Postironie à la Jeans for Jesus


Mit ihrem gleichnamigen Debutalbum gelang der Berner Band Jeans for Jesus ein raketenhafter Aufstieg zum Schweizer Musikhimmel. RCKSTR besuchte den Videodreh zum Song «Wosch no chli blibä» von ihrem neuen Album «P R O» und hat bei dieser Gelegenheit mit den vier Jungs über ihre Musik und das dazugehörige Parfum gesprochen.


«Chasch guet aleini si? Was interessiert di? Gits viu lüt wode würklech gärn hesch?», fragt Jeans-For-Jesus-Sänger zum Einstieg in ihre kommende Single. Eine ebenso wichtige Frage, die die Berner Band in den letzten Monaten beschäftigt hat: «Wie soll Musik in der heutigen Zeit daherkommen?» Jeans for Jesus sind die Gielä, die mit ihrem gleichnamigen Debutalbum den Mundart-Pop auf ein neues Level hievten. Ihr Hit «Estavayeah» bringt auch drei Jahre nach dem Release Schweizer Sommerfeeling (oder wie es im Refrain heisst: «Bratwurst am Meer») zurück.

Ihr bisher grösster Hit ist auch auf ihrem neuen Album «P R O», das am 31. März erscheint, zu hören. Für Fake-News-Überprüfer: In «Dr letscht Popsong (Gäubi Taxis im Sand)» hat «Estavayeah» einen Gastauftritt in Form eines Samples. Oder wie Sänger Mike ihre bewusst radiotaugliche Single im Gespräch mit RCKSTR beschreibt: «Es ist eine Persiflage eines Hits, der den Deutschschweizern gefällt. Weisst du, so mit diesem Justin-Bieber-Refrain.» Wer den vier Jungs jetzt aber Ironie vorwerfen möchte, tut ihnen Unrecht. «Wir wollten überhaupt kein ironisches oder zynisches Album machen, es soll positiv sein», erklärt Mike. Die Band habe während der Produktion oft über den Begriff der Post-Ironie diskutiert.

So ist auch das Parfum, das gemeinsam zum Album-Release verkauft wird, absolut ironiefrei aufzufassen: «Es soll als verschmolzene Ebene mit dem Album funktionieren.» Ein Freund der Band kreierte das Parfum in Holland. «Ich finde es spannend, wie nahe der Duft an Musik geht», erklärt Philippe, der in der Band sowohl für Synthies als auch die Grafik verantwortlich ist. «Unser Freund meinte dann zum Beispiel: Wegen diesen Synthies braucht es einen Schuss mehr Beeren», sagt Philippe und schmunzelt. «Neodigital» soll es auch riechen. «Wir wollten ein dreidimensionales Produkt. Gerüche verankern sich ja auch viel stärker in der Erinnerung,» Hinter dem Unisex-Parfum steckt ausserdem eine politische Message: «Der Duft ist bewusst LGBT-einschliessend.» In der Werbung zum Parfum werden bewusst «Girls and Girls» und «Boys and Boys» angesprochen.

Die eingangs gestellten Fragen sind auch der Anfang zum Song «Wosch no chli blibä».  Im Lied geht es nicht – wie man vielleicht denken könnte – um das Umwerben eines Mädchens sondern um Flüchtlinge. Jeans for Jesus gelingt es mit ihrem neuen Album, nicht nur ein dreidimensionales Produkt, sondern erneut auch vielschichtige Musik zu kreieren. Auch wenn sich die Texte reiben, Tanzen darf man dazu trotzdem. «Unbedingt!» finden sie.

Hier geht’s zum Album-Review.

Live: 14.4. Dachstock Reitschule (Bern), 24.4. Kiff (Aarau), 28.4. Bad Bonn (Düdingen)