31.10.2016
Rubrik Musik

LP-Review: Tove Lo – «Lady Wood»


«Lady Wood» ist laut Tove Lo das weibliche Äquivalent zur männlichen Erregung. Passend dazu werden unsere Ohren ganz spitz beim zweiten Album der Schwedin.

Dieses Album ist wohl an alle gerichtet, die nicht schon bei den 2014er Hitsingles «Habits (Stay High)» (Drogen reinschmeissen, um eine Trennung zu bewältigen) und «Talking Body» (vögeln, die ganze Nacht lang) sowie bei der wachsenden Zahl an Konzerten, an denen Tove Lo ihr Gebrüst entblösste, geschnallt haben, dass die Schwedin ein böses Mädchen ist. Obwohl: Böse ist das falsche Wort. Die 28-Jährige ist vielmehr eine junge Frau, die Liebe, Sex und Suchtmittel direkter thematisiert, als es die meisten anderen Popmusiker tun. Besagtes Überspitzen der Botschaft beginnt schon mit dem Albumcover: «Lady Wood» bedeutet so viel wie «Damen-Ständer» und die beiden Os in Tove Lo sehen aus wie Vulven.

Thematisch bleibt Tove erwähntem Dreigestirn treu. Mit «WTF Love Is» und «True Disaster» besingt sie unglückliche Liebschaften, die Vorabsingle «Cool Girl» und «Keep It Simple» drehen sich um ungezwungene Bettgeschichten und Substanzen spielen in «Influence» die Hauptrolle – passenderweise steuert Oberkiffer Wiz Khalifa hier ein paar Zeilen bei. Synthielastiger Pop mit weiblichem Gesang, dazu ein Featuring eines bekannten Rappers – die schwedischen Produzenten The Struts, die bei mehr als der Hälfte der neuen Songs an den Reglern sassen, gehen nach Lehrbuch vor; dasselbe gilt für alle anderen Lieder, die stampfende Electronica mit Toves glasklarer Stimme vermählen. Das klingt durchaus poliert, aber nie anbiedernd. Der Refrain des Titeltracks ist sogar fünf vor Ariana Grande, aber die Schwedin schafft es auch hier, ihrem zugänglichen, hallentauglichen Pop einen düsteren, eckigen Schlenker zu verpassen.

Laut Tracklist und Plattenbio besteht «Lady Wood» aus zwei Teilen: Die erste Hälfte handle von der Erregung (genannt «Fairy Dust»), die zweite vom Loch, in das man nach dem Hoch falle (genannt «Fire Fade»). Textlich und musikalisch lassen sich diese zwei Kapitel aber nicht wirklich auseinanderhalten – immerhin nahm Tove die Unterteilung zum Anlass, ein Intro und ein Intermezzo abzuliefern, was ein kurzes Durchatmen zwischen den Synthiebrettern erlaubt. Mit der zweitletzten Nummer «Flashes» macht die Stockholmerin allerdings etwas zum Thema, über das sie bisher noch nicht gesungen hatte: die Schattenseiten des Berühmtseins mitsamt der Erwartungshaltung an ihre Person. Abnehmen wird diese mit dem Release von «Lady Wood» wohl nicht, dafür ist das Album zu gut geworden. Auch wenn es in Sachen Hitsingles das Debüt «Queen Of The Clouds» wahrscheinlich nicht übertrumpfen wird.

Lady Wood – Tove lo auf iTunes

Für Fans von: BANKS, The Weeknd, Kimbra

Wertung:



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