthie-Melodien, gepaart mit Robyns schillernder Soprano-Stimme. Der Opening-Track «Back Together» und auch das Folgestück «Miami Logic» erinnern dagegen wieder mehr an die Hits ihres Zweitlings. Das Album ist ein passendes Gegenstück zu «Nights Out», dem man jedoch anmerkt, dass die Band in der Zwischenzeit erwachsen geworden ist.

Summer 08 – Metronomy auf iTunes

Für Fans von: Hot Chip, Thieves Like Us, We Have Band

Wertung:



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