22.02.2017
Rubrik Musik

Psycho-Prog-Potpourri: Zeal & Ardor im Interview


Er wird schon jetzt als CH-Release des Jahres gefeiert und sorgt für Gesprächsstoff: Manuel Gagneux alias Zeal & Ardor hat sich unseren Fragen gestellt.

Manuel, du hast dich von der Musik afroamerikanischer Sklaven inspirieren lassen. Fühlst du dich denn versklavt?
Nein. Sklaverei im wirtschaftlichen Sinne ist zwar ein wichtiges und aktuelles Thema, doch ich beziehe es weder auf mich noch auf meinen Sound. Was ich übernehme, ist der Gemeinschaftsgedanke. Die Musik reisst dich mit, du willst automatisch mitklatschen. In diesem Grundgefühl geht dem Metal der destruktive Faust-in-die-Fresse-Charakter völlig ab, man empfindet ihn eher als gewaltigen Rückenwind.

Inwiefern geht es dir um das Aufbegehren?
Das steckt in den Songs, richtet sich aber nicht gegen einen konkreten Antagonisten.

Du erntest mit Zeal & Ardor kräftig Lorbeeren. Was geht in dir vor, wenn dich die Plattenfirma als «CH-Release des Jahres» abfeiert?
Das löst ambivalente Gefühle aus. Irgendwo wäre es mir lieber, es käme jemand, der mir sagt, was ich anders oder besser machen könnte. Wenn ich dieses Projekt weiterziehe, muss ich das für mich machen, nicht als Echo auf die Reaktion des Publikums. Ich finde, viele Schweizer Acts arbeiten zu reaktionär, lassen sich von externen Impulsen steuern.

Innovative Klänge aus der Schweiz, das erinnert an Celtic Frost, Eluveitie…
…oder auch die Young Gods. Bizarr finde ich, dass alle diese Bands in der Schweiz nie über ihre Nische hinaus Erfolg hatten, im Ausland dafür die Hallen füllen. Ich glaube, es gibt hier massenhaft schräge Köpfe. Was ihnen zum Durchbruch fehlt, ist die Plattform.

Anders als in New York?
Genau. Neben Brotjobs in Tonstudios konnte ich während der drei, vier Jahre oft in Kneipen auftreten. Das Klima erlebte ich als sehr unterstützend. Wir unterstellen den Amis gern Oberflächlichkeit. Ich würde eher sagen, ihr Goodwill ist zeitlich begrenzt: So lange du jemanden vor dir hast, hilft er dir, wo er kann. Sobald er weg ist, kümmert er sich um etwas anderes.

-> «Devil Is Fine» erscheint am 24. Februar. Das Review dazu gibt’s dann ebenfalls ab 12 Uhr hier auf rckstr.ch.



So klingt die aktuelle Ausgabe


Newsletter anmelden

Unseren Newsletter versenden wir Donnerstags.

Kommende RCKSTR-Events