30.06.2017
Rubrik Musik

Review-Freitag: Die Platten der Woche mit Beach House, KMFDM, Lea Porcelain, Stone Sour und mehr!


Von Industrial-Rock bis Minimal-Indie, von Pop bis Nu-Goth-Shoegaze: Diese Woche gibt’s neue Musik von Beach House, KMFDM, Lea Procelain, Stone Sour, Vérité, Pristine, Ride, Baba Shrimps, Baio, Mise En Scene, Bumblebees und CKY.

Soft-Sounds: Beach House – «B-Sides And Rarities»

Lucky Number 7? Gut möglich, denn auf ihrem siebten Album packen Beach House keine neuen Songs, sondern alles, was sich in den letzten Jahren so angestaut hatte, aber nirgendwo Platz fand. Warum die Band aus Baltimore überhaupt B-Sides raushaut, wenn alle Songs doch immer nach der zweiten Seite klingen, fragte nach der Ankündigung des Albums jemand auf Twitter. Victoria und Alex müssen diesem User zwar recht geben, doch «B-Sides And Rarities» ist es trotzdem wert, gehört zu werden: Einen besseren Querschnitt aus den letzten zehn Jahren Beach House kriegt man sonst nicht. (kätt)

Wertung:

Für Fans von: DIIV, Grizzly Bear, Youth Lagoon

Beach House– «B-Sides And Rarities» auf iTunes

Industrial-Rock: KMFDM – «Yeah!»

Bevor die Industrial-Pioniere KMFDM um Sascha Konietzko im August ihr bereits zwanzigstes Studioalbum veröffentlichen, hauen sie vorab schon mal die EP «Yeah!» als Vorgeschmack raus. Und verdammt, diese EP macht Laune auf mehr! Darauf zu finden sind die beiden neuen Songs «Hell Yeah» und «Freak Flag» sowie drei Remixe und Edits. Schon beim ersten Ton wird die Marschrichtung klar und auch das neue Material von KMFDM drückt, bis der Subwoofer die Katze inhaliert! Hell yeah, bitte mehr davon! (vlct)

Wertung:

 Für Fans von: Ministry, Skinny Puppy, Killing Joke

KMFDM– «Yeah!» auf iTunes

Postpunk like it’s 1980: Lea Porcelain – «Hymns To The Night»

Dass es sich hier um kein Produkt aus dem britischen Postpunkzeitalter handelt, erstaunt erst mal. Julien Bracht und Markus Nikolaus heissen die zwei Buben, die als das Duo Lea Porcelain Joy Division wiederauferstehen lassen. «Hymns To The Night» ist düster, vernebelt und hypnotisierend und wenn auch die Parallelen musikalisch und gesanglich zu Ian Curtis teils zu extrem sind, kommen Lea Porcelain wuchtiger daher. Das Debüt hat internationales Potential und die hallenden Drums und wehenden Synthie-Klänge laden zur durchzechten Nacht in Manchesters Kellerclubs. (raf)

Wertung: 

Für Fans von: Joy Division, The Cure, Drangsal

Lea Porcelain– «Hymns To The Night» auf iTunes

Modern-Rock: Stone Sour – «Hydrogad»

Kaum ist das neue Album am Markt, geht das Gebashe im Internet los. Chad Kroeger bezeichnete die Band unlängst als «Nickelback light». Obschon dieser auf seinem jüngsten Wurf wieder die Gitarren ausgepackt hat, kann er Stone Sour aber niemals das Wasser reichen. Auf «Hydrogad» besinnt man sich auf alte Stärken und vermischt diese mit einer neuen Frische, welche man sich vom Iowa Fünfer erwartet hatte. Der Spagat zwischen Slipknot und Stone Sour funktioniert einwandfrei und beweist einmal mehr, auf welch hohem Niveau die Band abliefert. (pat)

Wertung: 

Für Fans von: Slipknot, Five Finger Death Punch, Volbeat

Stone Sour – «Hydrogad» auf iTunes

Identitätsloser Pop: Vérité – «Somewhere In Between»

An ihrem tanzbaren Cover der The-1975-Streicheleinheit «Somebody Else» gibt’s seit bald einem Jahr kein Vorbeikommen. Ihre drei bisherigen EPs wurden (auch deswegen) millionenfach gestreamt – trotzdem hat Vérité bis jetzt keinen Plattenvertrag unterschrieben. Statt diesen Indie-Charme und ihr Gespür für viral gehende Synthpop-Songs zu einem Debütalbum-Ungetüm zu kombinieren, legt die New Yorkerin «Somewhere In Between» vor, das irgendwo zwischen Chart-Hit, wohliger Melancholie sowie stampfender Düsternis feststeckt und darum nichts davon wirklich ist. (shy)

Wertung: 

Für Fans von: Banks, Halsey, MØ

Vérité– «Somewhere In Between» auf iTunes

Psych-Rock-Blues: Pristine – «Ninja»

Funky Blues meets Psych-Rock. Geht das gut? Naja, eigentlich schon, aber so richtig benebeln will uns dieser norwegische Cocktail dann doch nicht. Zwar gibt Heidi Solheim am Mikro wieder mal alles, die Kompositionen (die übrigens ebenfalls von Heidi, with a little help from her band friends, stammen) sind allesamt solide, aber der Funken will auch beim dritten Durchspielen nicht überspringen. Der Grund? Alles schon mal irgendwo in einer besseren Version gehört.  (kätt)

Wertung:

