Mabel – Nepotismus? Nicht nötig!


Der ständige Hinweis, wessen Tochter Mabel ist, wird nach dem Release ihres Debütalbums kaum mehr nötig sein: Die 23-Jährige braucht nichts Weiteres als die eigene Stimme, um im Scheinwerferlicht des Popzirkus bestehen zu können.


Na gut, noch einmal sei erwähnt: Mabel ist die Tochter von Superstar Neneh Cherry – ein Umstand, welcher in der vergangenen Berichterstattung über die Newcomerin so oft erwähnt wurde, dass man glauben könnte, Mabels vollständiger Name sei Mabel Tochtervonnenehcherry. Und nicht nur das: Ihr Vater ist Massive-Attack-Produzent Cameron McVey, Grossvater die Jazzlegende Don Cherry und Marlon Roudette, ehemaliger Frontmann bei Mattafix, ist Mabels Halbbruder. Da kommt also ganz schön viel Familientradition zusammen und damit – womöglich unfairerweise – auch die Frage, wie sich das Talent des jüngsten Sippenmitglieds daran messen wird. Dessen bewusst, gab Mabel ihrem jetzt erschienen Longplayer-Debüt den Titel «High Expectations».

Grund zu hohen Erwartungen gab aber auch der bisherige Output der Sängerin: 2016 landete sie auf der renommierten «Sound of»-Liste der BBC, welche jeweils die grössten Musiktalente des Landes zusammenträgt und in jenem Jahr unter anderem auch Dua Lipa, Jack Garratt und Alessia Cara aufführte. Anlass dazu waren Mabels erste Singles «Know Me Better» und «My Boy My Town», beides geschmeidige R’n’B-Pop-Tracks mit einem Gesang, der sofort aufhorchen liess. Ihre ersten Songs entstanden in kompletter Eigenregie und mit Hilfe von Produzent Josh Crocker – auf die mögliche Unterstützung und gutgemeinten Ratschläge der prominenten Eltern wollte der damalige Teenager verzichten, verliess sich lieber auf eigene Instinkte und ein Studium für Musiktheorie und Produktionstechnik an einer Hochschule in Stockholm.

Das Selbstvertrauen zahlte sich aus und die Tracks stürmten auf Plattformen wie Spotify und Hype Machine schon bald in höchste Chartpositionen. Auch als Performerin auf der Bühne bestand Mabel ihre Feuerprobe und begleitete unter anderem Schnuckel in Chief Harry Styles 2017 auf dessen Europatournee. Mit ihrer diesjährigen Nomination für einen Brit Award in der Kategorie «Breakthrough Act» zementierte Mabel schliesslich endgültig ihren Weg in die Riege der zukünftigen Pop-Grössen, auch wenn der Preis schlussendlich an Kollege Tom Walker ging. Die high expectations haben Mabel bislang also noch nicht zaudern lassen, im Gegenteil: Ihr Höhenflug hat gerade erst begonnen.

Albumkritik
R’n’B aus gutem Haus
Mabel – High Expectations
Erwartungen erfüllt? Durchaus. Mabels Mix aus Soul und Tropical Pop sorgt für den perfekten Hochsommer-Cocktail, als Schirmchen ragen zusätzlich diverse Gaststars wie Kamille, Stefflon Don und RAYE heraus. Zugegeben: Instant-Arschwackel-Hits wie «Don’t Call Me Up» und «Mad Love» sind sich mitunter etwas gar ähnlich. Doch werden diese auf dem Album durch jene Momente aufgewogen, bei denen die Künstlerin die ruhigeren und intimen Facetten ihres Songwritings in den Vordergrund stellt und mit einer – in sämtlichen Momenten – hinreissenden Stimmen vorträgt.
4/5 Sterne
Kim Petras, Jorja Smith, Rihanna

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