Für Fans von: Scorpion Child, Spidergawd, Blues Pills

Pristine– «Ninja» auf iTunes

Nu-Goth-Shoegaze: Ride – «Weather Diaries»

20 Jahre ist es her, seit Ride ein neues Album rausgehauen haben. Zwar tourt die britische Shoegaze-Band nach der Auflösung 1996 seit drei Jahren wieder live, die Musik ab Platte blieben uns Andy Bell (für die jüngere Generation, das war der Bassist von Oasis ab 1999), Mark Gardner, Laurence Colbert und Steve Queralt aber schuldig – bis jetzt. «Weather Diaries» ist ein grossartiges Album mit neuem Material, das nach Aufbruch und Jugendlichkeit klingt, nach Rotz und Verlangen. Spannende Mischung, die wohl auf das neue Publikum an den letzten paar Gigs (am Coachella, zum Beispiel) zurückzuführen ist. (kätt)

Wertung: 

Für Fans von: SPC Eco, Oasis, Cocteau Twins

Ride– «Weather Diaries» auf iTunes

Schweizpartypop: Baba Shrimps – «Road To Rome»

«Road To Rome» ist eine Platte, die ohne weiteres auch in die Playlist eines jeden Teenies passen würde. Partytaugliche Popsongs mit ganz sanftem Folkrock-Einschlag, gepaart mit eingängigen Lyrics sind nun mal die beste Mischung, um die Swifties und Sheeran-Fans dieser Welt glücklich zu machen. Für alle anderen ist «Road To Rome» ein nettes Album voller netter Songs, bei denen man sogar auch mal mitsingen will. Nur beim Opener «Oracles» hätten wir uns gewünscht, dass man hier den Schweizer Dialekt etwas ablegt. Klappt ja bei allen anderen Songs auch. (kätt)

Wertung:

Für Fans von: Ed Sheeran, Taylor Swift, Hecht

Baba Shrimps– «Road To Rome» auf iTunes

Live: 7.7. Eigerrock (Grindelwald), 8.7. Summerstage (Basel), 13.7. Kulturimort (Bad Ragaz), 28.7. Rockfest (Schmerikon), 29.7. Zeltainer (Unterwasser)

Minimal-Indie: Baio – «Man Of The World»

Christopher Baio hatte mit seinem Indie-Hit «Sister Of Pearl» die Messlatte sehr hoch gesetzt. Mit «Man Of The World» schafft er leider nicht wieder dieselbe Streicheleinheit für unsere Trommelfelle. Synthie-Geklimper und Bongo-Trommeln, die ein dreijähriges Kind besser eingespielt hätte, ziehen das Album auf die gefühlte Länge von zehn Fussballspielen. Und will uns Baio mit dem Abschlusstrack «Shame In My Name» noch etwas sagen? Einzig für die tiefe Baio-Stimme gibt’s noch viel Liebe. (log)

Wertung:

Für Fans von: Vampire Weekend, British Sea Power, Phoenix

Baio– «Man Of The World» auf iTunes

Girl Alt-Rock: Mise En Scene – «Still Life On Fire»

Stefanie Blondal Johnsons Stimme nimmt uns schon beim ersten Ton mit, das Herz haben wir an sie verloren und damit können wir gut leben. Denn auch der Rest von «Still Life On Fire» ist solider Girl-Rock, der viel grantiger klingt, als man in der Heimat Kanada wohl je sein könnte. Mise En Scene bringt mit dem Zweitling nicht nur frischen Wind, sondern auch eine Message mit: Schluss mit Stillstand! Es ist Zeit, unser Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen und vorwärts zu machen. Word, Stefanie! (kätt)

Wertung:

Für Fans von: The Courtneys, Diet Cig, Chastity Belt

Mise En Scene– «Still Life On Fire» auf iTunes

Dream-Psych-Extravaganza: Bumblebees – «Pollination»

Jöh! So ein herziger Bandname. Zugegeben, zuerst dachten wir ja, uns erreicht da die Debüt-EP einer Kinderband, doch schon nach dem ersten gehörten Track (in unserem Fall «Last Ticket») ist der Fall klar: Diese fünf Jungs aus dem Tessin und Zürich wollen die Welt bestäuben. Nicht mit Pollen, dafür aber mit traumhaften Psych-Rock-Passagen, entspannendem Surf-Rock und fantastischem Alternative-Pop. «Pollination» ist der perfekte Soundtrack für ein Schläfchen in der Sonne, bei dem man dann aber doch irgendwie kein Auge zukriegt, weil der Kopf ständig im Takt mitwippen will. (kätt)

Wertung:

Für Fans von: Saint Tangerine Convention, Allah-Las, The Outta Mind

Bumblebees– «Pollination» auf iTunes

Stadion-Garage-Rock: CKY – «The Phoenix»

Es war einmal in einer Zeit vor «Jackass» auf MTV, als auf den Schulhöfen x-fach überspielte VHS-Kassetten mit den «Camp Kill Yourself»-Videos ausgetauscht wurden. Den Soundtrack dazu lieferte die gleichnamige Band CKY, die sich nun mit ihrem fünften Studioalbum «The Phoenix» nach einer längeren Auszeit zurückmeldet. Darauf klingen CKY eigentlich wie früher, nur haben sie ihren Sound mittlerweile perfektioniert und liefern ihr bestes Material seit den legendären ersten beiden Alben ab. (vlct)

Wertung:

Für Fans von: Static-X, Powerman 5000, Chimaira

CKY– «The Phoenix» auf iTunes



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